“Ein NPD-Verbot muss gut vorbereitet sein”

Am Montag, den, 9. Juli, war Harald Ringstorff,
Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, zu Gast im tagesschau-Chat
in Kooperation mit politik-digital.de. Er sprach überdie Wirtschaft
im Bundesland, über Probleme mit der NPD und darüber,
wie die große Koalition auf Landesebene funktioniert.

Moderator: Liebe Freunde Mecklenburg-Vorpommerns,
liebe Politik-Interessierte, herzlich willkommen im tagesschau-Chat.
Gast ist heute der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern,
Harald Ringstorff (SPD). Das Land regiert der promovierte Chemiker
zusammen mit der CDU. Im Gegensatz zum Bund kann Herr Ringstorff
allerdings auch Rot-Rot gut – von 1998 bis 2006 bestimmte eine Koalition
aus PDS und SPD in Schwerin die Politik. Viele Probleme sind die
gleichen geblieben, noch immer liegen die neuen Länder wirtschaftlich
hinter den alten zurück. Leuchtturm-Politik, Tourismusförderung,
Investitionsförderung – sind das die Instrumente, wie man den
Osten zukunftstauglich macht? Natürlich sind den Themen wie
immer keine Grenzen gesetzt. Jetzt einen schönen guten Tag
nach Schwerin! Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, dass Sie
Zeit für den Chat haben und gleich die Frage: Alles technisch
ok, können wir beginnen?

Harald Ringstorff: Ich denke, wir können beginnen.

Hans-Gert Pöttering
Harald Ringstorff
Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommern

Moderator: Starten wir damit: Zwei Fragen zum
Thema Jung und Alt:

Luibk: Wie wollen Sie die Abwanderung junger Menschen
aufhalten? Und wie bekommt man das Problem in den Griff, in altersschwachen
Regionen die Infrastruktur aufrechtzuerhalten (Straßen/Abwasserkanal)?

teichtier: Wenn man Medienberichten glauben darf,
wandern ja vor allem junge, gut ausgebildete Menschen aus dem Osten
ab, vor allem Frauen. Wie kann Mecklenburg-Vorpommern für diese
Gruppe attraktiver werden?

Harald Ringstorff: Es ist tatsächlich ein
Problem aller ostdeutschen Bundesländer, dass es einen Bevölkerungsverlust
gibt, der aus einem Abwanderungsüberschuss besteht. Es wandern
also mehr Leute ab, als zuwandern. Es ist auch richtig, dass, wie
es in der Frage schon anklang, mehr junge Menschen abwandern als
ältere. Zum zweiten gibt es einen Sterbeüberschuss. Die
Zahl der Geburten ist nach der Wende stark rückläufig
gewesen und bewegt sich jetzt auf bundesdeutschem Durchschnittsniveau.
Tatsache ist auch, dass mehr junge Frauen als Männer abgewandert
sind. Inzwischen gehen die Wanderungsverluste zurück. Das hat
sicherlich damit zu tun, dass im eigenen Land zunehmend attraktivere
Arbeitsplätze angeboten werden können. Zum Beispiel in
der Medizintechnik, in der Biotechnologie, aber auch im Informations-
und Kommunikationssektor. Und – was für junge Leute auch sehr
wichtig ist – das Einkommensniveau steigt, wenn auch langsam. Durch
weitere Anstrengungen zur Ansiedlung neuer Firmen und weitere Förderung
junger, vor allem technologieorientierter Firmen, wird Mecklenburg-Vorpommern
zunehmend attraktiver. Einzelnen Firmen gelingt es schon, aus Mecklenburg-Vorpommern
abgewanderte junge Leute wieder zurück zu holen durch das Angebot
attraktiver Arbeitsplätze.

Heathcliff: Moderne Infrastruktur, niedrigere Mieten
und Lebenshaltungskosten (zum Beispiel sind Versicherungen im Osten
vielfach billiger): Ist daher ein niedrigeres Lohngefüge nicht
gerechtfertigt?

Harald Ringstorff: Ich glaube nicht, dass die Lebenshaltungskosten
insgesamt wesentlich niedriger sind im Osten. Sicherlich sind die
Mieten in einigen Teilen des Ostens niedriger und auch Dienstleistungen
sind teilweise kostengünstiger, aber Energiekosten, Wasser-,
Abwassergebühren sind fast flächendeckend im Osten teurer,
sodass man nicht generell von niedrigeren Lebenshaltungskosten im
Osten sprechen kann. Allerdings, wenn ich Hamburg mit Schwerin vergleiche,
kommt man sicherlich in Schwerin mit 10 Prozent weniger Einkommen
genauso gut hin wie in Hamburg mit 10 Prozent mehr.

pfanni: Auf welche Wirtschaftsbereiche hat sich
Mecklenburg-Vorpommern spezialisiert?

