Idee zur Schäublone kam von einem Freund

Am Dienstag, den 30 Oktober, waren Dirk und Mac vom Weblog dataloo zu Gast in der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Sie sprachen über den Ursprung der "Schäublone", die Anti-Überwachungsaktion "Überwach" und über das Bloggen zu zweit.

 

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zur Blogsprechstunde,
dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Heute sind
Dirk und Mac vom Weblog dataloo bei uns zu Gast. Um 18 Uhr geht
es hier los, Ihre Fragen dürfen Sie aber jetzt schon gerne
stellen.
Dirk und Mac sind auch schon hier bei uns im Büro, wir können
also pünktlich anfangen.
So, jetzt ist es 18 Uhr. Frage an die Gäste: Können wir
anfangen?

Mac: Yep.

Dirk: Auf geht´s… sagt der Kuchen

Dirk (oben) und Mac von dataloo
Dirk (oben) und Mac von dataloo


Moderator: Im Vorfeld konnten unsere Nutzer bereits
einige Fragen stellen und darüber abstimmen, mit welcher wir
denn heute unseren Chat beginnen. Hier ist also die erste:

keiner da: Von wem stammt die Idee zur Schäublone
denn jetzt genau?

Mac: Die kam von einem Freund aus München
via SMS, als ich auf der Blogger-Messe re:publica in einer Session
saß.

Dirk: Der hat übrigens heute Geburtstag –
Alles Gute!

Mac: Ja, von mir auch. Er wusste zwar nicht mehr,
wie alt er heute wird, aber von ihm stammt die Idee.

Dirk: Ach ja, und wir schulden ihm noch ´nen
Kasten Bier für die Idee.

Moderator: Daran anschließend:

kai neahnung: Von wem stammt der der Begriff Stasi
2.0?

Mac: Der Begriff tauchte anfangs entweder bei
Heise oder bei der Zeit (Zeit-Zünder) auf.

Dirk: Meines Wissens stammt der Begriff von Ralf
Bendrath, der den in einem Zeitzünder-Interview erwähnt
hat.

Mac: Bei der re:publica Messe in Berlin wurde er
dann schon fast inflationär benutzt und ging sowohl analog
als auch digital umher.

wiesoweshalbwarum: Bei Euch hat sich ja vor allem
Dirk um die Anti-Überwachungs-Aktionen gekümmert. Mac,
wie waren denn deine Reaktionen so darauf? Wär es dir manchmal
lieber gewesen, einfach „normal“ weiterzubloggen?

Mac: Der Hype und der Besucheranstieg von 200 auf
3000 war schon komisch, ich habe dann aber versucht einfach „normal“
weiterzumachen – was auch immer das bedeuten mag. Das gestiegene
Interesse kam so schließlich auch meinen launischen Texten
zugute – wenn auch nur am Rande.Und das Feedback ist das eigentlich
spannende an einem Blog. Sowohl das der Leser, als auch mein eigenes
Feedback wenn ich nach einem Jahr alte Postings lese und nicht fassen
kann wie gut die sind. Oder halt auch abgrundtief schlecht.

Bratenstein: Von wem stammt überhaupt der
Begriff „Schäublone“?

Dirk: Keine Ahnung.

Mac: Sorry, ich leider auch nicht.

Dirk: In irgendeinem Blog wurde es das erste Mal
verwendet – glaub ich. Ich selbst hab erst Tage nach dem Anfangshype
den Begriff verwendet. Hochachtung an den Erfinder – es lag so nahe…

raffaq: Was hättet Ihr eigentlich unternommen,
wenn der Begriff Stasi 2.0 von der Staatsanwaltschaft München
als Beleidigung gesehen worden wäre?

Mac: Ich habe Dirk im Vorfeld gebremst, zu intensiv
darüber nachzudenken.

Dirk: Absolut! Ich wäre in Panik verfallen.
Mac hätte sich beruhigt. Danach wären wir sofort nach
China ausgewandert…

Mac: Interessant finde ich die Tatsache, dass die
ganze Sache sowieso schon ein Eigenleben entwickelt hat und nicht
mehr zu stoppen war. Vor allem auch durch die Lizenzierung via Creative
Commons. Im Ernst: Ich wäre in Panik verfallen und hätte
sofort versucht den Lawblogger
anzurufen und um Hilfe anzuflehen.

Dirk: Nein – im Ernst – es stand von Anfang an
die Frage im Raum ob die Beschlagnahmung und die drohende Anzeige
wegen Beleidigung überhaupt rechtens ist. Letzten Endes ist
es bei einer Anekdote geblieben. Und das ist nur gut für den
betroffenen Studenten.

Singular: Warum führt ihr das Blog eigentlich
zu zweit und nicht jeder ein eigenes?

