Big Brother Award: Google und Apple dürfen sich (nicht) freuen

Jakob Huber - Campact (CC BY-NC 3.0)Zweifelhafte Ehre: Der deutsche Big Brother Award 2013 wurde heute Abend in Bielefeld verliehen. Unter den Preisträgern des Negativ-Preises sind neben Google, Apple und der Deutschen Post auch die 16 Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer.

Er gilt als die Goldene Himbeere des Datenschutzes – der Big Brother Award. Das erste Mal 1989 in Großbritannien von der Menschenrechtsorganisation Privacy International verliehen, werden auch in Deutschland seit dem Jahr 2000 alljährlich die Gewinner des zweifelhaften Preises gekürt. Die Negativauszeichnung geht dabei an Firmen, Organisationen und Personen, die oftmals in fragwürdiger Art und Weise den Datenschutz vernachlässigt oder mit Absicht gebrochen haben. Von George Orwells Roman „1984“ inspiriert, wird der Big Brother Award in Deutschland vom Bielefelder Verein digitalcourage (ehemals FoeBuD) verliehen und soll auf das Gefahrenpotential des Datenschutzes hinweisen.

In der Kategorie “Politik” wurden in diesem Jahr gleich alle 16 Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer ausgezeichnet. Die Einrichtung des Gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio als Nachfolger der GEZ war für die Juroren Anlass genug, um die Trophäe in Form einer „Datenkranke“ in diesem Jahr in die Landeshauptstädte zu verschicken. Begründung der Entscheidung ist das Fehlverhalten hinsichtlich der Entwicklung des neuen Beitragsservices: „Leider hat die Politik die Chance verpasst, mit der Haushaltsabgabe eine neue, wirklich datensparsame Methode der Erhebung der Rundfunkbeiträge einzuführen“, so Laudator Frank Rosengart.

Überraschungen sehen anders aus – die Kategorie “Globales Datensammeln” konnte eigentlich nur einen klaren Sieger küren: den Internetkonzern Google Inc. „Unter dem Deckmantel einer Suchmaschine und anderen Gratis-Diensten wie Maps, Docs und YouTube“ sammele Google „Echtzeit-Daten über alles und jeden und kategorisiert Menschen für seinen Werbeprofit“, heißt es aus einer offiziellen Stellungnahme der Juroren. Die Laudatoren Rena Tangens & padeluun wiesen darauf hin, dass bei diesem Preisträger keine Datenschutzverstöße kritisiert würden, sondern das Problem eher darin bestünde, dass er (u.a.) global Unmengen an Daten sammele und Nutzerinnen und Nutzer als Wesenskern seines Geschäftsmodells ausforsche.

Im Bereich “Arbeitswelt” kam in diesem Jahr keiner an der Apple Retail Germany GmbH vorbei. Den Big Brother Award bekam Apple für seine umfassende Videoüberwachung von Beschäftigten. Wie unlängst bekannt wurde, werden die Angestellten nicht nur in Verkaufs- und Lagerräumen, sondern auch in ihren Pausenräumen überwacht, Vor dem Hintergrund der Skandale vergangener Jahre um unzulässige heimliche Kameraüberwachungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Lidl und anderen Firmen zeigten sich die Juroren überrascht, dass die Apple Retail Germany GmbH daraus nichts gelernt habe.

Weitere Preisträger des Big Brother Awards 2013 sind die Deutsche Post im Bereich “Wirtschaft” für den Verkauf von Adress- und Umzugsdaten an die werbende Wirtschaft sowie die Bundespolizei in der Kategorie “Behörden und Verwaltung” für ihre Fahndung nach rassischen und/oder ethnischen Kriterien. Von den Preisträgern gibt es bislang keine Reaktion auf die Auszeichnungen.

Bild: Jakob Huber – Campact (CC BY-NC 3.0)

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