BigBrotherAwards 2007: Auszeichnung für Datenkraken

Über 500 Nominierungen – der Jury fiel es 2007 so schwer wie noch nie, den BigBrotherAward für die größten Datensammler in Deutschland zu vergeben. Am 12. Oktober fand die Verleihung der vom FoeBuD e.V. vergebenen Anti-Auszeichnungen in Bielefeld statt.

 

 

 

Eines gleich vorweg: Trotz Diskussion um Online-Durchsuchung und Bundestrojaner – Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bekam keine Auszeichnung. Denn auch andere Politiker machten durch eifriges Datensammeln auf sich aufmerksam: In der Kategorie Politik gewann Bundesfinanzminister Peter Steinbrück für die Einführung einer Steuer-Identifikationsnummer, die jedem Bundesbürger lebenslang zugeordnet wird. Bundesjustizministerin Zypries überzeugte die Jury mit dem Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung. Dafür gab es den BigBrotherAward in der Kategorie Information.

Generalbundesanwältin Monika Harms machte sich mit ihrem Vorgehen gegen die Gegner des G8-Gipfels keine Freunde unter den Internetnutzern und auch nicht in der Jury des BigBrotherAwards. Für Maßnahmen wie Geruchsproben und Briefkontrolle erhielt sie den Preis in der Kategorie Behörden und Verwaltung und sicherte sich auch den Publikumspreis als
"fragwürdigste Preisträgerin".

In der Kategorie Wirtschaft fiel 2007 besonders die Deutsche Bahn AG negativ auf. Den Preis verdiene das Unternehmen für Videoüberwachung, Schalterschließungen, personalisierte Fahrkarten und einen versteckten RFID-Chip in der Bahncard 100, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Im Bereich Technik tat sich die PTV Planung Transport Verkehr als Datenkrake hervor. Das Unternehmen entwickelte ein System zur individuellen Berechnung der Kfz-Versicherung. Das Problem: Dieses System zeichnet Fahrtroute und Fahrverhalten auf – und meldet diese Daten an die Versicherung.

Die Novartis Pharma GmbH bekam die Auszeichnung in der Kategorie Arbeitswelt. Begründung der Jury: Durch die Überwachung der eigenen Mitarbeiter verletze das Unternehmen grundlegende Persönlichkeitsrechte.

In der Kategorie Verbraucherschutz gab es gleich eine ganze Gruppe von Preisträgern: Internationale Hotelketten wie z.B. Hyatt, Mariott, Intercontinental würden persönliche Daten ihrer Gäste speichern – ohne deren Wissen.

Auf regionaler Ebene qualifizierte sich die Behörde für Bildung und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg als Datenkrake. Die Jury kritisierte die Senatorin für Bildung und Sport, Alexandra Dinges-Dierig, für die Einrichtung eines Schülerzentralregisters. Dieses habe den Zweck, ausländische Familien ohne AUfenthaltserlaubnis aufzupüren, so die Jury in ihrer Begründung.

Der FoeBuD e.V. (Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.) vergibt die deutschen BigBrother Awards seit 2000 an "Firmen, Organisationen und Personen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen."

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