Harald Ringstorff: Mecklenburg-Vorpommern hat seine
traditionellen Wirtschaftszweige fit gemacht für die Zukunft.
Da haben wir einmal die maritime Verbundwirtschaft mit hochproduktiven
Werften, eine moderne Hafeninfrastruktur mit zunehmend besseren
Hinterlandanbindungen und einem schon beachtlichen Netzwerk von
Zulieferfirmen. Ein zweites traditionelles Standbein ist der Tourismus.
Wir sind Tourismusland Nummer eins im Deutschlandtourismus und haben
in diesem Bereich eine Infrastruktur auf neuestem Stand, die, verbunden
mit besten naturräumlichen Voraussetzungen – sauberster Luft,
sauberstem Wasser und vielfältigen kulturellen Angeboten –
immer mehr Gäste anzieht. Das dritte traditionelle Standbein
ist die Landwirtschaft. Sie ist hochproduktiv, die produktivste
in ganz Deutschland. Auf Basis dieser Primärproduktion in der
Landwirtschaft hat sich eine sehr moderne und wettbewerbsfähige
Ernährungsgüterindustrie bei uns angesiedelt. Neue Standbeine
sind die Biotechnologie und Medizintechnik. Hier existiert ein Netzwerk
„Biocon-Valley", aber auch die Informations- und Kommunikationstechnologie
bietet inzwischen viele Arbeitsplätze. Außerdem hat sich
das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zum Ziel gesetzt, Gesundheitsland
Nummer eins in Deutschland zu werden und dazu einen Masterplan entwickelt.

matu.: Die Ansiedlung neuer Firmen passiert doch
letztendlich nur im Speckgürtel und in den großen Städten
an der Küste, was ist mit den ländlichen Gebieten wo teilweise
Dörfer fast leer stehen?

Harald Ringstorff: Es trifft natürlich zu,
dass entlang der neuen Infrastruktur sich Firmen besonders gern
ansiedeln, beispielsweise an der A20 oder der A24. Aber auch in
ländlichen Regionen tut sich einiges. Als Beispiel nenne ich
die Gießerei Torgelow im Uecker-Randow-Kreis, die eine rasante
Entwicklung nimmt. Außerdem befinden sich Standorte der Ernährungsgüterindustrie
durchaus auch im ländlichen Raum. Und die Landwirte selbst
haben ein neues Standbein entdeckt: Die Produktion alternativer
Energien (Biogas, Biodiesel).

Moderator: Noch ist der Wettbewerb zwischen den
Ländern ja noch nicht per Föderalismuskommission verankert.
Aber hier schon die Frage:

Leopoldus: Was für einen Vorteil sehen Sie
in Mecklenburg-Vorpommern im direkten Vergleich gegen Bayern?

Harald Ringstorff: Zurzeit sehe ich noch keine
Vorteile, wenn ich von einem absehe: der Küstenlage. Bayern
besitzt keine Hafenstandorte. Hafenstandorte sind für viele,
gerade exportorientierte Firmen von immensem Vorteil, insbesondere
dann, wenn sie Großanlagen bauen wie beispielsweise die Firma
Liebherr Großkrananlagen oder die Firma Nordex in Rostock
Windkraftanlagen. Außerdem wüsste ich nicht, dass Bayern
1500km Küstenlinie mit herrlichen Sandstränden hat. Aber
im Prinzip ist es sicherlich noch so, dass wir noch weitere Anstrengungen
unternehmen müssen, um wirtschaftlich weiter voran zu kommen.
Noch sind wir Nehmerland im Länderfinanzausgleich, wie der
gesamte Osten. Darüber täuschen auch einige schon vorhandene
Leuchttürme nicht hinweg.

chatter: Wie lange muss der Westen noch dem Osten
mit Strukturhilfen unter die Arme greifen? Von der Infrastruktur
her (vor allem Straßen) liegt der Osten schon vor dem Westen,
wenn man sich die maroden Verkehrswege einmal ansieht.

