“Wer austeilt, muss auch einstecken können”

Am 24. April 2007 war der Blogger Peter Turi
zu Gast in der Blogsprechstunde von politik-digital.de in Kooperation
mit den Blogpiloten. Im Chat erzählte der selbsternannte Außenseiter,
welche Lebenskrisen ihn zum Bloggen brachten und weshalb er virtuelle
Kleinkriege mit Kollegen führt.

Moderator: Hallo und herzlich
willkommen zur Blogsprechstunde von politik-digital.de in Kooperation
mit den Blogpiloten. Pünktlich ab 19.00 Uhr beantwortet hier
Peter Turi Ihre Fragen. Nächste Woche ist Feiertag, da macht
auch die Blogsprechstunde eine Pause. Am 8. Mai ist Jörg-Olaf
Schäfers von fx3.org von 16.00 bis 17.00 Uhr zu Gast. Eine
Woche später, am 15. Mai, chatten wir mit Nico Lumma von lumma.de,
ebenfalls von 16.00 bis 17.00 Uhr.

So, hier ist es Punkt 19.00 Uhr. Peter Turi chattet heute aus seiner
Heimatstadt Walldorf. Herr Turi, können wir beginnen?Peter Turi

Peter Turi: Gern.

Moderator: Im Vorfeld haben wir unsere Nutzer
bereits Fragen stellen und über diese abstimmen lassen. Die
drei Fragen mit den meisten Bewertungen eröffnen heute unseren
Chat. Los gehts:

ghostwriter: Sie wollen mehr Glamour in der Blogosphäre
– halten sie sich selbst für glamourös?

Peter Turi: Nein. Da gibt es wirklich größere
Talente. Don Alphonso alias Rainer Meyer, Stefan Niggemeier und
Felix Schwenzel gehören mit Sicherheit dazu. Ich bin nur ein
über die Jahrzehnte ergrauter Branchenjournalist.

trockenturnen: Wohin entwickelt sich die Blogosphäre
– Spielplatz oder Businessraum?

Peter Turi: Blogs sind Spielwiese und Business
zugleich, zumindest bei mir. Küchenruf mehr Spielwiese, turi2
mehr Business. Insgesamt wird die Blogosphäre der neue soziale
Kiosk sein: alles, alles und noch viel mehr. In zehn Jahren schreibt
jeder ins Internet ich weiß nur nicht, ob wir es dann noch
bloggen nennen.

Moderator: Eine Frage zu ihrem Blog turi2:

Rintintin: Was soll eigentlich die zwei hinter
allen Ihren Themen?

Peter Turi: Die zwei steht dafür, dass turi2
mein zweites Blog ist. Mein erstes heißt www.kuechenruf.de
und ist ein Kochblog. Schöne Webadressen zu sammeln, ist mein
Hobby, so wie andere Leute Briefmarken sammeln. Zum Beispiel buecher2,
jobs2, termine2; aber auch internet2, presse2, marketing2 oder fernsehen2.
Ich habe auch andere Adressen wie zum Beispiel Alphablogger.de oder
DigitaleReputation.de. Über Umleitungen und Tagging kann ich
verschiedene Eingänge, Rubriken oder Ableger für turi2.de
schaffen.

Moderator: Und was machen Sie mit diesen Webadressen?

Peter Turi: Manchmal verkaufe ich auch eine. Wie
gerade kürzlich: Ein Hamburger Start-up war ganz scharf auf
eine Adresse mit einer zwei – und was mit Medien. ;-)

Moderator: Auch zu Küchenruf haben uns Anfragen
erreicht:

kanter: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen,
ein Kochblog zu machen? Sind Sie Hobbykoch?

Peter Turi: Nein, ich musste kochen, weil ich
Pleite gegangen war und meine Frau das Geld rangeschafft hat. Irgendwie
müssen drei Kinder ja satt werden. Es war zudem der Auftrag
meiner Therapeutin. Ich hatte Depressionen nach meiner Pleite –
und sie sagte: Sie müssen lernen den Alltag zu lieben. Machen
Sie ein Kochbuch für sich und Ihre Kinder. Daraus wurde der
Küchenruf.

Moderator: Kochen als Therapie also. Noch mehr
Fragen zum Küchenblog.

mouseover: Warum überhaupt noch Küchenruf,
wenn sie mit turi2 doch viel mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen?

