” Die Auswertung der neuen Oberstufe zeigt, dass es keine schlechteren Noten im ersten Halbjahr im Landesschnit

Annette SchavanChat
des Kultusministeriums Baden-Württemberg und politik-digital.de mit
der baden-württembergischen Kultusministerin Annette Schavan, am 19. März, 2003.

 

Moderator: Herzlich
willkommen im Chatraum des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport
Baden-Württemberg und politik-digital.de! Gemeinsam mit dem Kultusministerium
laden wir Sie in den folgenden 60 Minuten zum Live-Chat ein! Unser Gast
ist Kultusministerin und Landtagsabgeordnete Dr. Annette Schavan. Thema
heute: "Die Neue gymnasiale Oberstufe". Sie können Ihre
Fragen an die Moderatoren stellen, die sie sammeln und dann an Frau Schavan
weiterleiten.

Moderator:
Nun aber erst einmal: Guten Abend nach Stuttgart! Sind Sie bereit, Frau
Schavan?

Annette Schavan:
Ja, ich bin bereit und wünsche einen guten Abend nach Berlin.

Moderator:
Danke.
Auf Grund der angespannten weltpolitischen Situation und einiger Fragen
dazu wollen wir kurz auf die Frage der Kriegsgefahr im Irak eingehen.
Danach kommen wir aber zum eigentlichen Thema des heutigen Chats: die
neue gymnasiale Oberstufe. Der Protest gegen einen Krieg im Irak hat auch
Stuttgart erreicht. Friedensorganisationen, Gewerkschaften, sogar Schüler
haben Aktionen angekündigt. Bekommen die Schüler unterrichtsfrei
oder müssen sie die versäumten Stunden nachholen?

Annette Schavan:
Ich bin der Meinung, dass Demonstrationen in der unterrichtsfreien Zeit
stattfinden können und gehe auch davon aus, dass sie zeitlich so
geplant werden.

kultistufe:
Schüler des Stuttgarter Heidehofgymnasiums wollen am Kriegstag um
9.30 Uhr 300 blaue und weiße Luftballons vom Schulhof aufsteigen
lassen. Wie finden Sie diese Aktion?

Annette Schavan:
Ich finde, dass das ein gutes Zeichen ist, das dieses Schüler und
Schülerinnen setzen, um ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

looser22:
Ich möchte gegen den Irakkrieg demonstrieren, wie viele
meiner Klassenkameraden auch. Wird die Schule am Donnerstag oder wann
auch immer ausfallen?

Annette Schavan:
Nein, die Schule wird nicht ausfallen. Demonstrationen sollten nach dem
Unterricht stattfinden. Ansonsten wird es viel Unterrichtsausfall geben.
Das finde ich nicht in Ordnung.

pepe:
Warum nur in der unterrichtsfreien Zeit. Der Krieg ist doch kein Freizeitthema?

Annette Schavan:
Ich gehe davon aus, dass im Unterricht das Thema behandelt wird
und umgekehrt gefragt: Warum soll für eine Demonstration Unterricht
ausfallen?

Kirstin:
Aber wie soll man dann gegen den Krieg demonstrieren, wenn die Schule
nicht ausfällt, und nur dann Demonstrationen sind? Irgendwie muss
man doch seinen Gefühlen Platz machen, und das geht am besten durch
friedliche Demonstrationen, finden Sie nicht?

Annette Schavan:
Seinen Gefühlen Platz zu machen, ist doch keine Frage der Tageszeit.

alisa5:
Ich habe gehört, dass es für Schüler, die an Kundgebungen
teilnehmen, Schulausschluss geben kann?!

Annette Schavan:
Zunächst finde ich, dass in der Schule Spielregeln vereinbart
werden sollten, an die sich alle halten. Über die Frage, wie reagiert
wird, wenn sich jemand an die Spielregeln nicht hält, entscheidet
die Schule vor Ort. Aber noch einmal: Eine Demonstration ist nicht weniger
wirksam, wenn sie in der unterrichtsfreien Zeit liegt. Zumal doch sonst
immer zu Recht so viel Wert darauf gelegt wird, dass der Unterricht immer
stattfindet.

