„eGovernment Monitor 2012“: Deutschland bleibt Mittelmaß

© Max Schwesig - Initiative D21

Deutschland – das Land der Dichter und Denker, das Land der Innovationen und der mächtigsten Frau Europas. Auch beim Thema E-Government ist reichlich Potential vorhanden, doch schneiden wir im internationalen Vergleich noch nicht besonders gut ab. Hier könnten die Möglichkeiten des Mobile Government in Zukunft für Abhilfe sorgen. Das zeigt der „eGovernment Monitor 2012“ , der gestern veröffentlicht wurde.

Zum dritten Mal hat die Initiative D21 gemeinsam mit dem Institute for Public Information Management (ipima), einer Kooperation der TU München und dem fortiss-Institut, den „eGovernment Monitor“ veröffentlicht. Durchgeführt vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest, wurden 1.000 “Onliner” in den Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden, den USA sowie Großbritannien befragt. Neben der Nutzung von E-Government-Angeboten wurde auch die Verwendung von Open- und Mobile-Government analysiert. Beim Thema E-Partizipation unterscheidet der „eGovernment Monitor“ erstmals vier verschiedene Nutzertypen.

Beteiligung bei E-Government steigt, bleibt jedoch internationales Mittelmaß

Im Vergleich zum letzten Jahr konnte Deutschland bei der Nutzung von E-Government-Angeboten fünf Prozent zulegen. Der Wert von 45 Prozent liegt allerdings noch weit hinter Staaten wie Schweden (70 Prozent) und dem Nachbarn Österreich (67 Prozent). York von Heimburg, D21-Präsidiumsmitglied, kritisierte auf der gestrigen Pressekonferenz, in Anwesenheit der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik Cornelia Rogall-Grothe, den Umgang der deutschen Politik mit dem Thema. Er forderte: “Wir brauchen mehr Innovationen im E-Government-Bereich, damit Deutschland international zur Spitze aufschließen kann”.

Wie die Studie zeigt, bleibt das größte Hemmnis für die E-Government-Nutzung die mangelnde Durchgängigkeit von Angeboten. Heimburg verlangte, mehr “durchgängig digitalisierte Services zur Vereinfachung von Verwaltungsvorgängen” zu schaffen. Politik und Verwaltung könnten durch eine Vereinfachung echte Bürgernähe demonstrieren und, so Heimburg weiter, zugleich “positive Abstrahleffekte auf die IT-Branche in Deutschland erzeugen”.

Eine wünschenswerte Anregung, auch wenn die Politik froh sein dürfte über eine andere Statistik des „eGovernment Monitors“, die belegt, dass 57 Prozent der Bundesbürger zufrieden mit den vorhandenen E-Government-Angeboten sind. Trotzdem besteht Verbesserungspotential, denn in Österreich beispielsweise sind es fast 80 Prozent – ein Wert, der sich entsprechend in der E-Government-Nutzung widerspiegelt.

Open Government noch in den Kinderschuhen

Beim Thema Open Government, welches für eine Öffnung von Regierung und öffentlicher Verwaltung gegenüber Bürgern und der Wirtschaft steht, steckt Deutschland noch in den Kinderschuhen. Beispielsweise benutzen gerade einmal 18 Prozent der Bürger in Deutschland Open Data-Portale. Auch die Zahl der Bürger, die das Internet nutzen, um die Verwaltung zu kontaktieren (21 Prozent), lässt noch Spielraum nach oben.

Bedenklich stimmt der Wert der Online-Beteiligung an politischen Entscheidungen. Bei den meisten Bürgern unbekannt, nutzen nur fünf Prozent diese Möglichkeit der politischen Partizipation. Allerdings scheint dieses Problem kein rein deutsches zu sein, in allen anderen Ländern liegt diese Zahl ebenfalls zwischen drei und sieben Prozent. Bei einer veränderten Strategie seitens der Politik könnte sich das ändern, denn laut „eGovernment Monitor“ wollen 36 Prozent der Deutschen sich in Zukunft online an politischen Entscheidungen beteiligen.

Das Hauptproblem beim Thema Open Government sind Bedenken vieler Bürger hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit. Komplexe Bedienbarkeit und mangelnde Informationspolitik tragen ihren Teil dazu bei. Aus diesem Grund wird es in absehbarer Zukunft wohl ein Online- und Offline-Angebot von Open Government geben müssen. Nichtsdestotrotz müssten sich die Behörden weiter öffnen, wünscht sich Alfred Zapp, Vizepräsident der Initiative D21.

Mobile Government als Retter des E-Government?

