Erweiterung von meinprof.de kommt

Die Mitbegründer von MeinProf.de waren am 14. November 2008 zu Gast im Expertenchat von E-teaching.org. Wie entstand die Idee zu MeinProf.de? Wie gehen Dozenten mit schlechten Bewertungen um? Was wird sich mit dem Relaunch von MeinProf.de verändern? Diese und zahlreiche weitere Fragen beantworteten Thomas Metschke und Alexander Pannhorst.

Moderator: Herzlich willkommen zum e-teaching.org-Expertenchat. Heute chatten Thomas Metschke und Alexander Pannhorst mit Ihnen. Unser Thema: MeinProf.de – Qualitätssicherung oder Denunzierung? Wie sieht es aus, die Frage in die Runde: Können wir starten?


Thomas Metschke und Alexander Pannhorst:
Ja, gerne!


Moderator:
Wie kam es denn zur Gründung von MeinProf.de?


Alexander Pannhorst:
Wir saßen damals in der Gruppe zusammen und haben uns darüber
ausgetauscht, was für Kurse wir nächstes Semester besuchen wollen. Dabei kam die Frage nach der Qualität eines bestimmten Kurses auf, was man dabei lernt, wie gut der Dozent ist und so weiter. Und da haben wir festgestellt, dass es kein System gibt, wo Studenten sich informieren können, was ihre älteren Kommilitonen über ihre Kurse denken. Einer aus unserer Gruppe, Jonathan, der kurz davor aus den USA zurück kam, hat vom amerikanischen System RateMyProfessors.com
berichtet. Wir haben uns das angeschaut und haben am gleichen Abend entschieden, dass wir so etwas Ähnliches machen. Wir haben auch gleich entschieden, dass wir bestimmte Features nicht übernehmen. Auf unserer Seite sollten ganz speziell Kurse bewertet werden und nicht die Dozenten. Vor allen Dingen nicht "hot or not" – also sehen Dozenten gut aus oder nicht. Das interessiert nicht. So ist an diesem Abend die Idee für MeinProf.de entstanden.


Marcy:
Wie viele Leute stehen hinter MeinProf.de?


AlexanderPannhorst:
Fünf Leute.

S. Kirchner: Wie finanziert sich MeinProf.de?


Thomas Metschke:
MeinProf.de finanziert sich bisher noch nicht. Wir sind als gemeinnütziger
Verein aufgestellt und können unsere Grundkosten durch Werbung decken.

Moderator: Damit dürfte auch diese Frage fast beantwortet sein:

Mag: Macht Ihr MeinProf.de hauptberuflich?


Thomas Metschke und Alexander Pannhorst:
Hoffentlich bald alle!

Alexander Pannhorst: Zum Teil noch nicht. Aber, wie gesagt, hoffentlich bald alle fünf
Gründer.

Lassse: Wie viele angemeldete Studis gibt es? Loggen die sich regelmäßig ein?


Thomas Metschke:
Es gibt 90.000 angemeldete Studierende, die loggen sich auch regelmäßig
ein.

Löscher: Wie sind Sie zu den Bewertungskriterien gekommen? Haben Sie sich die selbst ausgedacht?

Thomas Metschke: Die haben wir uns selbst ausgedacht und haben sie dann in einer Gruppe von 50-80 Studierenden, die wir kennen, getestet.


Frido:
Haben die Profs Sie eigentlich für die Gründung von MeinProf.de "verteufelt"?


Alexander Pannhorst:
Die wissen das eigentlich gar nicht. Einer meiner Professoren weiß es. Er hat mich nicht dafür verteufelt.


Mag:
Wie schafft ihr es, alle Beiträge zu sichten?


Alexander Pannhorst:
Das tun wir nicht. Wir reagieren auf Feedback und schauen nach Unregelmäßigkeiten.

In welchen Fachbereichen und Bundesländern gibt es die meisten
Einträge?

Wolfram: Haben Professoren von
besonders technikaffinen Studiengängen (z.B. Informatik, Elektrotechnik…) mehr Einträge als zum Beispiel Sportdozenten?


Thomas Metschke:
Mehr als bei Sportdozenten ja, aber es gibt auch sehr viel mehr Studenten aus technischen Fächern. Am Anfang hat es eine starke Nutzerschaft aus den Informatik- und Ingenieurwissenschaften gegeben. Inzwischen verteilt sie sich aber sehr gleichmäßig.