Moderator:
Letzte Frage zu diesem Thema, dann zur „Neuen gymnasialen
Oberstufe“:

Gorgeus:
Ich finde Unterrichtsausfall in diesem Fall sehr vertretbar um zu zeigen,
dass die Schule dahinter steht.

Annette Schavan:
Demonstrationen und damit verbundene Gefühle sind immer eine Sache
von Menschen.

Moderator:
Eine Frage von einer Schülergruppe vermutlich:

Klasse 12:
Wieso habe ich praktisch 5 LKs?! Da bleibt nur noch sehr wenig Zeit für
andere Sachen! Und dazu noch Hausaufgaben.

Annette Schavan:
Die fünf vierstündigen Fächer sind keine Leistungskurse.
Deshalb sind ja auch die Lehrpläne schlanker geworden. Spezialisierung
wurde abgebaut und die fachliche Grundbildung soll gestärkt werden.
Diese Regelung gibt es, weil der Stundenanteil in den Naturwissenschaften
insgesamt gestärkt wurde, während der Ersatz der Gesellschaftswissenschaften
zum Wegfall führen würde.

lisa:
Warum muss man fünf vierstündige Kurse belegen, wenn doch nur
vier davon geprüft werden? Warum kann die zweite Naturwissenschaft
entfallen, wenn man einen naturwissenschaftlichen Seminarkurs belegt,
während durch einen Gesellschaftswissenschaftlichen nichts wegfällt?

Annette Schavan:
Das 5. Fach ist eingeführt worden, um den Schülern
die Möglichkeit zu geben, individuelle Schwerpunkte zu setzen und
ihre Abiturfächer partiell selbst auszuwählen.

Klasse 12:
Ich wollte nur mal loswerden, dass hier in meiner Stadt an Gymnasien
mit verschiedenen Büchern gearbeitet wird. Manchmal sind es LK-Mathebücher
und in einer anderen Schule nur GK, wie kann das sein?

Annette Schavan:
Beide Bücher sind vermutlich geeignet für den Stoff im Mathematik-Kurs.

Moderator:
Eine Nachfrage:

Volker KGW:
Warum aber müssen gerade die Naturwissenschaften gestärkt werden
und nicht der gesellschaftswissenschaftliche Teil?

Annette Schavan:
Der gesellschaftswissenschaftliche Fachbereich wird künftig bereits
in der Mittelstufe gestärkt durch den neuen Fachbereich, Geographie,
Wirtschaft, Gemeinschaftskunde. Außerdem ist immer wieder von Naturwissenschaftlern
darauf hingewiesen worden, dass zum Abitur die Grundlagen in zwei Naturwissenschaften
gehören. In der Abiturprüfung sind die Gesellschaftswissenschaften
insofern gestärkt worden, dass im Unterschied zu früher nun
zwei Gesellschaftswissenschaften gewählt werden können.

Benjamin Lenz:
Wieso müssen ALLE Mathe vierstündig haben, obwohl jeder weiß,
dass die Begabten frustriert werden und die weniger Guten nicht mitkommen?

Annette Schavan:
Mathematik ist die Sprache der Naturwissenschaften, die unverzichtbar
zu einer vertieften Allgemeinbildung gehört. Es gehört deshalb
zu den Kernfächern. Außerdem gehört Mathematik zu den
drei Fächern für die Hochschuleingangsprüfung, die dort
geprüft werden.

Beni:
Wenn ein Schüler zwei Fremdsprachen wählen möchte, hat
er mehr Wochenstunden als andere. Warum werden sprachbegabte Schüler
benachteiligt?

Annette Schavan:
Das Sprachenprofil in Gymnasien hat auch früher schon mehr Stunden
gehabt. Das ist eigentlich bislang eher als Benachteiligung für die
Naturwissenschaften gesehen worden. Im Übrigen können jetzt
drei Fremdsprachen gewählt werden, das konnte man früher nicht.

