Facebook für die Elite, MySpace für den Rest

Die Mediensoziologin Danah Boyd erforscht soziale Netzwerke und Online-Communities. In einem Aufsatz vom 24. Juni berichtet sie über ihre Beobachtung, dass Online-Netzwerke die sozialen Unterschiede der US-amerikanischen Gesellschaft abbildeten. So würden College-Studenten ihre Kontakte vor allem in der Online-Community „Facebook“ suchen, während das alternative „MySpace“ eher gemischtes Publikum und Einwandererkinder anziehe. Die soziale Schicht leitet Boyd dabei nicht von den Einkommensunterschieden ab, sondern von den sozialen Netzwerken, in die die Jugendlichen eingebettet sind.

Die Mitglieder von „Facebook“, einem zunächst Harvard-Studenten vorbehaltenen Netzwerk, vertreten nach Boyd die Werte der herrschenden Gesellschaftsordnung. Bei MySpace hingegen registrieren sich ihrer Erkenntnis nach Teenager, die sich von den dominanten Werten – und denen, die sie vertreten – abgrenzen wollen. Zur Bildung dieser Images hat nach Boyd auch die amerikanische Presse beigetragen: Diese soll über „Facebook“ stets im Zusammenenhang mit Studierenden berichtet und so das Bild einer akademischen, "guten" Online-Gemeinschaft geprägt haben. Die in der alternativen Musikszene beliebte Seite „MySpace“ jedoch sei vorwiegend als verrucht und gefährlich dargestellt worden – was „gute Kids“ nach Boyds Beobachtung zu „Facebook“ trieb.

Die soziale Trennung von „Facebook“- und „MySpace“-Nutzern setzt sich nach Ausage von Boyd selbst im US-Militär fort: So habe das US-Militär die Nutzung von „MySpace“ im Mai 2007 verboten, weil sich dessen Mitglieder zunehmend kritisch zum Einsatz im Irak äußerten. „Facebook“ stand nicht auf der Verbotsliste.

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