Mac: Weil ich das technisch alleine gar nicht auf
Reihe kriegen würde, auch trotz Informatik-Diplom.

Dirk: Na, es macht einfach viel mehr Spaß
zu zweit.

Mac: Davon abgesehen würde das Blog dann auch
total mies aussehen, also noch mieser als jetzt – denn ich bin wahrlich
kein guter Gestalter.

Dirk: Außerdem ist mehr los. Mac schreibt
auch viel mehr als ich – so kann er wunderbar meine Sendepausen
überbrücken. Danke für die Blumen, Mac.

Mac: „Wir sind 2 Blog“ wäre auch
eine schöne Headline für dataloo, denn eigentlich ist
es das auch irgendwie. Den hab ich jetzt verbockt, „Ich bin
zwei Öltanks“ war die Inspiration.

vonhier: Gibt es eine Aufgabenverteilung zwischen
Dirk und Mac?

Dirk: Ja: ich diktiere – Mac schreibt. Oder war
es andersrum?

Mac: Wir machen eigentlich beide was wir wollen,
aber Dirk muss sich um die Security-Updates kümmern.

Dirk: Mist – danke, dass du mich dran erinnerst.

HoHoHo: dataloo als Datenklo, so stehts bei Euch
im Blog. Was bedeutet das denn konkret?

Mac: http://www.dataloo.de/about-dataloo/

Das war der pessimistische Ausblick zum Thema Internet vor 2000:
Eine große Toilette für Daten. Und das war noch vor dem
berüchtigten Toilettenwand-Vergleich eines großen deutschen
Werbers.

Dirk: Und die Domain war noch frei. Der Begriff
bzw. die Idee der Datenmüllhalde bzw. des Ortes, an dem Daten
wieder weggeschmissen werden, stammt ursprünglich von Holger.
Witzigerweise wurde Holger im Rahmen der Schäublone an einigen
Stellen als Urheber genannt. Ach ja, Holger ist einer unserer Ex-Chefs.

conny: Erstmal Glückwunsch zu den zwei Jahren
dataloo. Gibt es im Internet denn noch irgendwas außer Trash?

Dirk: Ja klar: html, jpgs & shit…

Mac: Ich hätte mich auf die Fragen besser
vorbereiten sollen.

Dirk: Vielleicht kurz mal googeln? trash.de?

Mac: Das ist natürlich nicht total ernst
gemeint, es gibt sehr viel tolle Sachen im Internet, leider auch
extrem viel Müll – Die Selektion wird das Thema der nächsten
Jahre. Und dataloo ist da natürlich ganz vorne dabei. Mit Web
2.0 wird das alles grade noch viel schlimmer.

ringring: Wie steht ihr eigentlich zur digitalen
Bohème? Fühlt ihr euch da zugehörig?

Dirk: Prenzlberg, bloggen – da geht´s ja
fast nicht anders. Aber eigentlich würde ich mich lieber als
total spießbürgerlich bezeichnen.

Mac: Prinzipiell schon, mich da als Teil einer
Gruppe zu sehen liegt mir aber fern, dazu bin ich nicht intellektuell
genug.

Dirk: Brüller!

Mac: Ich tippe meine Blogpostings immer in Word,
hier fehlen mir die roten Kringellinien. Schlimm, wie schludrig
man geworden ist. Tippen und Return.

Dirk: Hast du nicht früher ein Shirt mit dem
Spruch „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“
getragen? Das wär ja in etwa das gleiche nur neuer, oder?

Moderator: Es gibt einige Fragen zur
Aktion Überwach
. Vielleicht erst mal grundsätzlich:

FDH: Wie funktioniert denn die Aktion Überwach?

Dirk: Eigentlich supereinfach. Es wird ein Bild
vom uberwach.de-Server in eine Seite eingebunden. Dadurch wird an
den uberwach.de-Server die IP-Adresse des Besuchers übertragen
und außerdem welche Seite von ihm besucht wird. Die IP wird
gegen eine Liste von IP-Adressen abgeglichen. Ein Treffer wird vermerkt.
Das Prinzip ist eigentlich so alt wie das Web selbst – ich glaube
das erste mal so erwähnt wurde das 96 oder 97 – also vor über
10 Jahren…

Mac: Für mich ist Überwach eine Kunstaktion
um gewisse Abläufe darzustellen, dass Dirk da auf technische
Perfektion so viel Wert legt, hab ich nie verstanden.

Big Brother: Nach den Protokollen der Aktion
Überwach scheinen sich die „Überwacher“ ja
vor allem auf der eher unverdächtigen Site Schnullerfamilie
rumzutreiben. Habt ihr Erklärungen?

Dirk: Ist mir auch schon aufgefallen. Woran das
liegt ist mir unklar. Vermutlich stimmen bestimmte IP-Adressen-Bereiche
nicht, allerdings gibt es bisher keine Hinweise darauf.