Peter Turi: Weil ich gern koche und die 500 Menschen,
die Tag für Tag vorbeischauen, sicher enttäuscht wären,
wenn es im Küchenruf nix mehr zu essen gäbe.

Tim Zacherl: Sie machen ja mit Ihren Angeboten
einen ganz schönen inhaltlichen Spagat – wie gelingt das gut?

Peter Turi: Spagat? Eigentlich nur Spaghetti!
Wie meinen Sie die Frage?

Moderator: Wahrscheinlich so, dass sich die Medieninhalte
auf turi2 von den auf dem Küchenblog unterscheiden

Peter Turi: Das sind zwei ganz verschiedene Seiten
– die haben nix gemein, außer dem Autor. Das ist sozusagen
die private und die branchen-öffentliche Seite von mir.

Moderator: Viele User wollen wissen, wie sie sich
selbst in der Blogoshäre positionieren.

loppa: Wie ordnen Sie sich selbst innerhalb der
selbstreferenziellen Blogger-Szene ein – Außenseiter?

Peter Turi: Ja.

Dirk: Herr Turi: Brauchen Sie die Aufmerksamkeit,
egal ob positiv oder negativ und könnten zum Beispiel nicht
als unbekannter oder unerkannter Arbeitnehmer wie Otto Normalverbraucher
leben?

Peter Turi: Sagen wir so: Ich leide nicht darunter.
;-)

gessewesser: Wie hängt Eitelkeit und Bloggen
zusammen?

Peter Turi: Jeder Mensch ist eitel also sollte
jeder Mensch bloggen. Im Ernst: Jeder Mensch möchte, dass ihm
zugehört wird, wenn er denkt, etwas zu sagen zu haben.

Moderator: Noch eine Frage zu den breit gefächerten
Inhalten Ihrer Blogs:

massenpublikum: Ist diese breite Fächerung
auch ein Mittel, um mehr Geld mit den Blogs einzusammeln? Immerhin
haben sie so mehr Werbeplätze zu vergeben.

Peter Turi: Werbeplätze? Sehen Sie irgendwo
einen Werbeplatz auf meinen Blogs?

massenpublikum: Textbanner.

Peter Turi: Textbanner?

Moderator: Haben Sie also keine Werbeplätze
vergeben?

Peter Turi: Bisher nicht.

KneteMonete: Sie betreiben einen Medieninfodienst
– Verstehen Sie sich denn als Trendtrüffelschwein und Blogszeneninsider?

Peter Turi: Gute Frage. In der Medienbranche bin
ich nach 20 Jahren fast ein Eingeborener, in den Blogs ein Nei’gschneiter
wie man in der Kurpfalz sagt: Digital immigrant.

Moderator: Vielleicht können Sie trotzdem
folgende Frage beantworten:

Arnie: Wie vermarktet man ein Blog gut? Wie wird
man bekannt? Haben Sie Tipps?

Peter Turi: Aber da Medienbranchen und Web 2.0
im rasenden Tempo zusammenwachsen, macht es trotzdem Spaß.
Sorry, das war ein Nachsatz zu oben.

Moderator: Zu Arnie:

Peter Turi: Okay, zur Frage von Arnie habe ich
die Antwort vorbereitet wie ein guter Fernsehkoch: Ganz einfach:
25 Jahre lang in der realen Welt üben – eine Alternativzeitung
machen, ein Pressebüro gründen, einen Medienfachverlag
kaufen, einen Online-Branchendienst und ein Köpfe-Verzeichnis
erfinden, den Deutschen Preis für Medienpublizistik gewinnen,
alles verkaufen, mit einem Start-up Pleite gehen, einen Offenbarungseid
leisten, alles verlieren bis hin zur privaten Rentenversicherung,
eine Therapie gegen Depressionen und Arbeitswut durchlaufen, dann
wieder aufstehen. Wenn Sie das alles geschafft haben, sind Sie reif
für turi2. ;-)

KneteMonete: Was heißt denn, Antwort vorbereitet?
Haben Sie ein Skript mit den FAQs?

Peter Turi: Ja, ich habe mich auf die vorpublizierten
Fragen vorbereitet.

Moderator: massenpublikum will die Sache mit dem
Geldverdienen genau wissen:

massenpublikum: Sie verdienen also kein Geld mit
Ihren Blogs?