Harald Ringstorff: Ich weiß nicht, ob das
überall zutrifft, das der Osten schon vor dem Westen liegt,
aber eine vernünftige Infrastruktur ist natürlich Voraussetzung
für Firmenansiedlungen. Und ich erinnere daran, dass Bayern
über 30 Jahre Nehmerland im Länderfinanzausgleich war.
So lange sind wir es noch nicht.

Moderator: Das ist jetzt ein bisschen ein Blick
in die Glaskugel, aber wer sollte eine fundierte Schätzung
abgeben können, wenn nicht ein Praktiker aus der Politik:

Stralsunder: Welchen Zeitrahmen sieht die Politik
in Mecklenburg-Vorpommern bis sich der Osten und der Westen Deutschlands
wirtschaftlich auf Augenhöhe begegnen können?

Harald Ringstorff: Ich glaube, die Frage kann
man nur schwer beantworten, denn auch im Westen bestehen große
Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Bis 2019 gilt noch
der Solidarpakt II und ein Solidarpakt III wird es nicht geben.
Sicherlich werden dann etliche Regionen in Ostdeutschland mit Regionen
im Westen gleichgezogen haben. Das gilt aber nicht für den
Osten insgesamt.

Moderator: Nachfrage zum Thema Tourismus:

matu.: Der Nachteil am Tourismus ist aber leider,
dass er stark saisonbedingt schwankt. Im Sommer zu wenig Arbeitskräfte
im Winter zu viel.

Junner2003: Sie sprachen zuvor vom Tourismus als
zweites Standbein. Dies wird immer gern als Wirtschaftsfaktor Mecklenburg-Vorpommerns
dargestellt. Da diese Branche sehr saisonbedingt ist, kann man doch
nur gemäßigt von einem Arbeitnehmer-fördernden Prozess
dieser Branche sprechen, oder?

Harald Ringstorff: Es ist so, dass der Tourismus
immer noch saisonbedingt ist, aber es gelingt uns zunehmend, die
Saison zu verlängern durch Angebote für Gesundheitstourismus,
aber auch durch kulturelle Angebote. Auf dem Weg zum Gesundheitsland
Nummer eins wollen wir die Saisonabhängigkeit noch weiter verringern.
Inzwischen kann man allerdings in Mecklenburg-Vorpommern auch schon
Ski fahren, wenn auch nur in der Halle. Sicherlich ist es so, dass
Mecklenburg-Vorpommern vom Tourismus allein nicht leben kann. Ich
habe den Tourismus auch nur als eines von drei traditionellen Standbeinen
der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern genannt. Trotzdem sehen
wir im Tourismusbereich noch weiteres Entwicklungspotenzial. Gerade
auch in ländlichen Regionen.

Ossi Online: Wie sehen Sie denn Mecklenburg-Vorpommern
im Vergleich mit den anderen Ost-Bundesländern? Steht es gut
da oder eher nicht?

Harald Ringstorff: Ich glaube, Mecklenburg-Vorpommern
steht recht gut da, obwohl die Ausgangsposition nicht besonders
gut war. Es gelingt uns zunehmend, unsere Wirtschaftsstruktur zu
verbreitern, wir haben ein starkes Wachstum in der gewerblichen
Wirtschaft, der Infrastrukturausbau ist gut vorangekommen und es
ist uns zum Beispiel gelungen, im Jahr 2006 einen ausgeglichenen
Haushalt vorzulegen, was auch in den kommenden Jahren der Fall sein
wird. Einen ausgeglichenen Haushalt haben außer Mecklenburg-Vorpommern
bisher nur Bayern und Sachsen vorgelegt.

Dunstger: Was halten Sie von dem Modell eines Oststaates,
beziehungsweise Nordstaates, in dem mehrere ostdeutsche Bundesländer
zusammengelegt werden?

labben1,: Was halten sie von einem Nordstaat mit
Hamburg als Hauptstadt?

Harald Ringstorff: Beide Fragen sind schon sehr
häufig diskutiert worden, bisher gibt es keine Mehrheiten in
der Bevölkerung für derartige Vorhaben. Ich weiß
nicht, ob sich das in der Perspektive ändern wird. Wir unternehmen
Anstrengungen, um Mecklenburg-Vorpommern als eigenes Bundesland
zu erhalten, sind aber dabei, stärker mit anderen Bundesländern
zu kooperieren um zu Kosteneinsparungen zu kommen. So wird es zum
Beispiel demnächst eine gemeinsame Sitzung von Kabinettsmitgliedern
der Hansestadt Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
geben, um über weitere Kooperationsmöglichkeiten zu reden.
Oder, um es an einem ganz konkreten Beispiel festzumachen: Die norddeutschen
Ministerpräsidenten haben gemeinsam ein Gespräch bei Minister
Tiefensee gehabt, um die wichtigsten Verkehrsprojekte in gesamt
Norddeutschland vorzustellen und für ihre schnelle Realisierung
zu werben.