Moderator:
Neues Thema:

Hauser: Sehr
geehrte Frau Schavan! Ich habe die Diskussionen über die NRO in den
letzten Jahren verfolgt – war auch oft im Landtag. Finden Sie nicht, dass
Sie die Anregungen der Schüler – durch den Landesschülerbeirat
optimal gesammelt und ausgearbeitet zu wenig / überhaupt nicht beachtet
haben?

Annette Schavan:
Ich habe mit dem Landesschülerbeirat mehrfach über die neue
Oberstufe beraten. Wir sind uns in einigen Punkten einig geworden, in
anderen nicht. Im Übrigen ist interessant, dass die Schüler
in den 70er Jahren auch große Vorbehalte gegen die damalige neue
Oberstufe hatten.

Smooth:
Ich finde die neue Regelung gar nicht schlecht, jedoch muss ich bemängeln,
dass durch den Verlust von LK und GK das Bildungsniveau nicht besser wird,
sondern dass die Guten gut bleiben und die Schlechten schlecht bleiben.
Wie sehen Sie das?

Annette Schavan:
Das glaube ich nicht. Vielmehr werden für alle die fachlichen Grundlagen
gestärkt. Die Auswertung der neuen Oberstufe zeigt, dass es keine
schlechteren Noten im ersten Halbjahr im Landesschnitt gibt. Die Guten
können auch den Schwächeren helfen, besser zu werden.

LimpNora22:
Ich gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums. Wenn ich heute meinen Stundenplan
mit dem von den vorherigen 12ern vergleiche, fällt mir auf, dass
ich im Durchschnitt 5-7 Stunden mehr habe! Dazu habe ich mehrmals die
Woche bis 18 Uhr Unterricht. Wieso gibt es eine solch starke Veränderung?

Annette Schavan:
Wenn jemand 5-7 Stunden mehr hat, dann hat das damit zu tun, dass er besonders
viele Angebote gewählt hat. Das ist eine große Chance. Im Schnitt
führt die neue Oberstufe aber zu weniger Stunden als fünf bis
sieben.

Moderator:
Unterrichtszeit ist ein heißes Thema: 2 Fragen dazu:

12er: Das
kann ich leider nur bestätigen mit den vielen Wochenstunden! Ich
habe jeden Mittag Mittagsschule und insgesamt 35 Stunden.

solo:
Finden sie nicht , damit kommen zu viele Stunden zusammen? Schließlich
muss man noch lernen und bekommt HA’s (die meisten in unserer Klasse haben
dann 40 Schulstunden).

Annette Schavan:
Ein Jugendlicher im gleichen Alter, der in einer beruflichen Schule ist,
hat zeitlich eine sehr viel höhere Belastung. Die Auswertung der
neuen Oberstufe hat gezeigt, dass die meisten Schüler 32 Stunden
haben. Nur 12,6 % der Schüler haben 34 Stunden, 6,8% haben 35 Stunden,
3,8 % der Schüler haben 36, 37 oder mehr Stunden. Ich finde also,
dass die große Mehrheit der Schüler zeitlich eher weniger belastet
ist, als diejenigen in der beruflichen Schule.

henry: Sie
können den Anspruch einer beruflichen Schule nicht mit dem Gymnasium
vergleichen.

Annette Schavan:
Umgekehrt kann ein Gymnasiast in der 12. Klasse aber auch nicht erwarten,
deutlich weniger belastet zu sein. Das Abitur ist ein hoher Anspruch.

heizer:
In der beruflichen Schule haben die Schüler aber mehr Praxisstunden
und nicht, wie auf dem Gymnasium, nur trockene Theorie!

Annette Schavan:
Das wäre schade, wenn im Gymnasium nur trockene Theorie vermittelt
würde. Der Seminarkurs ist ein gutes Beispiel für neue Arbeitsformen
und praxisbezogenes Lernen.

Moderator:
Noch eine Fragen zu Unterrichtszeit und Freizeit:

Valley:
Ich persönliche habe 36 Wochenstunden, o.k., vier gehen für
Sonderkurse drauf, jedoch füllen diese nur Hohlstunden. Jedoch gibt
es jeden Tag Hausaufgaben und fast wöchentlich Klausuren. Freizeit
bleibt da keine. Braucht ein junger Mensch überhaupt Freizeit?