Peter Turi: Nein. Nicht direkt. turi2 ist derzeit
nur mein Hobby und mein Schaufenster, aber das wird sich ändern.

Moderator: Eine Nachfrage zur vorbereiteten Antwort:

manni: Was ist denn eine Alternativzeitung?

Peter Turi: Das waren die Blogs im Papierzeitalter:
Sprachrohr für die Machtlosen, Gegendruck, Friedensbewegung,
Anti-Atomkraft und so. Fragt mal Eure Großväter.

Moderator: Die nächste Frage bezieht sich
auf ein Zitat von Ihnen:

Funkel: Sie wünschen sich in der Blogosphäre
mehr schillernde Persönlichkeiten. Welche Eigenschaften halten
Sie für „schillernd"? Welche Beiträge für
so strahlend, dass das Web nur so strahlt?

Peter Turi: Ach, ich denke, jeder Mensch, der
angstfrei und offen im Web 2.0 seine Geschichte erzählt, kann
dazu beitragen, dass das Internet ein kleines Stück weniger
langweilig wird, als es auf den klassischen Medienseiten ist.

Kommentator: Gibt es eine Brücke zwischen
„neuen" und alten Medien? Oder nur entweder/oder? Ein
sinnvolles Mit-/Nebeneinander?

Peter Turi: Nein, das wuchert in dramatischer
Geschwindigkeit zusammen. Die Hobbyseiten von heute sind die kreativen
Zerstörer von morgen. Im Web 2.0 steckt mehr Energie und Power
als in der ganzen Verlagsszene, ich bin immer wieder begeistert!

Moderator: Passend dazu:

Alles Klar: Worin liegen die Qualitäten der
klassischen Medien oder ist das jetzt mit Web 2.0 alles Schrott
und Schnee von gestern?

Peter Turi: Uff, das ist eine 5.000-Dollar-Frage,
kann ich die zurückstellen?

Moderator: Bis wann?

Peter Turi: Bis wir mit den leichteren Fragen
durch sind?

Moderator: Ich werde darauf zurückkommen.

logo: Könnte das Web 2.0 nicht genauso eine
Bruchlandung hinlegen wie die vielbeschworene New Economy? Was ist
so viel besser am Web 2.0?

Peter Turi: Sie sind der Boss! Nein, das Internet
ist die Zukunft, und zwar eindeutig in seiner Version 2.0, also
mit Rückkanal, hierarchiefreier Diskussion, entfesselter Kreativität.
Da gibt’s kein Zurück!

Peterowsk: Was halten Sie von der Zwei-Klassen-Hierarchie
in der Blogosphäre in „richtige" Blogger wie zum
Beispiel Don Alphonso und „die Anderen"?

Peter Turi: Ich verstehe die Frage nicht.

Moderator: Gibt es Ihrer Meinung nach eine Hierarchie:
A-Blogger [Blogger, die viele Seitenaufrufe und Kommentare verzeichnen
können, Anm. d. Red.] versus long tail [Blogs mit weniger Seitenaufrufen,
Anm. d. Red.]?

Peter Turi: Ja, klar.

Moderator: Wozu zählen Sie sich? Und was
halten Sie davon?

Peter Turi: Zu den Alphatieren, ganz klar.

falcon: Lieber Herr Turi, das sympathischste an
Ihnen ist Ihre Fehde mit Doppel-Alphablogger Don Alphonso. Haben
Sie noch mehr zu bieten?

Peter Turi: Ja, mit Stefan Niggemeier gibt’s auch
manchmal Kabale und Hiebe. Ist aber in Wahrheit nicht bös gemeint.
Wir wissen beide, wie man Quote macht. Alle Alphablogger wissen
das. Sonst wären sie keine Alphablogger.

blogster: Werden Sie anderen Bloggern gegenüber
manchmal nicht sehr persönlich?

Peter Turi: Nur bei denen, die einen kräftigen
Puff vertragen können. Es gibt da so einen Spruch: Wer austeilt,
muss auch einstecken können. Den find ich gut, und an den halte
ich mich.

Moderator: Die nächste Frage nimmt Bezug
auf Stefan Niggemeiers Frage, ob man Peter Turi beachten oder besser
ignorieren sollte:

JensM: Was sagst Du zu den Vorwürfen hier:
www.stefan-niggemeier.de/blog/in-eigener-sache-und-in-sachen-turi?