TipTop: Apropos Dienstleistungen: Habt Ihr schon einmal untersucht, ob es im
Durchschnitt mehr Bewertungen aus Bundesländern mit Studiengebühren gibt, da die Studenten hier eventuell noch mehr Wert auf gute Lehre legen, die sie ja teuer bezahlen müssen?


Alexander Pannhorst:
Das haben wir nicht. Aber ich glaube, dass es diesen Zusammenhang nicht gibt. Das hat andere Gründe, wenn in einem Bundesland wesentlich mehr Bewertungen vorliegen, als z.B. Studiengebühren.

Werner: Woran liegt es Eurer Meinung nach, dass einige Unis bzw. Bundesländer besonders gut abschneiden und andere nicht?


Thomas Metschke:
Die Unis, die gut abschneiden, machen viel für die Lehre. Sie sind sich der Tatsache bewusst, dass die Hochschule nicht nur aus Forschungsaktivitäten
besteht.

Fragen zum MeinProf.de-Ranking

Wundi: Haben Sie schon mal überlegt, sich bei den großen Hochschulrankings
wie dem Zeit-CHE-Ranking mit einzuklinken?

Thomas Metschke: Wir haben im Sommer zum 2. Mal ein Ranking veröffentlicht. Ein
Rankinganbieter war nicht besonders glücklich, dass wir auch ein Ranking veröffentlichen. Wir glauben, dass unser Ranking eine gute Ergänzung zu den bestehenden Rankings ist, da diese eine ganz andere Perspektive als unseres haben.

Alexander Pannhorst: Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die anderen Rankinganbieter nicht
unbedingt das Interesse haben, dass wir uns dort "einklinken".

S.Kirchner: Betrachtet ihr Euer Ranking als eine Art "linke"
Alternative?


Thomas Metschke:
Wir haben keine Parteizugehörigkeit. Wir sehen es aber schon als Alternative. Wir glauben, dass unser Ranking eine andere Perspektive auf die Situation
der Hochschule bietet – unabhängig von Nobelpreisen und Drittmitteln.

Was bringen Mein Prof.de-Daten für die Hochschulevaluation?

Hella: Werden die Bewertungen auf MeinProf.de bei einer Hochschule für die Evaluation von
Lehrtätigkeit genutzt?


Alexander Pannhorst:
Von den Dozenten ja, von den Fakultäten zum Teil auch. Zum Beispiel in der Form, dass ein Dekan die Ergebnisse überprüft oder bei einer Entscheidung berücksichtigt. Auf Hochschulebene haben wir keine Information, ob die Ergebnisse von MeinProf.de dort schon Einfluss haben. Allerdings haben wir vor kurzem mit einigen Hochschulen Kontakt aufgebaut und planen, dass also MeinProf.de für die hochschulweite Evaluation mitberücksichtigt wird.

Xaver: Die Bewertungen von MeinProf.de sind ja nicht repräsentativ. Wäre
es denn nicht prekär, würden auf Grundlage der Bewertungen, Entscheidungen getroffen werden?

Thomas Metschke: So wie der Bogen jetzt ist, kann er keine Grundlagen für Personalentscheidungen sein und soll es auch nicht. Es ist ein guter Indikator – vor allem für Studierende – aber auch für Personalverantwortliche. Normal ist, dass bei einem schlechten
Evaluationsergebnis natürlich ein Gespräch stattfindet. Personalentscheidungen passieren ja nicht ad hoc.

Moderator: Eine Meinung von:


Helga:
Eigentlich eine gute Sache, man darf es nur nicht zu ernst nehmen. Die Seriosität der
abgegebenen Stimmen muss zuverlässig sein.


Alexander Pannhorst:
Man kann es ignorieren, wenn man das möchte. Aber wenn ein Kurs zum Beispiel 30 oder 40 eher unterdurchschnittliche Bewertungen hat, dann sollte sich der Dozent schon überlegen, ob er nicht an seiner Lehre vielleicht etwas ändern will. Und die
Seriosität geht in Richtung der Studenten. Da ist die klare Aufforderung von uns, aussagekräftige, ehrliche Meinungen und Beobachtungen zu veröffentlichen. Die sowohl den Kommilitonen als auch den Dozenten weiterhelfen.


Ulla:
Dass Dekane MeinProf.de bei Entscheidungen berücksichtigen, finde ich sehr
gewagt. Umso mehr, wenn sie einräumen, dass sie keine Infos haben, inwieweit MeinProf.de auf Hochschulebene Berücksichtigung findet!