Annette Schavan:
Selbstverständlich braucht ein junger Mensch Freizeit. Dafür
sorgen zum Beispiel die regelmäßigen Ferien.

Tobias2:
Außerdem wird Bildung nicht nur in der Schule vermittelt. Von uns
Schülern wird heute immer mehr ‘social skills’ verlangt, dazu
sollte auch außerschulisches Engagement beitragen können, für
das häufig keine Zeit bleibt.

Annette Schavan:
Es kann durchaus Zeiten in der Schule geben, in denen die Schule die erste
Priorität ist. Aber es ist doch wirklich so, dass mindestens 14 Wochen
Ferien viele Möglichkeiten für außerschulisches Engagement
und übrigens auch für Jobs geben.

Moderator:
Noch andere Sorgen beschäftigen unsere sehr zahlreichen Chatterinnen
und Chatter:

arbeitslos:
Wieso sind in meiner Schule noch keine Bücher für den neuen
Lehrplan verfügbar? Wir bekommen 1000 Blätter oder müssen
die Bücher aus eigener Tasche bezahlen.

Annette Schavan:
Auch die bisherigen Schulbücher sind durchaus geeignet für den
neuen Lehrplan.

Moderator:
Thema Noten:

Lechpre:
Die Statistik hinkt. Wenn behauptet wird, dass die Noten nicht schlechter
geworden sind, steht nicht dabei, dass die Schüler mit einem wesentlich
größeren Arbeitspensum die Noten zwar halten, aber trotz mehr
Arbeit keine besseren Noten erzielen. Das ist frustrierend. Deshalb finde
ich es unfair, solche Vergleiche heranzuziehen.

Annette Schavan:
Der Vorwurf war doch aber, die Noten würden gravierend schlechter.
Ich gebe zu, dass z.B. durch mehr Naturwissenschaften ein höheres
Arbeitspensum entsteht. Dafür ist es aber eine gute Vorbereitung
auf das Studium.

Sebastian2701:
Sie behaupten, eine Verschlechterung des Landesschnitts wäre nicht
schlimm, da nur Landesschnitte bei der ZVS verglichen werden. Viele Unis
haben aber bei der Studienzulassung lokale NCs und da werde ich als BWler
mit einem z.B. niedersächsischen Gesamtschüler verglichen.

Annette Schavan:
Die Kultusministerkonferenz hat gerade beschlossen, dass die Studienplätze
künftig im wesentlichen durch Hochschuleingangsprüfungen vergeben
werden. Da haben die Baden-Württemberger einen klaren Vorteil. Denn
dadurch wird der lokale NC ersetzt und andere Kriterien, auf die unsere
Schüler besonders vorbereitet sind, kommen zum Tragen, z.B. die Prüfung
der fachlichen Grundbildung in den Kernfächern.

Smooth:
Wieso werden eigentlich solche Reformen nicht in Bundesländern durchgeführt,
die in der Pisa-Studie schlecht abgeschnitten haben? Warum wird ein bildungsstärkeres
Land eher reformiert wie ein anderes? Wird hier die Kluft zwischen den
einzelnen Ländern unüberbrückbar groß?

Annette Schavan:
Mir wäre auch lieber gewesen, alle Länder hätten
eine solche Reform durchgeführt. Manche Länder tun das jetzt
auch. Aber es gilt auch, dass wir im internationalen Vergleich besser
werden müssen. Das ist z.B. wichtig, wenn man sich um ein Studium
im Ausland bewirbt. Nicht jedes Abitur in Deutschland wird im Ausland
anerkannt.

murkser: Warum
wurde die Notenskala in Mathe und Physik verschärft?

Annette Schavan:
Das ist keine spezifische baden-württembergische Regelung,
sondern hängt zusammen mit einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz
(KMK) für alle Länder.

annabell:
Zur neuen Oberstufe: Warum ist es nicht möglich, den Seminarkurs
im Abschnitt mit anzurechnen? Es steckt immerhin sehr viel Zeit und Arbeit
drin.