Peter Turi: Ich sage: Lieber Stefan, probier’s
doch bitte zum Frühstück mal mit Butterbrot, dann musst
Du tagsüber nicht die ganze Korinthen wieder … Na, Ihr wisst
schon.

Moderator: falcon bezieht sich wohl auf turi2:

falcon: Geht’s denn in Ihrem Blog nur um Quote
und Selbstinszenierung? Wie wichtig ist Ihnen Ihr Thema noch – abgesehen
davon, dass sie eben schon seit 20 Jahren dabei sind?

Peter Turi: Für mich persönlich geht
es darum, zu zeigen, wie ein Branchendienst im Web 2.0-Zeitalter
aussieht. Und zwar ist das keine Branchen-Verkündigung, sondern
ein Branchengespräch. Selbstverständlich lässt sich
damit auch Geld verdienen. Ich werde im Juni damit anfangen.

Moderator: Zwei Fragen zu Ihrer Kolumne bei vanityfair.de:

massenpublikum: Fühlen Sie sich geschmeichelt,
dass die „Vanity Fair" Sie als Blogger gerufen hat? Wenn
Sie die klassischen Medienseiten langweilig finden, was halten Sie
von vanityfair.de?

Peter Turi: Ich finde alle Aufträge, die
mich ereilen, interessant. Besonders, wenn sie so überraschend
kommen wie der von vanityfair.de. Und selbstverständlich finde
ich alle Kundenmedien interessant, für die ich schreibe. Ich
hoffe, die sanfte Ironie wurde deutlich. Turi und Glamour – das
passt eigentlich gar nicht.

Moderator: Nochmal zu Stefan Niggemeier:

tötetknut: Wieso bezeichnest du dann Niggemeier
als „Glas-Kinn" und Schwenzel als „untersetzt"
et cetera? Findest du nicht, dass man bei Kritik die persönliche
Ebene herauslassen sollte?

Peter Turi: Wie gesagt: Nur, wer einen Puff vertragen
kann, kriegt bei mir einen ab. Stefan und Felix, die ich im Übrigen
sehr schätze, können einen vertragen, das können
Sie mir glauben. Fertig.

JensM: Ah ja, machen Sie es sich nicht sehr einfach,
wenn Sie jetzt Stefan Niggemeier als Korinthenka… abtun? Ihm zufolge
veröffentlichen Sie bewusst Falschaussagen!

Peter Turi: Korinthen. Wo ist der Unterschied,
ob er gesagt hat: Kommentare sind unwichtig – oder Kommentare sind
überschätzt? Diese Beckmessereien sind es, die den Bildblog
in meinen Augen unlesbar machen.

Moderator: Passend dazu folgende Frage:

Trulli: Was haben Sie eigentlich gegen Bildblog?

Peter Turi: Nix. Er sollte sich nur Bildsite.de
nennen weil er die Kommentare unterdrückt. Ein Blog ohne Kommentarmöglichkeit
ist für mich kein Blog. Sonst hätten wir bei kress.de
ja schon vor elf Jahren ein Blog gemacht und ich wäre ein Blog-Pionier
und kein Blog-Nachzügler.

Moderator: Anderes Thema:

loppa: Wie halten Sie’s mit der Transparenz: Sollen
Blogger sagen, wenn Sie für ihre Schreibe bezahlt werden?

Peter Turi: Ja, sollten sie. Manchmal ist es aber
aus dem Umfeld heraus klar. Es wird keiner erwarten, dass ich kostenlos
für „Werben und Verkaufen" oder vanityfair.de oder
readersedition.de schreibe, oder?

KneteMonete: Blogger werden von Firmen bemustert
und gefeiert. Ist die Blogszene im Moment überhyped?

Peter Turi: Blogs sind überschätzt,
das Prinzip des Web 2.0 ist unterschätzt. „Wir denken,
das Wetter wechselt, in Wahrheit ändert sich das Klima.",
sagt Teilhard de Chardin, ein Religionsphilosoph, der aber nie gebloggt
hat weil er längst tot ist.

Moderator: Was ist Ihrer Meinung nach das Prinzip
des Web 2.0?

