Campus Party Europe: Programmierer aller Länder, vereinigt euch!


Mit der Campus Party Europe hat Berlin in diesen Tagen das weltweit größte Technologiefestival zu Gast und wird für sechs Tage zum Zentrum der Diskussion um Innovation, Kreativität, Wissenschaft und Digitalisierung. Über 10.000 Menschen sind in die Hallen des ehemaligen Flughafens Berlin Tempelhof gekommen, um einen Dialog zwischen Machern und Entscheidern des digitalen Wandels zu führen und gemeinsam an einer Digitalen Agenda für Europa zu arbeiten.

Gestern Abend startete mit der Campus Party Europe ein Event, wie es in Deutschland bislang noch keines gab. Über 10.000 Menschen aus 66 Ländern, sogenannte Campuseros, sind nach Berlin gekommen, um sich eine Woche lang in Vorträgen, Workshops und Hackathons über eine Digitale Agenda für unsere global vernetzte Gesellschaft zu verständigen. Der internationale Charakter der Veranstaltung und die Festival-Stimmung scheinen der ideale Rahmen zu sein, um über Auswege aus der europäischen Krise nachzudenken. Denn viele Entwickler und Blogger eint die Überzeugung, dass nur eine aktive Beteiligung eines jeden Einzelnen an lösungsorientierten Prozessen zu konstruktiven Ergebnissen führt. Insgesamt werden 24 verschiedene Themenkomplexe auf den neun Bühnen der Campus Party von über 450 Sprechern präsentiert. Das Spektrum reicht von Biotechnologie über Astronomie bis hin zu Development und Social Media.

Mit dem europäischen Projekt “Open Cities” wurde bereits am ersten Tag die Möglichkeit aufgezeigt, wie mit Open Data und dem Willen zur Veränderung, nützliche Anwendungen für die Gesellschaft entwickelt werden. Frank Kresin, Direktor am niederländischen Institut Waag Society, gab dem interessiertem Publikum den Rat, hartnäckig in ihrem Bestreben zu bleiben: “Fangt klein an, zeigt die Möglichkeiten auf und überzeugt von der Bedeutung eurer Open-Data-Anwendung!” Kresin gab zu, dass es mühsam ist, die politischen Entscheider mit kleinen Projekten zu überzeugen und dass dies viel Zeit in Anspruch nimmt, aber nur so könnten Gesetze geändert und weitere Entwicklung ermöglicht werden. Nadine Barthel von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung zeigte auf, dass die Bedeutung von Open Data hier bereits erkannt und gefördert wird. Mit dem Berliner Open Data Portal, dem ersten seiner Art in Deutschland, existiert bereits seit September 2011 ein Projekt, in dem mittlerweile 67 Datensätze in 17 Kategorien für Recherchen und App-Entwicklungen bereit gestellt werden.

INFO: Seit 1997 hat sich die Campus Party zu einer globalen Gemeinschaft von mehr als 200.000 jungen, passionierten Technologen aus ganz Europa, den USA und Lateinamerika entwickelt, die zusammen arbeiten, lernen und Innovationen fördern. Derzeit finden jährlich Veranstaltungen in Sao Paulo, Bogota, Valencia, Quito und Mexiko Stadt statt. Das Festival in Berlin ist die erste Campus Party in Deutschland und bis jetzt das größte Event der Veranstaltungsreihe.

Einen ähnlich langen Atem als Voraussetzung für Erfolg nannte Till Kreutzer vom Urheberrechtsinformationsportal iRights.info. Den digitalen Wandel zu gestalten sei eine enorme Aufgabe und sicher nicht leicht, allerdings müsse es Veränderungen geben, um den Wandel friedlich zu gestalten. Letztlich lasse sich der technologische Fortschritt nicht aufhalten. Beschwerden darüber oder eine Verschärfung der Rechtsdurchsetzung seien langfristig zum Scheitern verurteilt, davon zeigte sich Kreutzer in seinem Vortrag über die heftigen Debatten um die notwendige Reform des Urheberrechts („Copyright-Wars“) überzeugt. Möchte die Politik den Schutz von Kreativen durch das Urheberrecht aufrechterhalten und gleichzeitig die Wirtschaft ihre Geschäftsmodelle geschützt wissen, müsste die Akzeptanz des Urheberrechts zunächst wieder hergestellt werden. Die bisherigen vom Urheberrecht betroffenen Gruppen, die Urheber und Verwerter, müssten lernen, dass mit den im Internet aktiven Bürgern eine weitere Gruppe vom Urheberrecht betroffen ist, die ihre Rechte einfordert und nicht mehr übergangen werden könne.

In den nächsten sechs Tagen wird in einer Mischung aus Technik-Extravaganza und digitalem Woodstock an Ideen für eine Digitale Agenda für Europa gearbeitet – und die Politik hört zu. Mit der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, konnte eine der wichtigsten europäischen Politikerinnen für die Campus Party gewonnen werden. Viele Ideen, die in den vergangenen Monaten im Projekt TheBigThink entwickelt wurden und nun auf der Campus Party Europe vorgestellt werden, sollen später Eingang in die Digitale Agenda der Europäischen Kommission finden. Mit Sir Tim Berners-Lee, dem Direktor des World Wide Web Consortium (W3C) und Erfinder des Internet, dem brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho und den Unternehmens- und Regierungsberater in Internetfragen Don Tapscott wurden namhafte Gäste eingeladen, die den Debattenprozess auf der Campus Party Europe als Hauptredner bereichern.

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