Annette Schavan:
Das Gesamtergebnis aus allen Kursen, auch aus dem Seminarkurs,
geht in die Abiturbewertung ein, wenn die Schüler es wollen. Sogar
mit vierfacher Berechnung.

LimpNora22:
Wozu ist diese Reform denn nötig? Sollten Sie nicht lieber mal unsere
Haupt- und Realschulen reformieren, die durch solche Studien eher heruntergezogen
werden?

Annette Schavan:
Die Haupt- und Realschulen haben die internationalen Studien nicht heruntergezogen.
Es hat sich sogar gezeigt, dass 30% der Realschüler auf Gymnasialniveau
sind. Im Übrigen gibt es aber auch Reformen an den Haupt- und Realschulen.

marc: Es
heißt immer, dass nach euren landesweiten Erhebungen die Notenschnitte
sich nicht verschlechtert haben, das mag schon sein, allerdings haben
sie sich bei uns an der Schule sehr wohl verschlechtert (Schnitt der ersten
beiden Matheklausuren: 4,8 Punkte).

Annette Schavan:
Die Reform war nötig, um zu einer besseren fachlichen Grundbildung
für alle zu kommen, zu einer Stärkung der Naturwissenschaften
und zur Einführung neuer Arbeitsformen und zur Wegnahme überflüssiger
Spezialisierungen. In die Statistik sind alle Gymnasien und 20.000 Schüle
rund Schülerinnen mit einbezogen worden. Natürlich schließt
das nicht aus, dass im ein oder anderen Fall auch schlechtere Ergebnisse
erreicht wurden. Das war in der bisherigen Oberstufe genauso. Im Übrigen
gibt es auch Fächer, in denen im Durchschnitt bessere Ergebnisse
erzielt werden.

Sarah:
Sollte Sport nicht ein Wahlfach werden? Oder zumindest nicht benotet werden?
Gerade unsportliche Schüler fühlen sich durch die harte Notengebung
zusätzlich gegängelt.

Annette Schavan:
Die Sportverbände legen großen Wert darauf, dass alle Schüler
Sportunterricht haben, weil sich Kinder und Jugendliche in Deutschland
immer weniger bewegen und das gesundheitliche Konsequenzen hat. Im Übrigen
muss die Note in Sport nicht angerechnet werden.

Moderator:
Weiteres Thema:

DarkBlue:
Warum werden nicht wie in Finnland mehr Lehrer eingestellt, um die Klassen
klein zu halten? Dadurch wäre der Unterricht doch viel intensiver.
Vielleicht wäre dann eine solche extreme Reform nicht nötig
gewesen.

Annette Schavan:
In Finnland sind die Klassengrößen ab Klasse 9 eher höher
als in der gymnasialen Oberstufe. Die Statistik zeigt: 34% der Kurse umfassen
17-20 Schüler, 24% 21-24, 21% 13-16, 13% 9-12, 7% der Kurse umfassen
8 und weniger und nur 1% der Kurse mehr als 25 Schüler. Ich finde
nicht, dass das große Kurse sind. Im Übrigen ist Baden-Württemberg
das Land mit den meisten Lehrereinstellungen in Deutschland und den höchsten
Bildungsausgaben im Landeshaushalt. Über 41 % werden nur für
Bildung, Wissenschaft und Forschung ausgegeben.

Benni:
In Mathematik ist inzwischen auch der Einsatz eines neuen Graphiktaschenrechners
erlaubt. Meinen Sie nicht, dass die Schüler davon zu technikabhängig
werden? An meiner Universität ist bei Klausuren teilweise gar kein
Taschenrechner gestattet!

Annette Schavan:
Der Grafiktaschenrechner bietet neue Chancen, sich auf interessante mathematische
Fragen zu konzentrieren, deshalb sagen uns die Fachleute, dass das für
einen modernen Mathematik-Unterricht eine wichtige Hilfestellung ist.

Sarah:
Warum sind Sie so begeistert von der neuen Oberstufe, wo doch Schüler,
Lehrer, Eltern, Schulleitung und GEW das Gegenteil behaupten?