Peter Turi: Früher saßen die Menschen
am Lagerfeuer, standen auf dem Marktplatz, haben Nachrichten ausgetauscht,
Waren gehandelt und Geschichten erzählt. Dann kamen 500 Jahre
Monolog-Medien: Buch, Zeitung, Radio, TV. Historisch ist das eine
relative kurze Spanne, die jetzt für alle Zeiten zu Ende geht.
Die Änderungen, die sich daraus ergeben, haben so radikale
Folgen, dass sie sich noch keiner vorstellen kann: Verkündigungsjournalismus,
Opas Fernsehen, klassische Branchendienste … alles tot, tot, tot!

Kommentator: Also das „BILD"-Lesertelefon
war schon immer Medium mit Rückkanal oder? Die „BILD"
als 2.0-Pionier?

Peter Turi: Nee, Telefon ist 1.0.

Moderator: Warum?

Peter Turi: Nee, wirklich nicht. Brauch ich nicht
zu erklären.

Moderator: Gut, nächste Frage:

tritratru: Was haben Sie aus Ihren Pleiten zu
Zeiten der New Economy gelernt? Wie konnten Sie das verkraften (abgesehen
vom küchenblogging)?

Peter Turi: Eine sehr gute Frage. Für mich
ist eine Welt zusammengebrochen. Ich habe, ehrlich gesagt, gedacht,
mein Leben ist zu ende. Es war das Schlimmste, was man sich vorstellen
kann, aber im Nachhinein auch das Beste: Ich habe irgendwann gelernt,
was für ein Blödsinn es war, über Jahre Tag und Nacht
zu arbeiten und meine Frau mit den drei kleinen Kindern so völlig
alleine zu lassen. Ich habe dann Erich Fromm wieder gelesen und
kapiert: Aus Karriere, Erfolg und Macht entsteht kein Glück.
Glück entsteht, wenn Du bei Dir bist, bei Deinen Lieben, Deine
Kinder groß werden siehst, für sie kochst und über
das ganze Karriere-, Medien- und Macht-Gewese lachen kannst.

Zupris: Hallo Herr Turi, wie sind Sie auf die
Idee gekommen, zu bloggen?

Peter Turi: Es lag nahe. Ich sollte ja ein Kochbuch
machen, für die Therapie und als Ex-Internet-Innovator lag
die Form des Blogs nahe. Ganz ohne Leser zu schreiben, erschien
mir sinnlos. Und es waren von Anfang an 100 oder 200 dabei – das
war eine schöne Zeit. Wir haben stundenlang diskutiert und
ich habe tolle Leute kennen gelernt. Vor allem Birgit, die heute
meine absolut unverzichtbare Volontärin und rechte Hand ist.
Danke, Blog.de für den tollen Service!

Moderator: Wir habe unsere Nutzer gefragt, wann
Sie gerne chatten wollen. Die Mehrheit (etwa 50 Prozent) wäre
für 13.00 bis 14.00 Uhr, 33 Prozent wäre 19.00 bis 20.00
Uhr lieber. Also Mittagspausen- und Feierabend-Chatter. Und zur
nächsten Frage:

moneybernd: Machen Sie eigentlich alle Fotos auf
kuechenruf.de selbst? Die sehen nämlich immer sehr professionell
aus. Wie sieht es mit den Fotos auf Ihrem Blog turi2 aus – zum Beispiel
das Symbolfoto für die Blogsprechstunden-Ankündigung?
Selbst fotografiert, oder haben Sie eine gute Bildquelle?

Peter Turi: Ich lach mich tot. Die Bilder auf
Küchenruf sind alle von mir selbst gemacht, allerdings mit
einer 250 Euro Aldi-Kamera, die nie macht, was ich will. Gerade
heute habe ich von dem Geld, das ich beim Verkauf einer xxx2-Adresse
erzielt habe, eine Nikon-Kamera für 550 Euro gekauft. Wenn
ich damit fotografiere, beißt Ihr in den Bildschirm vor Esslust
!

Blogtoblog: Worüber lachen Sie sich tot?
Die Frage?

Peter Turi: Nein, dass die Bilder toll sein sollen.
Mit so einer billigen Kamera. Zeigt eigentlich, dass im Web 2.0
jeder auch nur leidlich Befähigte gute Seiten machen kann.

Moderator: Anscheinend hat sich da jemand in ein
ganz spezielles Foto verliebt:

tritratru: Sind die Fotos auf turi2 auch selbst
gemacht? Wie das eben genannte Blogsprechstunden-Foto bei Ihnen?

