Cory Booker: Leitlinien für die erfolgreiche Twitternutzung in der Politik

TechCrunch CC BY 3.0Ist er der nächste Social Media-König in den USA? Die Rede ist von Cory Booker, Bürgermeister der Stadt Newark und Twitter-Experte . Ein Mann, der die Potenziale von Twitter verstanden hat und dank seiner Kommunikationsstärke zum neuen Stern am demokratischen Himmel aufgestiegen ist. Was deutsche Politiker von ihm lernen können? Einiges, vor allem im Umgang mit den Bürgern.

Twitter ist eigentlich ganz simpel: Ein Tweet besteht aus maximal 140 Zeichen, Hashtags und vielleicht noch einem weiterführenden Link. Allerdings fahren viele Twitter-Nutzer – gerade Unternehmen, Medien und Politiker – oft nur eingleisig mit ihren Konten. Auf Retweets oder Kommentare wird kaum oder gar nicht reagiert. Aber warum? Twitter ist das perfekte Tool, um einen Dialog zu starten – ein eigener Kommunikationskanal ohne großen technischen Aufwand. Insbesondere für (angehende) Politiker bietet das soziale Netzwerk die Möglichkeit, direkt mit den Bürgern in Kontakt zu treten. Dabei kann mit einem Twitter-Accoount viel mehr verbunden sein als nur ein Imagegewinn, sondern zum Beispiel die Erkenntnis, wie „der Bürger“ tickt. Ein Mann, der das verstanden hat, ist der US-Politiker Cory Booker, Bürgermeister von Newark und neuer Hoffnungsträger der Demokraten.

Ein Mann geht seinen (eigenen) Weg

Der 43-jährige Jurist Booker ist seit 2006 demokratischer Bürgermeister von Newark und begeisterter Twitter-Nutzer. Zu Twitter habe ihn Ashton Kutcher gebracht, erzählte Booker auf der Technologie-Messe South by Southwest im März. Aber zu welchem Zweck nutzt der sogenannte New Media-Politiker Twitter? In einem Interview mit dem Online-Magazin PandoDaily antwortete Booker auf die Frage, ob sein Umgang mit sozialen Medien auf andere Politiker übertragbar sei: „Kurz gesagt: ja. Aber ich habe kein Erfolgsparameter. Social Media haben es mir ermöglicht, nicht nur Einfluss auf meine eigenen Medienkanäle zu nehmen, sondern sie sogar zu kontrollieren. Vor fünf Jahren hätte ich eine Pressekonferenz einberufen müssen, um der Bevölkerung etwas mitzuteilen, und die Nachricht wäre dann noch durch die Medien gefiltert worden. Heute kann ich eine Reihe von Bürgerversammlungen abhalten, aber letztlich kann ich damit nicht mehr als ein paar Tausend Menschen am Tag erreichen. [Mit Twitter] kann ich innerhalb eines Tages mit Millionen kommunizieren.“

Über 1,3 Millionen Follower hat Booker bereits auf Twitter gesammelt – Tendenz steigend. Das sind mehr als der beliebte italienische Politiker Beppe Grillo hat und fast so viele wie der amerikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Der Unterschied zu diesen zwei großen Namen: Booker ist (nur) Bürgermeister von Newark, einer eher unrühmlichen Stadt mit gerade einmal 270.000 Einwohnern vor den Toren New York Citys. Wie ist es Booker also gelungen, eine so große „Followerschaft“ um sich zu scharen? Der Schlüssel seines Erfolgs liegt nicht etwa im Ankauf von Fake-Profilen, wie dies jüngst mutmaßlich bei CDU und FDP geschehen ist, sondern in der wechselseitigen Interaktion mit seinen Anhängern.

Hierarchie, nein danke!

