Google bestraft übertriebene Gimmicks

Am Dienstag, 16. Oktober, war Gerald Steffens vom S-O-S SEO Blog zu Gast in der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Er verriet, wie man im Web besser gefunden wird und worauf es bei der Optimierung von Suchmaschinen ankommt.

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zur Blogsprechstunde.
Unser Gast heute ist Gerald Steffens von S-O-S SEO Blog. Ihre Fragen
zu Suchmaschinenoptmierung, Google, technorati und PageRank können
Sie gerne jetzt schon stellen, wir sammeln sie hier und leiten sie
dann weiter. Um 16 Uhr geht es dann los.
Hier in Berlin ist es jetzt 16 Uhr. Herr Steffens, können wir
starten?

Gerald Steffens: Ja, von mir aus kann es los gehen.

Moderator: Unsere Nutzer konnten bereits einige
Tage vorher Fragen stellen und darüber abstimmen, mit welcher
wir heute anfangen. Hier ist die Frage, die die meisten Stimmen
bekommen hat:

ralphie: Vor kurzem gab es unter einigen Bloggern
lustige Link-Ketten, die andere Blogger eher verärgerten. Was
ist so schlimm daran, über Link-Ketten sein Ranking bei technorati
und co zu verbessern?

Gerald Steffens: Diese Linkketten haben etwas
von einen Pyramidensystem. Der Initiator schneidet dabei am besten
ab, da fast jeder auf ihn zurück verlinkt, der Rest bekommt
je nach Machart einen oder ein paar mehr Links ab. Im Extremfall,
wenn jeder Teilnehmer die anderen verlinkt, haben wir eine regelrechte
Link-Lawine, die sich über Technorati oder den Googles Index
ergießt. Wenn 1000 Blogger an so einem extremen Linkspiel
teilnehmen und sich gegenseitig verlinken würden, dann würden
damit 1.000.000 Links erzeugt. Damit könnte man die Maßstäbe
von Technorati und Google schon etwas verbiegen. Und ein solches
verbiegen der Maßstäbe ist i.a. gleichbedeutend mit einem
Verlust an Glaubwürdigkeit und damit Qualität des Maßstabes.
Zum Glück erreichen die Link-Ketten nie solche gewaltigen Ausmaße.
Wohl auch, weil den Teilnehmer von anderer Seite immer gerne unterstellt
wird, dass die Teilnahme nicht wirklich uneigennützig sei :)
Wobei es hier weniger um Technorati gehen wird, sondern um die Einflußnahme
auf das Google-Ranking. Und wer kann da schon widerstehen, wenn
man auf so leichte Art und Weise seine zukünftigen Leser- und
Besucherzahlen erhöhen kann. Schlimm sind diese Dinge aufgrund
der verhältnismäßig kurzen Ketten also nicht wirklich,
nur würden alle Blogger die Skrupel fallen lassen, dann würde
es sicher erhebliche Verbiegungen bei Technorati, Google und Co.
geben. Ein Stückchen Neid ist sicher auch immer mit im Spiel.

Moderator: Drohen Google oder technorati da mit
Sanktionen, etwa Ausschluss aus dem Ranking?

Gerald Steffens: Ich kenne bis jetzt noch keinen
Fall, bei dem so rigoros eingegriffen wurde. Sicherlich missachtet
man dabei die Regeln, aber da die meisten Teilnehmer nicht böswillig
an diesen Aktionen teilnehmen, wäre der Lärm groß
und die Maschinen schlecht beraten, wenn sie drastische Maßnahmen
ergriffen. Ich würde eher damit rechnen, dass still und heimlich
ein paar Links entwertet werden.

Moderator: Nächste Frage:

weissu: SEO war ursprünglich vor allem für
Firmen interessant. Was bringt das Ganze für Blogger?

Gerald Steffens: Dasselbe, was es auch den Firmen
bringt. Mehr Besucher. Die Firmen versuchen Geschäft daraus
zu machen, die Blogger versuchen Leser zu gewinnen – und einige
denke natürlich auch hier ans Geschäft.

