“Schlammschlacht” um die Hauptstadt

Gregor Gysi im Chat am 12. Juni 2001

Mitten im Trubel um alte, neue, und Übergangsbürgermeister in Berlin war Gregor
Gysi zu Gast im Chat von politik-digital.de und stern.de. Aus aktuellem Anlass
sprach der PDS-Politiker über seine mögliche OB-Kandidatur und über Visionen
für die Hauptstadt. Zudem erzählte Gysi den Teilnehmern im Chat von seiner Rolle
in der PDS und Gerüchten über eine bevorstehende TV-Karriere.

Im Zentrum des Chats stand aber vorallem eine Frage: wird Gregor Gysi, will
er in Berlin Bürgermeister werden? Herr Gysi vertröstete die Teilnehmer des
Chats mit seiner Entscheidung auf das Ende der Woche, da
"mir viele Gedanken durch den Kopf gehen". Außerdem gäbe es in Berlin keine
Direktwahl, und laut Gysi sei "in dieser Stadt und bei meiner Person eigentlich
eine direkte Legitimation durch die Berliner erforderlich
". Auf jeden Fall
aber würde er sich, so oder so, am Wahlkampf beteiligen.

Ebenso wenig wie zur eigenen wollte er sich zu den anderen möglichen Kandidaten
äußern. Lieber erläuterte Gysi seine Vision von Berlin als
"eine der europäischen Kulturmetropolen" und erklärte, dass Sparen nicht
bedeute "antizivilisatorisch zu werden, d.h. Kultur oder Bildung abzubauen".
Vielmehr stellte er sich die Frage ob man für die angeschlagene Berliner Landesbank
"einen guten Preis erzielen und gleichzeitig die Sparkasse herauslösen könnte".
Ansonsten gehörten bei der Sanierung der Finanzen besonders "sämtliche Verkehrs-
und Bauprojekte
" sowie "Kosten des Senats und der Verwaltung" auf den
"Prüfstand".

Neben Berliner Themen stellte sich Gysi auch Fragen nach der Zukunft Ostdeutschlands.
Hier forderte er die Bundesregierung auf
"in eigenständige Wirtschaftskreisläufe in Ostdeutschland zu investieren",
um Perspektiven für die Jugend zu schaffen und um die Abwanderung zu stoppen.
"Je mehr Perspektiven Jugendliche haben, desto weniger anfällig sind sie für
Extremismus
" lautet sein Lösungsansatz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus.

In der PDS sei seine Verantwortung
"auf jeden Fall nach wie vor größer als sie meiner Funktion entspricht",
das zu ändern sei ihm aber wichtig. Auf die Frage, ob die PDS auch in der Lage
ist, Berlin zu sanieren, entgegnete Gysi, dass es in Mecklenburg-Vorpommern seit
der SPD-PDS Regierung "- wenn auch langsam – eher bergauf" gehe.

Theoretisch würde Gysi sich das Bürgermeisteramt zutrauen. Angst vor schwierigen
Situation hat der ehmalige PDS-Chef nicht: als er die PDS übernahm
"war sie auch nicht gerade im Bestzustand". Die Zusage zu einer Kandidatur
fiele ihm vor allem schwer, weil er "bereits getroffene Entscheidungen korrigieren"
und sich "außerdem innerlich auf eine Schlammschlacht einstellen" müsse.
"Das Herz sagt mehr ja und der Kopf eher nein" zu einer Kandidatur, fasste
Gysi seine Gefühlslage zusammen. Trotz des grossen Medieninteresses an seiner
Person versprach Gregor Gysi als "Regierender Bürgermeister von Berlin keine
TV-Sendung
" zu machen.


Das ausführliche Transkript finden sie hier.

 


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