Moderator: Vielleicht mal allgemeiner gefragt:
Sind 16 Bundesländer nötig oder geht es auch mit weniger?

Harald Ringstorff: Ich nehme an, dass es auch
mit weniger gehen würde. Dazu muss es aber politische Mehrheiten
geben und die sehe ich zurzeit nicht.

academili: Sie regieren ja im Kleinen in einer
Großen Koalition – wie fällt Ihr Vergleich mit der Bundesregierung
aus?

Harald Ringstorff: Wir regieren noch nicht so
lange in der Großen Koalition wie im Bund in dieser Konstellation
regiert wird. Bisher läuft die Regierungsarbeit bei uns weitestgehend
unaufgeregt und konfliktfrei und ich hoffe im Interesse des Landes,
dass das auch so bleibt. Sicher müssen in solch einer Konstellation
beide Koalitionspartner auch kompromissfähig sein.

heartCore: Warum haben Sie die Zusammenarbeit mit
der Linken abgebrochen? Denken Sie, dass diese Mecklenburg-Vorpommern
nicht vorwärts gebracht hat? Dabei ist doch unter dieser Legislaturperiode
die Arbeitslosigkeit beispielsweise zurückgegangen oder?

Harald Ringstorff: Es trifft zu, dass die Arbeitslosigkeit
insbesondere zum Ende der letzten Legislaturperiode zurückgegangen
ist und dass wir in der Koalition mit der PDS erfolgreich Investorenwerbung
betrieben und einige wichtige Reformvorhaben angestoßen haben.
Trotzdem waren wir der Meinung, dass man zum Regieren in Mecklenburg-Vorpommern
stabile Mehrheiten braucht und Rot-Rot hätte derzeit nur eine
Stimme Mehrheit.

jakobine: Seit 2006 sitzen Abgeordnete der rechtspopulistischen
NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern – wie geht das Landesparlament
damit um? Behindern die NPDler Ihre Arbeit?
dickn: Wie erklären Sie sich den Erfolg der NPD und wie sieht
Ihre Strategie aus, diesen zu hemmen?

Harald Ringstorff: Es ist in der Tat so, dass
einige Abgeordnete der NPD im Landtag sitzen und versuchen, die
parlamentarische Arbeit zu stören. Es gibt einen Kompromiss
der demokratischen Parteien zum Umgang mit der NPD, um nicht auf
deren Provokationen hereinzufallen. Der NPD ist an spektakulären
öffentlichen Auftritten gelegen. Sacharbeit in Ausschüssen
wird nicht geleistet. Es gibt im Land zunehmend Bündnisse gegen
Rechts, die Landesregierung hat beschlossen, Zentren für Demokratie
und Toleranz einzurichten, um die Arbeit gegen die NDP zu unterstützen.
Es ist so, dass die NPD versucht, ihre Kräfte jeweils auf ein
Bundesland zu konzentrieren und so nach und nach in die Parlamente
mehrerer Bundesländer einzuziehen. Ich hoffe, dass durch entschlossenes
Handeln aller Demokraten in der nächsten Legislaturperiode
keine NPD-Abgeordneten mehr im Landtag sitzen werden.

JoergT: Sind Sie dafür, die NPD zu verbieten?

Harald Ringstorff: Es ärgert mich schon, dass
die NPD auch Steuergelder erhält. Sie ist eine Partei, die
die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen will, das
wird ganz offen ausgesprochen. Ein neues Verbotsverfahren muss jedoch
sehr gut vorbereitet werden. Ein zweites Scheitern darf es in diesem
Punkt nicht geben.

Moderator: Aber Sie befürworten ein zweites
Verbotsverfahren?

Harald Ringstorff: Wenn es gut vorbereitet ist
und die Fachleute zu der Auffassung kommen, dass das Risiko des
Scheiterns entsprechend klein ist, bin ich der Auffassung, dass
ein zweiter Anlauf gewagt werden sollte.

walserfamily: Sind Sie der Meinung, dass die demokratischen
Parteien sich einig genug sind um dieser „Bedrohung"
entschlossen zu begegnen? Oder könnte man hier noch mehr zusammenarbeiten?