Moderator: Dazu noch eine Anmerkung:

hmmm: 389 Verdachtsmomente für Planet Liebe
und 385 Verdachtsmomente für ein Angstforum – das gibt zu denken.

Mac: Liebe liegt immerhin noch vorne. Es gibt
ja so ein simples Modell der Welt, dass alle menschlichen Motivationen
sich entweder aus Liebe oder Angst speisen. Das passt oft verdammt
gut.

Dirk: Mmhhh. Das würde die These der falschen
IP-Adressen-Bereiche stützen…

Mac: Wobei die global um sich greifende Angstkultur
mir bei aller Liebe echt Angst macht.

Big Brother: Wie zuverlässig sind die Protokolle
der Aktion Überwach denn?

Dirk: Bei der Aktion Überwach geht es eigentlich
mehr um eine exemplarische Überwachung und nicht um eine totale,
vollkommene, genaue. Jedoch würde ich die Logs schon als zuverlässig
im Rahmen der zur Verfügung stehenden IP-Adressen und deren
Zuordnung zu jeweiligen Institutionen einschätzen.

Bratenstein: Wie reagiert ihr, wenn ihr einem
Stasi 2.0 T-Shirt Träger begegnet?

Mac: Ich spreche die immer an, woher sie das Super-Shirt
haben.

Dirk: Witzig – die ersten hab ich tatsächlich
erst auf der „Freiheit statt Angst“-Demo Ende September
getroffen. Das waren einfach zu viele, um mit jedem zu sprechen.

Mac: Ja, das war beeindruckend, wie sich das
ursprüngliche digitale „Virtual Stencil“ im analogen
Raum ausgebreitet hat.

Dirk: Es gab aber von vielen Trägern tolle
Berichte, dass sie darauf angesprochen wurden, teilweise auch von
älteren Mitbürgern, die mit dem neuen digitalen Kram nix
am Hut haben, und oft hat sich ein gutes konstruktives Gespräch
rund um die geplanten Maßnahmen der Regierung ergeben. Echt
erstaunlich – sonst hört man das ja selten, dass T-Shirt-Motive
zu Gesprächen führen.

MC Wrinkle: In den Blogs ist Schäuble ja eine
ziemliche Hassfigur. Habt Ihr auch Verständnis für den
Mann?

Dirk: Die Schäublone zielt zwar auf Schäuble
ab, allerdings hatte ich von Anfang an die Politik für die
er steht – die Schily ja ebenfalls bereits vor ihm verfolgt
hatte – auf dem Kieker und nicht ihn persönlich. Einige Kommentare
und Aussagen in Blogs gingen leider deutlich unter die Gürtellinie
und oft wurde das ja auch mit seinem persönlichen Schicksal
verbandelt. Am Anfang stand tatsächlich kurz die Frage im Raum,
ob wir Schäuble im Rollstuhl zeigen sollten. Aber das mir vor
vorneherein klar, dass es darum nicht geht. Und letzten Endes –
käme ein neuer Innenminister, der die gleiche Politik verfolgt
– das Gesicht könnte man schnell auch auf der Schäublone
austauschen. Es gab ja auch schon eine Variante mit Zypries.

Bratenstein: Wie wird es mit Dataloo weitergehen?
Ist schon was Neues geplant?

Mac: Ja, ein Trashcast!

Dirk: Aber nur wenn wir das irgendwie während
einem Spaziergang hinkriegen – und ohne Vorbereitung. So ganz spontan.
Wie heute Abend… hier..

Mac: Ich würde gerne wieder Radio machen so
wie früher, egal ob sich das jemand anhört. Ansonsten
ist noch offen wohin die Reise mit dataloo geht, das mit der Schäublone
war ja auch eine große Überraschung.

Dirk: Hauptsache: United Trash!

Mac: Ich bin ja Anhänger vom Lustprinzip
und mache was ich Lust habe mit meinem Teil des Blogs. … die
Spalte
.

Moderator: Das war es auch schon wieder: 60 Minuten
Blogsprechstunde sind um. Vielen Dank an alle Nutzer für die
vielen Fragen und natürlich an Dirk und Mac für Ihren
Besuch in der Blogsprechstunde. Vielleicht noch ein Schlusswort?

Mac: Bleibt wach und lasst euch nicht von den kollektiv
assoziierten Ängsten auffressen.

Dirk: 1000 Dank fürs eifrige Fragenstellen
und Mitlesen…. und wer am 6.11. noch nix vorhat, kann gerne einen
Lampion schnappen und auf eine der bundesweiten Demos „Freiheit
statt Angst“ Teil 2 gehen. Mehr Infos wie immer auf der AK
Vorratsdatenspeicherung Website – .freiheitstattangst.de.

Mac: Und nächstes mal bereite ich mich besser
vor.

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