Bei Booker ist garantiert, dass er nicht im Stile eines typischen „Top-Down“-Verhältnisses mit den Bürgern seiner Stadt kommuniziert, sondern dass sich Bevölkerung und Bürgermeister auf Augenhöhe (hier: Twitter) treffen, um gemeinsam an Problemen zu arbeiten oder einfach nur Gedanken auszutauschen. So benutzt Booker sein Twitter-Profil nicht nur für (Image-)Kampagnen oder um Informationen zu streuen, nein, er redet buchstäblichen mit den Bürgern. Ein Beispiel: Als ein Bürger sich bei Booker wütend über Schlaglöcher in seiner Straße beschwerte, forderte der Bürgermeister seine Follower auf, weitere Schlaglöcher zu melden.

Quelle: Twitter

Und als eine Frau beklagte, dass ihre Tante die Polizei von Newark nicht erreichen könne, schickte Booker ihr seine Telefonnummer, um persönlich mit ihr über das Problem zu sprechen. Booker will für seine Bürger da sein, deshalb wird er auch des Öfteren zur (Online-)Beratungsstelle, bei der er Bürgeranfragen beantwortet und Kontaktdaten zu öffentlichen Stellen vermittelt. Auch wenn fast illusorisch klingt, Booker bekräftigt, dass nur er selbst für seinen Twitter-Account zuständig ist. Bei seinem Enthusiasmus kann man ihm das sogar abnehmen.

Twitter @CoryBooker Retweet who do i speak

Was kann man lernen vom Social Media-Politiker? Erst einmal den Umgang mit den Menschen. Es gibt nicht viele, die so glaubwürdig, geschickt und dazu erfolgreich Twitter nutzen. Selbst seine Kritiker lässt Booker zu Wort kommen. Außerdem ist die Nutzung von Twitter als lokales Beteiligungstool hervorzuheben. Der Bürgermeister hat das Potenzial von Twitter und anderen Social Media-Kanälen erkannt und nutzt sie für sich. Einfacher konnte man nie mit seinem Bürgermeister in Kontakt treten. Hierarchie, nein danke.

Hilfe vom Experten

Seine Begeisterung für Twitter und auch andere Social Media-Kanäle hat Cory Booker in diesem Jahr die Auszeichnung SXSW Speaker of the Year und eine Menge Sympathie in der digitalen Welt eingebracht. Aber wie wird man nun der deutsche Cory Booker? NBC News hat fünf Twitter-Tipps von Booker aufgeführt, die auch für deutsche Politiker interessant sein könnten:

1. „Löschen Sie nie einen Tweet“
2. „Ich versuche immer meine Kritiker zu retweeten“
3. „Twittern ist kein zusätzlicher Bonus. Es hat Priorität.“
4. „Man weiß nie, was man mit einem freundlichen Wort erreichen kann“
5. „Beeinflussen Sie die Diskussion“

Ob Booker es schafft, auch die älteren (Offline-)Bürger auf seine Seite zu ziehen, wird sich zeigen müssen. Sein nächstes Ziel hat er bereits verkündet: die Senatswahl 2014. Wir dürfen also gespannt sein, ob es nach einem Social Media-Bürgermeister im kommenden Jahr vielleicht auch einen Social Media-Senator geben wird.

Bilder: TechCrunch (CC BY 3.0), Twitter

Buch-Cover von Marina Weisband

Eine Antwort auf Cory Booker: Leitlinien für die erfolgreiche Twitternutzung in der Politik

  1. Julian sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel, der deutlich zeigt, dass es eben doch geht. Dass Twitter eben doch nicht nur ein einseitiger Kommunikationskanal sein muss, in den die zigste Pressemitteilung gestopft wird (welche ohnehin schon auf der Webseite und auf Facebook verbreitet wurde).

    Dass es ist auch in Deutschland geht haben in den letzten Jahren eine handvoll Bundestagsabgeordnete fraktionsübergreifend bewiesen. Sie haben erkannt, dass Twitter nicht einkanalige Kommunikation ZUM, sondern Dialog MIT dem Bürger sein kann.

    Dann soll es ihnen auch erlaubt sein, sich mit vielen anderen über das sonntägliche Trend-Topic, dem #tatort, auszutauschen. Und das tun sie: http://bundestagsradar.net/?p=1767

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