Google als Wahlkampfhelfer

Der Suchmaschinendienst Google bietet den Parteien enormes Potential
für den Online-Wahlkampf. Per Google Adwords wollen sie gezielt User
auf ihre Seiten lenken. Und plötzlich führt dann das Suchwort
Atomausstieg zur FDP.

Mit bestimmten Suchwörtern kaufen sich die Parteien in die Spitzenposition bei den Trefferlisten der Suchamschine Google ein: Mehr als 100 Millionen Suchanfragen verzeichnet Google pro Tag.
Nicht nur Unternehmen wollen dabei mit den richtigen Schlagwörtern in
Verbindung gebracht werden. Auch einige der im Bundestag vertretenen
Parteien haben es auf die enormen Nutzerzahlen abgesehen. Das Mittel
der Wahl: Google AdWords.

Mit einem Marktanteil zwischen 80 und 90 Prozent ist Google die
dominierende Suchmaschine im Internet. Monatlich verzeichnet der
Konzern drei Milliarden Suchanfragen in Deutschland. Den Großteil der
Einnahmen generiert Google aus dem Verkauf von kontextbasierten
Werbeanzeigen, den sogenannten AdWords. Bezahlt wird vom Auftraggeber
per Klick.

Genutzt werden sie von SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen. Bei der
Union als auch bei der Linkspartei hat politik-digital.de bei der
Recherche keinen Gebrauch von Adwords feststellen können. Die
angesprochenen AdWords waren allesamt bei der Suchmaschine geschaltet,
keine Partei baute sie auf die eigenen Homepages ein.

Die SPD

Die Sozialdemokraten belegen intensiv spezielle Politikfelder mit
großformatigen Anzeigen. Für die Suchbegriffe "Rentenpolitik",
"Familienpolitik", "Parteiprogramm SPD" und "Atomausstieg" hat man sich
an die Spitzenposition der Suchergebnisse eingekauft. Aber auch
"feindliche" Begriffe will man zum eigenen Vorteil nutzen. So findet
sich beim Suchbegriff "Parteiprogramm CDU" ein Link zur Seite spd.de in den AdWords-Anzeigen.

Als einzige Partei neben der FDP bewirbt die SPD per AdWords ihren
Spitzenkandidaten. Wer bei Google "Frank Walter Steinmeier" eingibt,
bekommt direkt eine große Anzeige zur Seite team-steinmeier.de eingeblendet.

Die FDP

Die Liberalen nutzen das Konzept der AdWords auch im Service-Bereich.
Um umständliches Suchen nach lokalen FDP-Vetretern zu ersparen, muss
der User nur noch FDP und die eigene Postleitzahl bei Google eingeben.
Anschließend führt in eine AdWord-Anzeige direkt auf die Homepage
seines Direktkandidaten. Insgesamt sicherte sich die FDP dafür nach eigenen Angaben knapp 16.000
Begriffe bei Google. Der Spitzenkandidat Guido Westerwelle wird mit
einer Anzeige auf seine Homepage verlinkt.

Kurioserweise stieß man bis vor Kurzem auch beim Suchwort
"Atomausstieg" auf die FDP. Und das obwohl sie eigentlich für eine Laufzeitverlängerung plädiert. Die Liberalen hatten sich in die
Suchmaschine eingekauft um den Leuten zu zeigen, "was Sie wirklich
wissen müssen".

Die Grünen

In der letzten Woche vor der Wahl haben die Grünen
ihr AdWords-Programm stark zurückgefahren. So wurde die Buchung von
Begriffen wie "Atomausstieg", "Atomkraftwerke" und "Netzsperren"
eingestellt. Anzeigen schaltet man noch für die Begriffe
"Parteiprogramm Gruene" und "Bildungspolitik".

Die IG Metall

Eine weitere Auffälligkeit tritt bei den Begriffen CDU, FDP, Angela
Merkel und Guido Westerwelle zutage. Hier bekommt man jeweils eine Seite der IG Metall eingeblendet. Die Thematik: Schwarz-Gelb als die schlechtestmögliche Koalition für Deutschland.

Eine Antwort auf Google als Wahlkampfhelfer

  1. Cristina sagt:

    Man stellt sich schon die Frage, welche Strategie dahinter stecken soll. Wer “Parteiprogramm Grüne” eingibt, kommt auch bei den kostenlosen Suchergebnissen auf Platz 1 zu den Grünen.

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