Joogle: Wie weit muss man sich Suchmaschinen unterordnen?
Zum Beispiel immer das gleiche Keyword und keine Synonyme verwenden,
damit man leichter gefunden wird? Was bringt das oder ist die Einschränkung
größer?

Gerald Steffens: Der Trend wird eher in die andere
Richtung gehen. Immer das gleiche Keyword kann einen ganz schnell
in die Nähe eines Überoptimierungsfilters bringen. Google
und Co. versuchen immer mehr auch Wortstämme und Synonyme zu
erkennen und einzuberechnen. Insofern sollte man zwar das Hauptkeywort
2-3 mal irgendwo verwenden, aber ansonsten guten Inhalt schreiben
und nicht zu sehr über Keywörter nachdenken.

Moderator: Zwei Fragen nach den größten
Fehlern:

PLz: Was sind die größten Fehler, die
man bei seinem Blog in Sachen SEO machen kann?

raffa: Was sind die häufigsten Fehler von
Websitebetreibern, die ien gutes Ranking in Suchmaschinen verhindern?

Gerald Steffens: Bei Webseiten würde ich
mal sagen, das ausschließliche Verlinken mit Javascript, URLs
mit zu viel Dynamik, das heißt mit mehreren Parametern, Seiten
die nur mit Flash aufgebaut werden, auch Frameseiten sind suboptimal.
Bei Blogs ist Duplicate Content der größte Killer. Das
Übertreiben mit Kategorien und Tags, Aufruf der Seite unter
mehreren URLs, zum Beispiel mit und ohne www et cetera führt
zu Seitenschwund. Generell ist Duplicate Content gerade für
große Websites derzeit ein echtes Problem.

Moderator: Was bedeutet Duplicate Content konkret
und wie vermeidet man ihn am besten?

Gerald Steffens: Duplicate Content meint Inhalte
die entweder identisch an mehreren Stellen vorkommen oder die in
großen Teilen übereinstimmen. Suchmaschinen wie Google
möchten ihre Ressourcen schonen, darum wird alles was mehrfach
auftaucht ausgefiltert. Zur Vermeidung sollten man vor allem auf
Probleme wie die schon angesprochenen Mehrfach-URLs achten, ansonsten
kann man bei Bedarf Inhalte, die zum Beispiel in Tags oder Kategorien
oder Archiven recycelt werden, mit „noindex, follow"
den Suchmaschinen vorenthalten.

Malicious: Man hört immer, dass Suchmaschinen
schlaue interne Verlinkungen belohnen – was beutetet das konkret?

Gerald Steffens: Auf der einen Seite kann man
mit der passenden Wahl der Keywörter für das Menü
einer Seite einen guten Einfluss auf das Ranking nehmen. Auch kann
man mal einen Blick auf Wikipedia werfen, da sieht man was schlaue
Verlinkung bedeuten kann.

ich: Welche Chance hat man mit einem Blog gut zu
ranken, wenn man sich nicht an den Themen, welche eh schon in zig
Blogs gleichzeitig abgearbeitet werden, beteiligt? Praktisch nicht
der Horde nachrennt?

Gerald Steffens: Man hat sicherlich schlechtere
Chancen, als wenn man mit dem Mainstream mitzieht. Denn dort gibt
es mehr Möglichkeiten um Kommentare zu hinterlassen, Aufmerksamkeit
zu erzeugen, Trackbacks zu versenden und zu sammeln. Bleibt nur
noch die Teilnahme an Linkketten ;-) Auf der anderen Seite steht
einem ja die restliche Welt des Internet noch offen. Man muss halt
in seiner Nische aktiv werden und ansonsten klassisch SEO betreiben.
Letztendlich geht alles. Nur selbst wenn man hochrankt, das Interesse
sollte schon so hoch sein, dass überhaupt jemand nach dem Thema
sucht :)

Moderator: Kommen wir zu einem weiteren Lieblingsthema
unserer Nutzer: dem Google PageRank.

nn: Welchen PageRank braucht man, um gefunden zu
werden?