Annette Schavan:
Das stimmt ja gar nicht. Die GEW ist dagegen. Sie ist fast gegen jede
Reform. Aber im Übrigen gibt es viele, die diese Reform gewollt haben
und sie auch richtig finden.

abischreck:
Warum hält Baden-Württemberg mit Bayern als einziges Bundesland
am Zentralabitur fest? Was sind die Vorteile was die Nachteile?

Annette Schavan:
Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass es in der Schule die Gefahr zu sehr
unterschiedlichen Leistungsbewertungen bei gleichen Leistungen gibt. Das
ist ungerecht. Dagegen helfen zentrale Klassenarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen.
Das Zentralabitur gibt es übrigens auch im Saarland, Thüringen
und Sachsen. Andere Länder haben erkannt, dass das Zentralabitur
besser ist und stellen jetzt um, z.B. Niedersachsen, Bremen, Hamburg und
Berlin.

Moderator:
Zwei Fragen zur Beteiligung der Schüler an der Reform:

HollerBe:
Die Schüler haben diese Reform nicht gewollt. Wieso fragt die keiner?

Lender:
An unserer Schule wurden die Schüler nur schlecht bis gar nicht informiert
über das neue System. Die Eltern hingegen mussten sich an mehreren
Elternabenden alles anhören und verstanden nur wenig. Wäre es
nicht sinnvoller die Schüler besser zu informieren? Zum Beispiel
mit einem etwas ausführlicheren Leitfaden, der auch verständlich
geschrieben ist?

Annette Schavan:
Der Landesschülerbeirat als die Vertretung der Schüler
war beteiligt. Er hat einigen Punkten zugestimmt, anderen nicht. Es ist
aber sicher gewagt, zu sagen, dass alle Schüler die Reform nicht
gewollt haben. Es ist schade, wenn an Ihrer Schule schlecht informiert
wurde, denn die Reform ist über mehrere Jahre mit den Schulen gemeinsam
vorbereitet worden.

per-aspera-ad-Abi:
Wenn so viele für die Reform sind, wieso hat dann Reform so einen
großen Zulauf und Schüler, Eltern und Lehrer schließen
sich zusammen, um etwas dagegen zu unternehmen?

Annette Schavan:
Als in den 70er Jahren das Kurssystem eingeführt wurde, haben auch
sehr viele dagegen protestiert. Am Anfang sind manche verunsichert, das
kann ich gut verstehen, aber ich bin ganz sicher, dass die Vorzüge
der neuen Oberstufe sich bald herumsprechen.

Moderator:
Wir kommen leider zur letzten Frage, trotz der vielen Fragen
(vielen Dank):

Swen Hekers:
Was halten Sie vom finnischen Helfersystem, in dem schwächere Schüler
von zusätzlichen Lehrkräften parallel zum Unterrichtsgeschehen
begleitet werden? Wäre das nicht auch in BW denkbar?

Annette Schavan:
In Finnland sind die Personalkosten für Lehrer sehr viel geringer
als in Deutschland. Deshalb kann mit einem Anteil der Bildungsausgaben
von 13% des Landes dennoch ein Helfersystem eingerichtet werden, das aber
im Wesentlichen von den Kommunen bezahlt wird. Unsere Personalkosten lassen
das leider nicht zu.

Moderator:
Liebe Chat-Freunde, unsere Gesprächsrunde ist leider vorbei.
Herzlichen Dank Frau Schavan, dass Sie am Chat teilgenommen haben und
vielen Dank an alle UserInnen für Ihr großes Interesse. Wir
konnten leider nicht alle Fragen weiterleiten. – es waren sehr viele –
danke. Ich hoffe, Ihnen allen hat der Chat Spaß gemacht. Das Transkript
des Chats finden Sie auf den Webseiten der Veranstalter www.kultusministerium.baden-wuerttemberg.de
und politik-digital.de. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf
den Internetseiten des Kultusministeriums http://www.kultusministerium.baden-wuerttemberg.de/.
Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal.

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