Diskurs digital

Politik, Medien und Öffentlichkeit haben veränderte Rollen in der digitalisierten Welt. Mit einer Diskussionsveranstaltung eröffnete der Deutschlandfunk am 8. Februar gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Medien sein Debattenportal Diskurs@Deutschlandfunk.

Wir kommunizieren über soziale Netzwerke und tauschen uns über Blogs aus. Technologische Neuerungen beeinflussen unsere privaten Verhaltensmuster ebenso wie unsere Arbeitsweisen. So suchen Journalisten und Politiker verstärkt den direkten Kontakt zum Bürger und setzen auf einen Informationsaustausch anstatt auf einseitigen Informationsfluss. Der Deutschlandfunk bietet seinen Hörern seit dem 9. Februar eine weitere Plattform, um mitzudiskutieren.

Bei der ersten Berliner „Debatte Digital“ am 8. Februar berichtete der Intendant des Deutschlandradio Willi Steul, dass der Radiosender sich anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums die Frage gestellt habe, welche Rolle er in der digitalen Welt künftig einnehmen sollte. Nach einem Symposium Anfang Januar, bei dem Politiker, Wissenschaftler und Medienakteure über demokratische und soziale Veränderungen im Zuge der Digitalisierung diskutierten, seien viele Fragen offen geblieben.

Über das Debattenportal „Diskurs@Deutschlandfunk“ begibt sich der Deutschlandfunk nun gemeinsam mit seinen Hörern auf die Suche nach Antworten. Im Wochenrhythmus soll auf der Internetseite ein anderes Thema diskutiert werden. In dieser Woche geht es um die Frage, ob die Digitalisierung die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem aufhebt. Neben Gastbeiträgen von Experten zum jeweiligen Thema zählt der Deutschlandfunk auf die Partizipation der Bürger und will mit der Diskursplattform einen Dialog zwischen Journalisten und Öffentlichkeit etablieren.

Die Diskussionen zwischen Experten, Journalisten und Hörern sollen helfen, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich Politik und Gesellschaft entwickeln und in welchem Verhältnis sie in Zukunft zueinander stehen werden. Die Beiträge werden im Internet veröffentlicht und jeden Donnerstag Thema in den Sendungen DLF-Magazin und „Markt und Medien“ im Radio sein. Dies sei ein Versuch, das Netz reportagefähig zu machen.

Mehr Möglichkeiten der Beteiligung

An der ersten digitalen Debatte beteiligten sich die Gründungsdirektoren des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft Jeanette Hofmann und Wolfgang Schulz sowie der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei Bernd Schlömer und Stephan Detjen, Chefredakteur des Deutschlandfunks. Die Diskussion, die in der vergangenen Woche in Berlin mit Publikum stattfand, zeigte deutlich, dass die technische Revolution des Internet noch immer viele Fragen aufwirft. Die Informationsflut im Netz sei für alle überwältigend und zwinge die Nutzer, nach Themen zu filtern. Die Aufgabe des Journalisten sei es, wichtige Informationen und kompetente Meinungen aus dem Netz zu generieren. Journalisten könnten die Meinungen in Blogs nicht ignorieren, sie müssten verstärkt mit den Bloggern kooperieren.

Wolfgang Schulz betonte jedoch, dass die Digitalisierung keine Abkehr vom traditionellen Medienkonsum mit sich bringe, sondern lediglich eine Veränderung, da mehr Möglichkeiten von den Bürgern genutzt würden, sich zu informieren. Nach wie vor beteiligten sich wenige Menschen aktiv an politischen Diskursen. Der Unterschied sei, dass diejenigen, die sich früher offline äußerten, sich jetzt auch online positionierten. Dadurch habe sich eine neue Elite herausgebildet, die der „Netzaktivisten“.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, widersprach jedoch der Reduzierung auf eine Diktatur der Aktiven. Schließlich gebe es einen gleichberechtigten Zugang zum Internet und jeder habe die Möglichkeit, aktiv zu werden. Deutschlandfunk-Chefredakteur Detjen betonte, dass sich die Politik unabhängig vom Netz verändere und bezeichnete es als „normal“, dass Bürger nach neuen Mitbestimmungsformen suchten. Bedenken äußerte Jeanette Hofmann angesichts der Tatsache, dass Unternehmen wie Facebook oder Apple zunehmend die öffentliche Kommunikation bestimmen.

Auf der ersten „Debatte Digital“ wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln angeregt diskutiert, zu neuen Erkenntnissen gelangte man jedoch nicht. Es bleiben viele offene Fragen und Themen, die im Debattenportal Diskurs@Deutschlandfunk von nun an ausführlich erörtert werden können.

Eine Antwort auf Diskurs digital

  1. Thomas Ermentrud sagt:

    Halle Zusammen,
    hier schreibt die “Zielgruppe”.
    Das hörte sich klasse an, was im obigen Artikel beschrieben wurde.
    Ich habe diesen Diskurs als Chance gesehen und mich umfangreich mit zahlreichen Beiträgen eingebracht. Die Resonanz war leider so spärlich, dass ich nach einer üppig bemessenen Wartezeit, die ich den Redakteuren fürs Feedback zugestehen wollte, den Diskurs als gescheitert ansehen musste. Das habe ich dann auch am 03.März dort notiert, was mit einer arroganten Antwort von redaktioneller Seite abgetan wurde, wo eine Entschuldigung besser gepasst hätte. Am besten man schaut sich einmal selbst auf den Seiten um. Wer die Beiträge und Antworten liest und die Datumseinträge beachtet, der wird gegebenfalls feststellen, was ich meine. Empathie ist das Zauberwort: Versetzen Sie sich mal in Ihre Zielgruppe, die angeblich im Focus liegt.
    MfG
    Thomas Ermentrud
    Z.B.:
    http://diskurs.dradio.de/2012/02/24/medien-mussen-in-netztechnologien-investieren-oder-it-konzerne-werden-in-zukunft-die-gesellschaftlichen-debatten-organisieren/

    oder: http://diskurs.dradio.de/mitmachen/

    oder: http://diskurs.dradio.de/2012/02/20/wie-wird-aus-meinungsvielfalt-demokratie-die-perspektive-eines-praktikers/

    oder: http://diskurs.dradio.de/2012/02/17/digitale-partizipation-ist-auf-europaischer-ebene-fast-unmoglich/

    Krefeld, 07.03.2012

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