“Alla, hopp!” im Internet

Kurt Beck ist online!



Er hat sich Zeit gelassen, aber nun geht auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck mit einer persönlichen Homepage in den Wahlkampf. Bisher musste der User mit dem zugegebenermaßen beeindruckenden Wahlkampfangebot der SPD vorliebnehmen, wenige Wochen vor der Wahl legt Beck nun aber nicht nur in den Umfragen nach.

Mit
seiner nagelneuen Site verfolgt der Pfälzer zwei Strategien. Erstens
zeigt er sich als volksnaher Landesvater, der sich um Land und Leute
kümmert. Zweitens hebt er die hohe Leistung der rheinland-pfälzischen
Wirtschaft hervor. Denn ähnlich wie sein Amtskollege Erwin Teufel
interpretiert er günstige ökonomische Daten als Zeugnis guter
Regierungsarbeit.

Schwerpunkt
der nüchtern gestalteten Website liegt natürlich auf der Präsentation
des Kandidaten. In mehreren kurzen Texten wird der gelernte
Funkelektroniker porträtiert – als Staatsmann mit starken Wurzeln in
der Region. Einführend betont Beck die Verantwortung der Wähler, sich
an der Abstimmung am 25. März zu beteiligen. Er appelliert an die
Rheinland-Pfälzer, sich über die Parteien sowie deren Programme zu
informieren und auszutauschen. Erst nach diesem kurzen Grundkurs in
demokratischem Basiswissen wirbt der Landesvater ausdrücklich dafür,
dass die Wähler ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel bei der SPD machen.

Heimatlob
und Volksnähe kommen bei ihm nicht zu kurz. "Es ist ein großes Glück,
hier daheim zu sein", verkündet Beck, der fast sein ganzes Leben im
Land der Reben und Rüben verbracht hat. Er bezeichnet sich als "Pfälzer
mit ganzem Herzen". In seinem Heimatdorf Steinfeld, nahe der
französischen Grenze gelegen, wohnt er noch heute. Seit zwanzig Jahren
hält er dort einmal im Monat am Sonntag seine Bürgersprechstunde ab.
Stilecht beendet er diese Begegnungen an der Basis – wie auch der
weniger ortskundige User auf der Homepage vernehmen kann – mit einem
typisch pfälzischen, aufmunternden "Alla, hopp".

Neben
seinen regionalen Wurzeln bemüht Beck vor allem wirtschaftliche
Erfolgsgeschichten. Die drittbeste Arbeitslosenquote aller
Bundesländer, die Umwandlung des ehemaligen Militärflughafen Hahn in
ein erfolgreiches Luftkreuz für den zivilen Frachtverkehr, dazu eine
hohe Zahl erfolgreicher Unternehmensgründungen und eine geringe
Kriminalitätsrate – nach seiner Ansicht sind diese günstigen Daten ein
Indikator für erfolgreiche Regierungsarbeit und natürlich gute
Argumente, weitere fünf Jahre in Mainz zu regieren .

Die
inhaltlichen Schwerpunkte für die nächste Legislaturperiode vermittelt
Beck in seinem Regierungsprogramm, das ebenso wie ausgewählte
Themenbroschüren online verfügbar ist. Neue Jobs durch aktive
Arbeitsmarktpolitik zu schaffen gehört zu seinen Zielen. Ferner bemüht
er sich um "zukunftsorientierte Bildung", die er unter anderem durch
die landesweite Einführung von 300 Halbtagsschulen umsetzen will.
Zusätzliche Kindertagesstätten und Hilfsmaßnahmen für den beruflichen
Wiedereinstieg allein erziehender Frauen favorisiert der amtierende
Ministerpräsident, um die Gleichstellung von Mann und Frau zu
erreichen.

Alles
in allem wirkt die Homepage wenig spektakulär. Sieht man von einem
Gästebuch ab, in dem sich User als Unterstützer eintragen können, so
sind interaktive Elemente Mangelware. Immerhin ist das Webangebot sehr
übersichtlich und durchaus ansprechend gestaltet. Zumal die dezente
Optik gut zum Bild des regional verwurzelten, staatsmännischen
Landesvaters passt. Nicht zuletzt dank des nötigen Lokalkolorits, der
aufblitzt. Oder wie das Resümee im Pfälzischen lauten müsste: "Alla,
hopp!"

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