Thomas Metschke:
Ganz konkret ist das in einem Beispiel begründet. Uns hat ein Dekan angerufen. Er wusste gar nicht, dass sein Kollege so schlecht bei seinen Studierenden ankommt.
Wir haben ihm geraten, erst das Gespräch mit dem betreffenden Kollegen zu suchen und auch die hochschuleigene Evaluation zu Rate zu ziehen sowie die Studierendenvertreter anzusprechen.

Dan: Warum haben die Profs so viel Angst vor den Bewertungen? Schließlich
landen die Evaluierungsbögen sowieso nur im Aktengulli!


Rubin:
@Dan: eine schlechte Bewertung trifft einen eben auch sehr
persönlich!


Thomas Metschke:
Ich glaube, in den letzten drei Jahren hat sich relativ viel geändert. Dozenten sehen zunehmend die Evaluation nicht als persönlichen Angriff, sondern als
Chance der Weiterentwicklung.


Alexander Pannhorst:
Hochschulen ist die Lehrevaluation immer wichtiger geworden.
Ich glaube, dass die internen Systeme und Prozesse inzwischen so weit sind, dass diese Ergebnisse nicht mehr irgendwo verschwinden. Ob sich dann daran tatsächlich was ändert, das ist ein ganz anderer Punkt und liegt dann hauptsächlich an dem Dozenten selbst.


Sepp67:
Wenn Sie in der Rolle der entsprechenden Entscheidungsträger wären:
Wie würde aus Ihrer Sicht ein tatsächlich effektiver Lehrevaluierungsprozess für Hochschulen aussehen?


Thomas
Metschke:
Viel regelmäßiger, als er bis jetzt bei den meisten Hochschulen ist. Vor allem muss es weg vom reinen Messen, hin zu einer Verbesserung kommen.


Alexander Pannhorst:
Ziel der Lehrevaluation ist ja nicht das Messen und Dokumentieren,
sondern die tatsächliche Verbesserung der Lehre. Das wird in den heutigen Systemen und Prozessen zu wenig berücksichtigt.

Lena: Wie denkt Ihr, wie man damit umgehen könnte, dass Studierende jetzt
schon bei "normalen" Evaluationen sagen, "wenn Sie mir eine schlechte Note geben, kriegen Sie eine schlechte Wertung"?


Alexander Pannhorst:
Wir hatten gerade vor kurzem den Fall. Das ist bitter zu erfahren. Im Prinzip muss die Anonymität der Evaluation dafür sorgen, dass solche Fälle nicht auftreten. Gerade bei einem solchen Machtunverhältnis, wie das zwischen Studenten und Dozenten ist, spielt Anonymität eine große Rolle.

Rubin: Meine Vermutung: Die Profs, bei denen man nicht so leicht gute Noten bekommt, werden schlechter bewertet. Haben Sie einen solchen Zusammenhang mal ausgewertet?


Thomas Metschke:
Aufgrund der Frage, haben wir uns heute Vormittag die
Mühe gemacht, das zu tun.

Alexander Pannhorst: Es gibt eine Tendenz, aber keine klare Korrelation zwischen der Härte eines Dozenten und seiner Durchschnittsnote.

joker: Evaluation ist eigentlich ein schwieriges Geschäft. Welche methodischen Kenntnisse sind in die Konstruktion des Systems eingeflossen?


Thomas Metschke:
Das System hatte zu Beginn nicht den Anspruch, hochschuleigene Evaluationen zu ersetzen. Da wir inzwischen daran arbeiten, unser Portal mit Hilfe von Hochschulen zu erweitern, werden auch Psychologen in die Erarbeitung mit einbezogen.

Verändert Mein Prof.de die Situation an den Hochschulen? Wie wirkt sich mein Prof.de auf die Entscheidungen von Studierenden aus?


Gabi:
Meinen Sie wirklich, dass sich die Situation an den Hochschulen durch MeinProf.de
verbessert hat? Haben sie dazu schon mal was evaluiert?

Thomas Metschke: Wir haben von Dozenten Feedback bekommen, dass sich endlich etwas tut.


Alexander Pannhorst:
Und auch von Studierenden haben wir durchaus Nachrichten bekommen. Es spiegelt sich auch in den Kommentaren wider, dass sich die Lehrqualität in bestimmten Kursen gegenüber dem Vorsemester verbessert hat.

S.Kirchner: Bekommt ihr auch Lob von Dozenten? Bekommt ihr mit, ob die auf die Kommentare reagieren?

Alexander Pannhorst: Ganz klares Ja!