Ein Aspekt, der bislang noch kaum in Erscheinung getreten ist, ist das “Mobile Government”. In Zeiten von Smartphones und Tablet-PCs liegt die Idee nahe, nach der Bedeutung von Handy oder anderen mobilen Geräten für das E-Government zu fragen – insbesondere für eine flexible Erledigung von Behördengängen. Ein Blick auf die Statistik in diesem Bereich zeigt, dass fast die Hälfte der Befragten in Deutschland davon überzeugt ist, dass mobile Endgeräte für die Nutzung von E-Government künftig eine größere Rolle spielen werden. Zwar wenden momentan nur etwa acht Prozent der Deutschen E-Government-Angebote auf ihren mobilen Endgeräten an, doch geben 28 Prozent an, es in Zukunft tun zu wollen.

Ob Informationen zu Öffnungszeiten, Online-Terminvereinbarungen oder Formulare für Behördengänge, die Einführung von mobilen Angeboten sollte von Behörden unterstützt werden, denn Mobile Government könnte das E-Government auf die nächste Stufe heben. Zu diesem Fazit kommt auch der Geschäftsführer von TNS Infratest Robert Wieland, der einen Anstieg der Nachfrage nach neuen, nutzerorientierten Open Government- und Mobile Government-Angeboten ausmacht. Ausschlaggebend seien hierfür insbesondere die Entwicklung des mobilen Internet, neue nutzerfreundliche mobile Endgeräte und fallende Preise für mobiles Breitband, so Wieland.

Vier Nutzertypen der E-Partizipation

Nutzertypen der E-Partizipation beim "eGovernment Monitor 2012"

Erstmals hat der „eGovernment Monitor“ zwischen vier Nutzertypen von E-Partizipations-Angeboten unterschieden: Digitale Unbeteiligte, Prädigitale Interessierte, Digitale Beobachter und Digital Engagierte. Dr. Petra Wolf, Fachbereichsleiterin am TUM-Institut fortiss und Executive Director von ipima, sagte diesbezüglich: “Mit dieser Nutzertypologie für E-Partizipation stehen erstmals die Grundlagen zur Verfügung, um Potenziale von Open Government abschätzen und somit die Angebote besser an den Zielgruppen ausrichten zu können”.

Nach den gestern vorgestellten Zahlen sind 30 Prozent der deutschen Internetnutzer “Digitale Unbeteiligte”, die zwar sehr aktiv im Internet, aber nur durch ein geringes politisches Interesse gekennzeichnet sind.

Beim Typus “Prädigitale Interessierte”, der knapp ein Viertel der Internetnutzer ausmacht, zeigt sich eine Anteilnahme an politischen Themen, allerdings agiert diese Gruppe eher zurückhaltend bei digitalen Angeboten. Grund dafür dürfte laut „eGovernment Monitor“ das mangelnde Interesse am Umgang mit digitalen Medien sein, denn nur jedem zweiten Prädigital Interessierten macht dieser Spaß.

Ganz anders die “Digitalen Beobachter”, welche mit 31 Prozent die größte Gruppe ausmachen. Dieser Typ hat nicht nur ein starkes politisches Interesse, sondern zeigt auch große Begeisterung beim Thema Open Government. 20 Prozent dieses Typs nutzen bereits Open Data-Portale, 63 Prozent von ihnen haben es demnächst vor.Die E-Partizipations-Könige sind laut „eGovernment Monitor“ die “Digital Engagierten”, die nur 15 Prozent der befragten Internetnutzer ausmachen. Diese Gruppe ist politisch interessiert und engagiert – online wie offline. 92 Prozent der Digital Engagierten haben bereits auf Open Government-Angebote zurückgegriffen, Open Data-Portale genutzt oder online Kontakt zur Verwaltung aufgenommen. Sie zeigen sich sehr offen für eine Online-Beteiligung an politischen Entscheidungen und wollen diese Möglichkeit in absehbarer Zeit nutzen.

E-Government ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Auch bei der E-Partizipation und dem Mobile Government zeigt sich, dass das Interesse der Bürger immer weiter steigt. Allerdings fehlt es an einigen Stellen an der richtigen Umsetzung von Ideen und noch viel wichtiger: Es fehlt an der zielführenden Informationspolitik von staatlicher Seite. Lernen könnte Deutschland von seinem Nachbarn Österreich, der in den meisten Bereichen des E-Government Deutschland einen Schritt voraus ist. Der “eGovernment Monitor 2012″ macht eines jedoch deutlich: Die Zukunft liegt im digitalen Rathaus.

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