“Bund Online lohnt sich auf jeden Fall”

Chat
mit Martin Schallbruch, IT-Direktor des Bundesinnenministeriums.


Martin SchallbruchModerator:
Herzlich willkommen im Chat bei politik-digital! Hallo Herr Schallbruch! Wir
sind hier im Chat von Staat Modern-Moderner Staat! Unser heutiges Thema: Digitale
Signatur. Wir beginnen mit der ersten Frage:

Doc: Wie viele Menschen
müssen ihre Verwaltungsvorgänge ab 2005 online erledigen, damit sich
Bund-Online lohnt?

Martin Schallbruch: Bund
Online lohnt sich auf jeden Fall. Es gibt ein großes Interesse der Bürger
und Bürgerinnen, ihre Verwaltungsangelegenheiten online zu erledigen und
wir haben großes Interesse, die Verwaltung ins Internet zu bringen und
damit zu modernisieren.

Doc: Muss ich mir neue Hardware
kaufen, um elektronisch unterschreiben zu können?

Martin Schallbruch: Nein,
es gibt Verfahren der elektronischen Signatur, die rein softwarebasiert funktionieren.
Will man eine rechtsverbindliche Unterschrift abgeben, braucht man Chipkartenleser
und Chipkarte.

Moderator: Wie teuer ist
diese Software und wird es eine ganz normale Sache sein, diese Lesegeräte
zu Hause zu haben?

Martin Schallbruch:
Der Chipkartenleser ist ab 30 Euro zu haben, wird zunehmend aber auch in Tastaturen
integriert.

Gast: Sind sie für
Open Source im Bundestag?

Martin Schallbruch: Das
ist eine Angelegenheit des Bundestages. Der Regierung steht es nicht an, dem
Bundestag Empfehlungen zu geben!

Doc: Kürzlich war irgendwo
zu lesen, dass es Sicherheitslücken bei der elektronischen Steuererklärung
ELSTER gab. Ist die überhaupt sicher?

Martin Schallbruch:
Also, es gab in der Tat Zweifel an der Sicherheit des Verfahrens. Deshalb wurde
Elster noch einmal vollständig überprüft und alle Sicherheitsbedenken
konnten ausgeräumt werden.

Bigmac: Wann kommt denn
jetzt endlich die digitale Signatur? Genauso spät wie der Chat angefangen
hat?

Martin Schallbruch:
Also, wenn sich die elektronische Signatur nur um eine halbe Stunde verspäten
würde… Nein, im Ernst: Wir werden für die Bundesverwaltung die elektronische
Signatur flächendeckend bis Ende 2003 einführen. Erste Pilot-Projekte
laufen schon jetzt, zum Beispiel der Service der Bundesversicherungsanstalt
für Angestellte für die Rentenauskunft.

Pong: Warum werden bei den
meisten bisher diskutierten Pilotprojekten zur elektronischen Signatur in Deutschland
ausschließlich Microsoft-konforme Lösungen betrieben?

Martin Schallbruch:
Das mag bei vielen Signaturlösungen für e-Mail der Fall sein, weil
der Microsoft-e-Mail-Client Outlook so verbreitet ist. Wir entwickeln jetzt
im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Signaturlösung
für Open Source.

Hängman: Werden denn
alle Bildschirmarbeitsplätze in den Bundesbehörden mit einem Internetzugang
ausgestattet werden?

Martin Schallbruch:
In vielen Bereichen haben wir schon jetzt flächendeckende Internetzugänge.
Ansonsten entscheidet jede Behörde für sich, ob es erforderlich ist.
Die infrastrukturellen Voraussetzungen haben wir geschaffen.

Philipeit: Werden neben
der Signaturkarte mit Kartenleser auch andere Medien/Instrumente für die
digitale Signatur zur Verfügung stehen, wenn ja welche?

Martin Schallbruch:
Nein, das Signaturgesetz sieht bislang nur Chipkarten vor.

Gast: Welche Geschäfte
kann ich zukünftig elektronisch besiegeln?

Martin Schallbruch:
Sicherlich die allermeisten Verwaltungsvorgänge. In manchen Fällen
wird allerdings der persönliche Kontakt erforderlich bleiben, zum Beispiel
bei der Musterung. Ich hatte schon das Beispiel der Rentenauskunft genannt,
ein anderes ist die Abwicklung der Rückzahlung von Bafög.

bigmac: Wird es ein oder
verschiedene System geben, sprich einen Wettbewerb unter den Herstellern?

Martin Schallbruch:
Es wird einen Wettbewerb geben. Die deutschen Hersteller haben sich auf einen
gemeinsamen Standard für die elektronische Signatur geeinigt, so dass die
Produkte "interoperabel" sind. Das heißt, dass zwei Kommunikationspartner
unterschiedliche Systeme verwenden können.

Moderator: Liebe Chatter,
liebe Chatterinnen! Sorry für die technischen Schwierigkeiten! Vielen Dank,
dass Sie da waren, Herr Schallbruch! Ich hoffe, es hat Ihnen ein wenig Spaß
gemacht!

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