Lassse: Ich weiß von Kollegen, dass sie sich die Bewertungen anschauen und auch – teils – zu Herzen nehmen.

Student_Köln: Haben Sie schon einmal Feedback bekommen, ob sich Studenten auf Grundlage der Bewertungen bei MeinProf.de für einen Kurs oder eine Uni entschieden haben?

Thomas Metschke: Kurse auf jeden Fall. Bei Hochschulen noch nicht, da die Wahl einer Hochschule auch am Studiengang hängt, nicht an einem einzelnen Professor.

Ist MeinProf.de auch eine Plattform für Dozenten?

Heiko: Was bietet Ihr Dozenten und warum?

Thomas Metschke: Wir bieten nicht nur Studierenden sondern auch Dozenten die Möglichkeit, sich einen Account bei uns zu holen. Mit diesem Account können Dozenten sich selbst und ihre Kurse verwalten und Kurse "schützen" (per Passwort). Was in der Zukunft noch kommen wird: Einige Dozenten haben nachgefragt, ob das Portal inhaltlich von Dozenten ausgebaut werden
kann, also zum Beispiel, dass es Visitenkarten gibt, mit denen sich Dozenten dann auch bewerben können.

Hanno: Haben die Profs auf MeinProf.de auch die Möglichkeit, auf ihre Bewertung zu
reagieren? Können sie auch Stellung beziehen?


Alexander Pannhorst:
Ja, das können sie. Und das soll demnächst noch sehr
viel stärker möglich sein.

elisabeth: Als Dozentin würde mir auch ein Studentenbewertungsportal gefallen.
Bewertungskategorien: Fleiß, Interesse, Mitarbeit und Auffassungsgabe könnten bewertet werden Ich wette, so ein Vorhaben sehen Sie sehr kritisch, oder?

Thomas Metschke: Die Studenten bewerten die Dienstleistung des Dozenten.
Ein Dozent nimmt keine Dienstleistung eines Studenten wahr.

Ulla: Bildung ist keine Dienstleistung, das ist ein großes
Missverständnis!

Thomas Metschke: Dann haben wir davon unterschiedliche Verständnisse.

Hubert: Haben die Profs auf Ihrer Seite auch die Möglichkeit, mit den Studenten ins
Gespräch zu kommen – so eine Art Forum?

Thomas Metschke: Ja, das haben sie. Es gibt zu jeden Kurs ein einzelnes Forum. Die
Funktionalität soll sogar noch erweitert werden, um einzelne
Bewerter anonym kontaktieren zu können.

Inwiefern gibt es Probleme wegen Manipulation und Rachefeldzügen auf Mein Prof.de

Manny: Wie groß sehen Sie die Gefahr, dass MeinProf.de von Studenten mit (gerechtfertigten) schlechten Noten in Prüfungsleistungen für persönliche Rachefeldzüge missbraucht wird?

Alexander Pannhorst: Das passiert, genauso wie das auch in internen Hochschulevaluationen passiert. Wir wollen das natürlich nicht und versuchen unser möglichstes, gegen solche Manipulationen vorzugehen. Wir haben auch gewisse Schutzsysteme dafür eingeführt.

Ulla: Wie sehen denn die „gewissen Schutzsysteme" gegen persönliche Rachfeldzüge konkret aus?

Thomas Metschke: Wir können nicht über alle Systeme offen reden, weil jedes System sich umgehen lässt, wenn man es kennt. Wir haben allerdings die einfache Möglichkeit, bei begründetem Verdacht oder Interesse sich bei uns zu registrieren und Passwörter oder TAN-Listen für die Bewertung geben zu lassen. Ansonsten arbeiten wir stark mit dem Feedback aller Beteiligten,
um versuchten Betrug aufzudecken.

Rolf: Habt ihr eigentlich auch schon einmal Probleme mit Hackern gehabt, die Daten
gezielt manipulieren wollten?

Alexander Pannhorst: Nein.

Thomas Metschke: Wir haben Dozenten und Studenten erwischt, die schummeln wollten, aber keine systematisierten Angriffe.

Ric: Was tun Sie, wenn Sie mitbekommen, dass die Profs ihre eigene Bewertung erschummeln? Wie kriegen Sie überhaupt so etwas mit?

Thomas Metschke: Wir schmeißen alle Bewertungen, die erschummelt sind, raus und sperren den Account.

Jule: Im Chatthema ging es ja auch um Denunzierung. Welchen Anteil macht gezielte Denunzierung wohl aus?