Gerald Steffens: Ich sage mal so: Für mich
ist das, was mal der PageRank (PR) war, heute eher ein Trustrank.
In den Index kommt man auch mit PageRank 0. Gefunden wird man vor
allem dann gut, wenn der Balken nicht nur lang und grün ist,
sondern wenn dahinter auch Trust steckt. Es gibt eine Menge PR 7
Seiten da draußen, die sehen nicht mal die Top 50.

törö: Wie errechnet sich der PageRank
und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem PageRank und der Platzierung
bei Google?

Gerald Steffens: Wie genau das heute geht, weiß
keiner. Im Prinzip geht es um die Aufenthaltswahrscheinlichkeit
auf einer Webseite, wenn man blindlings durch das Web stolpert und
allen Links folgt. Auf Seiten mit vielen Ziellinks landet man häufiger.
Wo viele User sind, muss auch was Interessantes zu finden sein.
Soviel zur Theorie. Der Zusammenhang zwischen PageRank und Ranking
ist kaum noch zu erkennen, weil der PageRank, den wir sehen, schon
seit Ewigkeiten verseucht ist. Eine Seite mit hohem Trust kann auf
jeden Fall sehr viel bewegen. Wer also hohen PageRank kaufen oder
tauschen möchte, der sollte unbedingt versuchen zu erkennen,
wieviel Trust da noch drin steckt.

Moderator: Ein paar Fragen zum S-O-S
SEO Blog
:

Leser: Glückwunsch erstmal zum neuen Layout.
Was versprichst du dir denn von der Umgestaltung deines Blogs?

Gerald Steffens: Das log soll sich besser einprägen
können. Das Kubrick-Theme (Standard-Layout beim Blogdienst
Wordpress, Anm. d. Red.) ist einfach zu langweilig :)

paperbag: Vergibst du eigentlich noch den AntiSEO-Award?
Wer wären denn geeignete Kandidaten?

Gerald Steffens: Ich wollte den Award weiterführen.
BMW war zwischendurch ein heißer Kandidat. Und ist es immer
noch ;-)

Uli: Was hältst Du von der Aktion googlefreies
Blog (also Aussperren von Robtos)?

Gerald Steffens: Als SEO nichts :)

jens: Wenn Yahoo wirklich die Backlinkabfrage abschaltet:
Wie sollte man dann Off Page Optimieren? Worauf schaust du beim
Optimieren?

Gerald Steffens: Ohne Backlinks wird es schwer.
Ich würde auf jeden Fall das Ranking für einige Keywords
zum Einschätzen der Stärke einer Seite nutzen. Ich halte
diese Liste hier für sehr hilfreich: http://www.seomoz.org/article/search-ranking-factors

Moderator:
Letzte Frage für heute:

cinders: Wo bekommt man als Anfänger Tipps
für SEO – möglichst allgemeinverständlich?

Gerald Steffens: Ich halte diese Seiten für
optimal für einen Einstieg: http://www.internetmarketing-news.de/,
http://www.sistrix.com/
Und wenn man Geld ausgeben möchte:
http://www.website-boosting.de/

Da steht alles was man braucht. Was fehlt, ist die Erfahrung: http://www.sistrix.com/news/680-seo-handwerk-oder-magie.html

Moderator: 60 Minuten Blogsprechstunde sind schon
wieder um. Vielen Dank für die vielen Fragen und natürlich
dankschön an Gerald Steffens für die Antworten. Das Protokoll
zu diesem Chat finden Sie in Kürze auf politik-digital.de und
auf Blogpiloten.de. Das letzte Wort gebührt natürlich
dem Gast:

Gerald Steffens: Danke. SEO ist Handwerk, Kunst
wird es mit Übung und Erfahrung.

Moderator: Danke auch von uns und noch einen schönen
Abend.

Gerald Steffens: Vielen Dank für die rege
Beteiligung.

Eine Antwort auf Google bestraft übertriebene Gimmicks

  1. ultracolor sagt:

    Wow, super Interview. Ich habe zwar keine Stunde gebraucht um es zu lesen, aber konnte viel rausziehen. danke

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