Cyber-Mobbing in der Politik angekommen

Wahlkampf oder ernsthafte Diskussion?
In der heutigen Aktuellen Stunde im Berliner Abgeordnetenhaus wurde der von der CDU-Fraktion gestellte Antrag: „Im Internet gemobbte Schüler werden allein gelassen, viele Lehrer haben eine geringe Medienkompetenz, die vorhandenen PCs werden zu wenig genutzt – die Berliner Schule ist noch nicht im Informationszeitalter angekommen!“ bewilligt.

Anlass für die Debatte war, dass ein Jugendlicher in der vergangenen Woche in Berlin zusammengeschlagen wurde, weil er seine Freundin gegen Angriffe aus dem Netz auf der Mobbing-Plattform isharegossip.com (die nun auf dem Index steht) verteidigen wollte. Berechtigterweise wurde die Frage gestellt, ob es erst zu einem solchen Vorfall kommen musste, damit das Thema wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt.

Die Debatte brachte nichts Neues. Vorhandene Projekte wurden aufgezählt, den Regierungsfraktionen Nachlässigkeit vorgeworfen und es wurde zum Handeln aufgefordert. Bildungssenator Zöllner (SPD) verwies auf den 2005 aufgestellten e-education-Masterplan, in dessen Zusammenhang eine systematische Ausbildung der Medienkompetenz von Lehrern und Schülern einherging.  Die Frage des „Wie“ wurde jedoch nicht befriedigend beantwortet: Die Aufklärung der Kinder und Jugendlichen sollte am besten schon im Kindergarten beginnen, die Lehrer durch Weiterbildungen auf den neuesten Stand zum Thema Medienkompetenz gebracht werden, damit sie nicht zu Schülern ihrer Schüler werden. Und auch die Eltern sollten Kurse belegen, um ihre Kinder kompetent bei der Mediennutzung beraten zu können. Diese Fragen werden schon länger diskutiert.

Gewalt an Schulen jedoch hat eine neue Qualität erhalten und wurde durch das Internet anonymisiert, was ein fehlendes Machtgefälle zwischen Täter und Opfer ermöglicht. Dass jedoch die Quantität zugenommen hat, lässt sich nicht beweisen, da es bislang keine Langzeitstudien gibt. Die Wahrnehmung eines größeren Gewaltpotenzials in der Schule ist nach Aussagen von Wilfried Schubarth auf eine gestiegene Sensibilisierung durch die Medien zurückzuführen. Auch die Abgeordneten in Berlin haben sich von den Medien beeinflussen lassen, indem sie das Thema auf die Tagesordnung hoben, nachdem es in den letzten Tagen in Folge des Überfalls sehr präsent war.

Die Aufgabe der Politik, wie es in der Debatte öfter angeklungen ist, sei es, vorhandene Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu ermöglichen und alle Beteiligten bei der Bekämpfung von Cyber-Mobbing zu vereinen. Das bedeutet Aufklärung nicht nur der Lehrer, sondern auch von Eltern, Schülern und weiteren Beteiligten des Schullebens. Vom CDU-Schulexperte Steuer und der FDP-Abgeordneten Senftleben kam die Forderung nach einem Jugendmedienschutzbeauftragten, wie er in Brandenburg und Rheinland-Pfalz schon existiere.

Das Thema Cyber-Mobbing ist in der Politik angekommen und man ist sich wenigsten in dem Punkt einig, dass Medienkompetenz wie Lesen, Schreiben und Rechnen geschult werden sollte, wie die Senftleben explizit forderte. Die SPD-Politikerin Tesch wünschte sich darüber hinaus, dass sich doch alle Parteien bei diesem Thema einig sein sollten, um das „Schulklima positiv zu beeinflussen“. Ob es aber zu einem Unterrichtsfach “Medienkompetenz“ kommen wird, wie der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix es fordert, ist noch ungewiss – in der Debatte zeichnete es sich heute nicht ab, und auch sonst gab es keine neuen Erkenntnisse für das weitere Vorgehen gegen Cyber-Mobbing.

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