Thomas Metschke: Verschwindend gering.

Alexander Pannhorst: Wie gesagt, wir versuchen alles, um solche Bewertungen so schnell wie möglich aus dem Portal zu löschen. Dafür ist kein Platz.

Beschwerden und Rechtsklagen

Lars: Gab es schon einmal Beschwerden von Profs, die nicht mit ihrer
Bewertung einverstanden waren?

Alexander Pannhorst: Ja.

Moderator: Wie oft kommt so etwas vor?

Alexander Pannhorst: Zu Beginn von MeinProf.de natürlich sehr oft. Das hat aber seit einem
guten Jahr enorm abgenommen. Inzwischen erhalten wir mehr positives Feedback von Dozenten als Beschwerden oder Klagedrohungen.

Peter_45: Wogegen haben denn die Profs geklagt? Hat die Klage irgendwelche
Auswirkungen für Sie bzw. MeinProf.de gehabt?

Thomas Metschke: Der Professor hat auf Unterlassung geklagt (Löschung seines kompletten Eintrags, auch für die Zukunft). Und er hat vor dem Landgericht verloren.

Alexander Pannhorst: Insofern gab es für uns keine Konsequenzen.

Kalle: Wie sichern Sie sich juristisch ab?

Thomas Metschke: Wir haben einen Anwalt, der selbst Dozent ist, welcher uns "pro
bono" unterstützt.

Jan: Mussten Sie schon mal Bewertungen löschen, weil sich jemand beschwert hat?

Thomas Metschke: Wir haben zu Beginn die RWTH Aachen aus dem System entfernt, weil sie uns massiv gedroht hat. Inzwischen ist sie allerdings wieder im System vertreten und auch recht
zufrieden.

Moira: Wo ziehen Sie persönlich die Grenze bei überspitzten Meinungsäußerungen?

Alexander Pannhorst: Ganz schwer zu sagen, das ist Einzelfallabwägung. Im Extremfall rufe ich auch bei unserem Anwalt an und hole mir seine Meinung ein.

Thomas Metschke: Auf dem Portal ist kein Platz für Beleidigungen, Schmähkritik und ähnliches.


Fragen zu möglichen Kooperationen national und international

Ulla: Kooperieren Sie denn mit studentischen Gruppierungen, wie ASTA und ähnlichem?

Thomas Metschke: Das würden wir gerne. Wir haben leider festgestellt, dass die meisten Asten mehr mit sich intern zu tun haben.

TipTop: Gibt es dieses oder ein ähnliches Format auch in anderen Ländern? Wisst Ihr, wie die Resonanz von Seiten der Dozenten dort aussieht?

Danny: Habt Ihr vor, das Ganze auch international aufzuziehen?

Thomas Metschke: RateMyProfessors.com gibt es in der Form nicht mehr, sondern ist von
MTV zu einem Spaßportal gemacht worden. MeinProf.de gibt es noch in Österreich und der Schweiz. Und wenn wir einen Investor finden, bald in anderen Ländern.

Nörmie: Wäre eine Kooperation mit StudiVZ nicht toll?

Thomas Metschke: MeinProf.de kann sicher mit vielen Portalen und Verlagen kooperieren.

Alexander Pannhorst: StudiVZ hat eine ganz andere Ausrichtung unserer Meinung nach. StudiVZ ist das "private" Studentenleben, und MeinProf.de ist das "berufliche".

Resümeé und Blick in die Zukunft von Mein Prof.de

Jule: Was ist euer "schlimmstes" Erlebnis bei MeinProf.de? Was das
schönste?

Thomas Metschke: Ich wurde einmal 15 Minuten ohne Pause am Telefon angeschrien ohne etwas sagen zu können. Das schönste Erlebnis: Es gibt sehr viele schöne Mails von Studenten
und Dozenten, die sagen, es ist gut, was ihr macht, macht weiter!

Alexander Pannhorst: Ich speziell freue mich jedes Mal besonders, wenn ein Dozent schreibt, dass er seinen Kurs inhaltlich geändert hat aufgrund der Aussagen der Studenten auf
MeinProf.de.

Carlo: Hat sich MeinProf.de nicht längst totgelaufen? Bei zuletzt 60.000 Bewertungen pro Jahr bekommt der durchschnittliche Dozent nur noch alle zwei bis drei Semester mal
eine. Was soll die schon aussagen?

