Aktive Bürgergesellschaft – mehr Mensch, weniger Staat?


Einsatz, Einfallsreichtum und Entschlossenheit contra wachsende soziale Kälte?
Die CSU- Landtagsfraktion will mit ihrer Initiative "Aktive Bürgergesellschaft" dem
zunehmenden Egoismus und der steigenden Gewaltbereitschaft durch mehr Partizipation
des Einzelnen im alltäglichen Leben entgegenwirken.
Am Freitag fällt in München der Startschuß, doch auch diejenigen, die sich nicht in
der Nähe des "Weißwurst- Äquators" befinden, können den Einführungskongress unter
Aktive Bürgergesellschaft
live verfolgen.
Das Netz, oft als zu anonym
verschrien, ermöglicht hier, dass jeder seinen Teil zu dieser "menschlichen" Aktion
beitragen kann.
politik-digital hat mit Franz Stangl, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der CSU
Landtagsfraktion, über das Projekt geredet.

 

 

politik-digital: Wie kam die Idee "Aktive Bürgergesellschaft" zu stande?

Stangl: Entstanden ist die Debatte durch tiefgründige Überlegungen von Herrn Glück
vor einigen Jahren, warum trotz immer höheren Mittel- und
Steuergeldereinsatz die Gesellschaft nicht zwangsläufig "wärmer" sondern
eher als noch "kälter" empfunden wird. Also die Einsicht, dass der Staat
nicht alles regeln und lösen kann. Im Prinzip eine Rückbesinnung auf die
Leistungsfähigkeit der kleineren Einheiten.

politik-digital: Was beinhaltet die
"Aktive Bürgergesellschaft" genau und welches Ziel
wird primär verfolgt?

Stangl: Herr Glück – der ja auch der Vorsitzende der Grundsatzkommission der CSU ist,
hat sich dann in vielen Gesprächen (in der CSU, in Verbänden, in
Hilfsorganisationen, mit Ehrenamtlern und bei Symposien zu diesem Thema) ein
Grundkonzept zurecht gelegt, dass jetzt wiederum in breiten Schichten der
Gesellschaft diskutiert werden soll. Der Freitag ist sozusagen der
Startschuss. Das neue Internetangebot soll denen, die sich engagieren wollen, Motivation
und Unterstützung sein. Das soll sich dynamisch zu einem
Portal entwickeln, bei dem man Ideen für eignes Engagement,
Fortbildungsangebote, rechtliche Tips und so weiter abrufen kann.

politik-digital: Wurde die "mehrjährige Diskussion
über ein gesellschaftspolitisches Konzept"
nur CSU-intern geführt oder waren auch Bürger beteiligt?

Stangl: Ziel der "Aktiven Bürgergesellschaft" ist es, die Menschen zu
Eigenengagement und
Übernahme von Verantwortung anzuregen. Gleichzeitig muss der Staat
überlegen, wie er sich beschränken kann und die nötigen Freiräume schaffen
kann. Es kann nicht nur jede(r) Büger(in) partizipieren, es sollte im
Idealfall sogar jeder.

politik-digital: Soll es dieses Dialog- Forum nur in Bayern geben oder ist geplant,
es auch auf Bundesebene auszuweiten?

Stangl: Ob das ein Modell für eine bundesweite Inititiative ist? Wir denken schon.
Herr Glück arbeitet seit 1997 konzentriert an diesem Thema. Wir stellen
fest, dass es jetzt eine solche Debatte auch bei der CDU (am Montag hat dort
das Präsidium ein Papier "Zur Stärkung der kleineren Einheiten" beschlossen),
Gerhard Schröder hat in "Der Zeit" einen langen
Namensartikel zur "Zivilgesellschaft" geschrieben und auch die FDP hat
ähnliche Ansätze entwickelt. Sie sehen, das Thema ist im Kommen. Aber wir
erheben schon den Anspruch, bei der Debatte am weitesten zu sein.

politik-digital: Kann jeder interessierte Bürger partizipieren?

Stangl Der Kongress mit Live-Stream am Freitag soll – wie unser geliebter Roman
Herzog das sagen würde – einen "Ruck" geben. Wir wünschen uns eine breite
Debatte und setzen dabei besonders stark auf das Internet. Denn gerade das
Internet ist im Prinzip das Ideal für eine "Aktive Bürgergesellschaft":
Gleichberechtigung, Vernetztes Denken, starke kleine Einheiten statt
Zentralismus, Eigeninitiative statt obrigkeitliche Strukturen …

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