Harald Ringstorff: Ich habe schon gesagt, dass
die demokratischen Parteien in Mecklenburg-Vorpommern in dieser
Frage sehr eng zusammenarbeiten. Allerdings muss man noch mehr darauf
aufmerksam machen, dass es sich bei der NPD tatsächlich um
eine Bedrohung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung
handelt.

ThomasHH: Sie haben eine lange Erfahrung als Regierungschef
einer rot-roten Koalition. Sehen Sie dafür auch eine Chance
auf Bundesebene, möglicherweise ergänzt durch die Grünen?

Harald Ringstorff: Diese Chance sehe ich auf Bundesebene
nicht. Vor allen Dingen die außenpolitischen Positionen der
Linken sind mit unseren Positionen nicht vereinbar und würden
Deutschland außenpolitisch in die Isolation treiben.

Moderator: Das betont auch Außenminister
Steinmeier immer wieder. Glauben Sie nicht an eine Kompromissfähigkeit
der Linken? So was kommt ja manchmal erst mit dem ersten konkreten
Angebot.
Harald Ringstorff: Ich kenne keine solchen Kompromissangebote der
Linken und ich halte nicht viel von Diskussionen nach dem Motto
„Wenn der Pott nun aber ein Loch hat …".

samo: War es Ihr Ernst, dass auch weitere G8-Gipfel
in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden sollten? Fanden Sie die Bilder
von Polizeiaufgebot und Demonstranten denn so vorteilhaft für
das Bundesland?

Harald Ringstorff: Es sind viele Bilder von friedlichen
Demonstranten und von der schönen Küste Mecklenburg-Vorpommerns
in die Welt gegangen. Daran ändert auch nichts, dass es vor
Beginn des Gipfels bei der Sonnabend-Demonstration in Rostock Ausschreitungen
gegeben hat. Es hat sowohl im Vorfeld des Gipfels als auch während
des Gipfels und danach Journalistenreisen durch Mecklenburg-Vorpommern
gegeben, durch die unser Bundesland international bekannter geworden
ist. Lieber wäre es mir natürlich gewesen, wenn Gewaltbilder
überhaupt nicht über den Bildschirm gegangen wären,
das heißt, es wäre mir lieber gewesen, wenn alles friedlich
verlaufen wäre.

Moderator: Bemerkung von:

ui: …und Bilder von Tornados, die friedliche
Demonstranten fotografieren wollten.

Moderator:
Und Frage von:

kaulomart: Inwiefern waren Ihnen die Maßnahmen
zum Einsatz der Bundeswehr rund um Heiligendamm während des
G8-Gipfels im Vorhinein bekannt und wie weit haben Sie ihnen zugestimmt?

Harald Ringstorff: Es sind keine Tornados eingesetzt
worden, um Demonstranten zu filmen oder Kfz-Kennzeichen festzustellen.
Die Tornados sind eingesetzt worden, um Erddepots und Veränderungen
der Oberflächenstruktur sichtbar zu machen. Das war, glaube
ich, wichtig, denn nach dem 11. September 2001 ist gerade bei solchen
politischen Veranstaltungen wie dem G8-Gipfel höchste Alarmstufe
angesagt. Weil man mit terroristischen Anschlägen rechnen muss.
Zu den konkreten Hilfeersuchen an die Bundeswehr hat es keine Kabinettsbefassung
gegeben.

Moderator: Das war’s, die tagesschau-Chat-Stunde
ist schon wieder vorbei. Das Protokoll mit allen Fragen und Antworten
folgt zum Nachlesen und für alle, die den Chat nicht verfolgen
konnten in Kürze auf den Seiten www.tagesschau.de und www.politik-digital.de.
Vielen Dank an alle User für Ihr Interesse und noch einmal
vielen Dank nach Schwerin an Ministerpräsident Ringstorff!
Noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag lädt Kanzlerin Angela
Merkel zum Nationalen Integrationsgipfel nach Berlin. Wir haben
aus diesem Anlass die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün
zum Chatten eingeladen und freuen uns, wenn Sie ab dreizehn Uhr
dabei sind. tagesschau.de und politik-digital.de wünschen allen
Beteiligten noch einen schönen Abend!

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