Thomas Metschke: Die Rechnung ist zu einfach, weil sich MeinProf.de nicht an allen
Hochschulen gleich durchgesetzt hat. Wir haben mehr Besucher denn je. Allerdings zugegebenermaßen nicht mehr so viele Bewertungen. Der Tatsache sind wir uns bewusst und arbeiten an einer Überarbeitung des Bewertungssystems, um wieder mehr Ansporn für die Abgabe von
Bewertungen zu schaffen.

hanswurst: Wäre es nicht sinnvoll, den Bewertern von MeinProf.de die Möglichkeit zu geben, genau darzustellen, warum sie bei einzelnen Kriterien so schlecht bewertet haben? Bringt da nicht konstruktive Kritik mehr?

Alexander Pannhorst: Genau das sollen sie in den Freitext-Kommentaren machen. Wenn die Studenten die Einzelnoten dort noch weiter erklären, dann nutzen sie das System genau so, wie wir uns das vorstellen.

S. Kirchner: Was sind die nächsten Entwicklungsschritte, die ihr plant?


Thomas Metschke:
Es wird erst einmal ein neues Layout eingeführt werden, welches ermöglicht, die Inhalte, die bis jetzt auf der Seite sind, und neue Inhalte übersichtlicher
darzustellen. Die Visitenkarte für Dozenten kommt, das Kontaktformular, die Überarbeitung des Bewertungssystems für Studenten. Für Studenten sowie Dozenten kommt ein erweitertes Benachrichtungssystem. Es wird viel werden. Kontinuierlich kommt etwas Neues.


Alexander Pannhorst:
Der nächste Entwicklungsschritt ist für uns ein sehr, sehr großer.

Jule: Wow, so viele Neuerungen. Wer entwickelt eigentlich?


Thomas Metschke:
Wir entwickeln.

Moderator: Nachfrage zur angekündigten Überarbeitung des Bewertungssystems:

peg: Wie soll das neue Bewertungssystem aussehen?


Thomas Metschke:
Es soll einfacher werden für die Studierenden. Es soll vor allem erweitert
werden für Hochschulen und Dozenten. Die Möglichkeit, eigene Fragen beziehungsweise sogar Fragebögen einzustellen, möchten wir umsetzen.

surfer: Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Thomas Metschke : Dass wir eine Hochschule finden, mit der wir zusammenarbeiten können.

Alexander Pannhorst: Und dass wir in der Lage sind, direkt an die Hochschulen zu gehen und die Studenten mehr auf MeinProf.de aufmerksam zu machen.

Rasmuss: Mal ehrlich, haben Sie nicht auch ein bisschen Spaß daran, Dozenten zu ärgern? Zumal es Einige verdient haben?

Alexander Pannhorst: Manchmal ja :-)

Nörmie: Kann man bei Euch auch an einem Beta-Test für das neue Bewertungssystem teilnehmen oder wird das direkt veröffentlicht?

Thomas Metschke: Ja gern. Bitte schickt uns direkt eine E-mail mit dem Stichwort "Beta".

Moderator: Das heißt, es kommt schon sehr bald?

Thomas Metschke: Wir versuchen bis zum 1. Januar 2009 zumindest einen Teil des Re-Designs online zu stellen. Bis 1.1. werden leider noch nicht alle der angekündigten Funktionalitäten verfügbar sein.


joker:
Habt Ihr vor, selber übergreifende Auswertungen vorzunehmen, Prof.
des Monats oder so?

Thomas Metschke: Der "Prof des Monats" kommt mit dem Relaunch.

Moderator: Wir sind auch schon kurz vor Schluss. Leider die letzte Frage für
heute:

Moppi: Wird man als Betreiber von MeinProf.de reich?

Thomas Metschke und Alexander Pannhorst: Nein… Doch, an Erfahrung!

Moderator: Das Schlusswort gebührt unseren Gästen:

Thomas Metschke: Wir bedanken uns bei allen Nutzern. Bei allen, die Feedback und Ideen für Funktionalitäten an uns tragen und natürlich für Eure Fragen. Wir
wünschen Euch ein schönes Wochenende!

Alexander Pannhorst: Wenn Euch noch etwas unter den Nägeln brennt oder auf
dem Herzen liegt, dann schreibt uns eine E-Mail oder ruft uns an.

Moderator: Das war unser e-teaching.org-Expertenchat für heute. Vielen Dank an unsere Gäste von MeinProf.de für die Diskussion und vielen Dank an unsere Chatterinnen und Chatter für die vielen interessanten Fragen. Das Transkript des Chats können Sie in Kürze auf e-teaching.org
nachlesen. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag.

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