Comeback für Momper?

Berliner SPD kürt am 17. Januar Herausforderer
für Diepgen


Diepgen rennt – und die Konkurrenz gräbt
die Startlöcher. In einer Urwahl entscheidet die Berliner
SPD am 17. Januar, wer im Herbst als Herausforderer
des CDU-Regierenden antritt. Startbereit sind Klaus
Böger, Fraktionschef der Sozialdemokraten im
Abgeordnetenhaus, und der frühere Regierende
Bürgermeister Walter Momper: Der «Mann mit dem
roten Schal» versucht noch einmal ein politisches
Comeback. Mit Diskussionsrunden und
Unterstützerkreisen, Telefon- und Briefaktionen werben
beide im parteiinternen Endspurt um die Stimmen der
22.000 SPD-Mitglieder.

Die CDU, Seniorpartner in der neun Jahre alten großen
Koalition, hat den Wahlkampf bereits öffentlich
gestartet. Überall kleben Großplakate mit Eberhard
Diepgen als dynamischem Dauerläufer vor
Großstadtkulisse und dem Slogan «Diepgen rennt – für
Berlin». Die Anspielung auf den Kinohit «Lola rennt»
geriet indes zum Flop, Regisseur Tom Tykwer verbat
sich die Aktion per Gericht.

Auch der von Diepgen geführte Senat könnte sich bei
der Abgeordnetenhauswahl – voraussichtlich am 10.
Oktober – als Auslaufmodell erweisen. 71 Prozent der
Berliner erwarten einer Forsa-Umfrage zur Jahreswende
zufolge im Herbst einen Regierungswechsel. Bögers
Anhänger werben gerne mit der Umfrage, zeigt sie
doch, daß ihr Kandidat bei den Berlinern beliebter ist
als Momper, und daß er die besseren
Siegesaussichten hätte. «Mit Momper würde es die
SPD schwer haben, mit Böger hätte sie eine Chance»,
befand Meinungsforscher Manfred Güllner. Die Umfrage
zeigt aber auch das Handicap des
Fraktionsvorsitzenden: Er ist lange nicht so bekannt
wie Momper, der als Berlins Regierungschef in den
dramatischen Jahren 1989/99 auf jedem Fernsehschirm
zu sehen war.
Dann flog seine rot-grüne Koalition auseinander,
Momper ging in die Bauwirtschaft. Den
SPD-Landesvorsitz mußte er 1992 abgeben. 1995
unterlag er in einer Urwahl um die Spitzenkandidatur
gegen Senatorin Ingrid Stahmer, der gegen Diepgen
auch kein Stich gelang. Voriges Jahr war er wieder als
SPD-Landeschef im Gespräch, sah dann jedoch von
einer Bewerbung ab.

Die Außenseiterrolle macht es Momper leicht, für sich
ein «klares SPD-Profil» zu reklamieren und die große
Koalition zu kritisieren. «Ich habe noch nie erlebt, daß
eine Regierung so ein schlechtes Ansehen hat», rügte
er kürzlich. Böger wiederum muß die Erfolge der
Koalition herausstreichen, die schließlich von seiner
Fraktion mitgetragen wird, und hält Momper schon mal
«verzerrte Wahrnehmung» vor.

Bei den gemeinsamen Wahlkampfauftritten geht es
jedoch fair und friedlich zu. Auf einem Mitgliederforum
zum Thema «Lebenswerte Stadt Berlin» am
Donnerstag im Rathaus Schöneberg etwa fiel es so
manchem Genossen schwer, Unterschiede
herauszufinden. Klaus stimmt Walter zu; Walter gibt
Klaus recht und muß einmal gar die Koalition «in
Schutz nehmen», weil er an der Privatisierung des
Stromversorgers gar nichts auszusetzen hat.

Einig sind sich beide auch darin, daß sie Rot-Grün
anpeilen und mit der PDS überhaupt nicht wollen.
Böger sagt deutlicher, daß er eine neue große
Koalition nicht ausschließt, falls das Wahlergebnis
anders nicht reicht. Beide wissen, daß weiter gespart
werden muß, und Arbeitsplätze Priorität haben. Beide
empören sich über die Ausländerpolitik des
CDU-geführten Innensenats.

Beide sind 53 Jahre alt, beide vor Jahrzehnten aus
Westdeutschland nach Westberlin gekommen, beide
sind Diplom-Politologen, beide verheiratet und haben
zwei Kinder. Beide haben Wahlkampftruppen um sich
geschart. Böger verteilt Buttons, Momper rot-grüne
Ansteckschleifen in Anspielung auf das Markenzeichen
roter Schal. «Zukunft für Berlin – Klaus Böger»,
plakatiert der eine. Der andere hat seinen Slogan ganz
oben abgeguckt: «Ich bin bereit – Walter Momper».

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