Peter Turi: Ja, das hat meine Frau in der Küche
gemacht – mit der komischen Aldi-Kamera. Dieses Bild steht auch
in vanityfair.de – unfassbar, oder?

Moderator: Themawechsel: Zwei Fragen zu Corporate
Blogs:

Blogtoblog: Was halten Sie von Corporate Blogs?
Sinnvoll oder unnötige „Me too"-Aktion?

massenpublikum: Mich würde interessieren,
inwiefern Herr Turi Corporate Blogs als geeignetes PR-Instrument
sieht.

Peter Turi: Nix. Menschen müssen bloggen.
Firmen können’s nicht. Es funktioniert nur, wenn ein echter
Mensch, echte Geschichten erzählt.

Moderator: Fragen zur deutschen Blogosphäre:

Blogjob: Nimmt sich die Blogosphäre zu ernst?

Peter Turi: Auf jeden Fall. Es fehlt an Humor
und ironischer Distanz zum Selbst. Das ist freilich in absolut jeder
Branche so. Menschen sind so.

Blogtoblog: Leben Blogs von Voyeurismus?

Peter Turi: Ein bisschen schon, wie alle Medien.
Was treibt der Mensch, worunter leidet er, wie hat er Sex – das
interessiert die Menschen schon, gell?

Moderator: Auch, wenn Sie selber sich wohl nicht
als umstritten sehen: Einige unserer Nutzer fassen Sie so auf:

junikind: Wie gefällt es Ihnen eigentlich,
in der Blogosphäre so umstritten zu sein?

Peter Turi: No problem.

HansAnton: Können Sie Jungbloggern Tipps
geben, wie sie ebenso umstritten werden wie Sie?

Peter Turi: Nein. Das muss jeder selbst rausfinden,
wo sein Weg ist. Ich selbst halte mich übrigens nicht für
umstritten.

Moderator: Trotz der, ich nenne es mal Streitereien,
mit anderen Bloggern?

Peter Turi: Ich habe nur eine Riesenfreude an
der Provokation, weil: Provokation ist heilsam. Ach, das ist im
Grunde doch nur Show.

Moderator: Eine Frage wurde zurückgestellt,
die haben wir nicht vergessen: Worin liegen die Qualitäten
der klassischen Medien? Oder ist das jetzt mit Web 2.0 alles Schrott
und Schnee von gestern?

Peter Turi: Mist, ich dachte, Ihr vergesst das.
Ich muss jetzt sehr vorsichtig sein. Immerhin sind die klassischen
Medien meine Auftraggeber und man beißt ja nicht die Hand,
die einen füttert. Also, die Qualitäten der klassischen
Medien … wann ist die Blogsprechstunde eigentlich zu ende?

Moderator: Wir haben noch ein paar Minuten :-)
Für eine kurze Antwort reicht es noch.

Peter Turi: Was war nochmal die Frage?

Moderator: Worin liegen die Qualitäten der
klassischen Medien? Oder ist das jetzt mit Web 2.0 alles Schrott
und Schnee von gestern?

Peter Turi: Die Zeit ist rum, oder?

Moderator: Für eine andere Frage noch Zeit?

tritratru: Sie kritisieren ja immer die Topblogger
Schwenzel, Niggemeier et cetera. Was ist dann Ihr Lieblingsblog?
Welche Blogs würden Sie empfehlen?

Peter Turi: Meine absoluten Lieblingsblogs sind
wirres.net, stefan-niggemeier.de und blogbar.de. Und die Qualitäten
der klassischen Medien werden von den klassischen Medien ausreichend
gewürdigt.

Moderator: Das war die Blogsprechstunde von politik-digital.de
in Kooperation mit den Blogpiloten. Vielen Dank an alle Chatter
fürs Mitmachen und vielen Dank an Peter Turi für die Antworten.
Kommende Woche ist Pause aufgrund des Feiertages, am 8. Mai ist
Jörg-Olaf Schäfers von 16.00 bis 17.00 Uhr zu Gast in
der Blogsprechstunde. Fragen können bereits im Vorfeld im Wartezimmer
gestellt werden. Das Transkript dieses Chats können Sie in
Kürze auf politik-digital.de und bei den Blogpiloten nachlesen.
Das letzte Wort gebührt dem Gast – bitte, Herr Turi.

Peter Turi: Danke!

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