Chat mit Johannes Rau

Live aus dem Hilton, mit
Realvideo-Übertragung durch TV1. Das Video finden Sie "on
demand" unter www.tv1.de. (11. Mai 1999)

zuckernase:
Ich war schon mal im Berlin Hilton, machen einen sehr guten Whisky Sauer da!!
zuckernase:
Auch der Tafelspitz war klasse (so nebenbei bemerkt)
JohannesRau:
hallo
Moderator:
Sehr geehrter Herr Rau, willkommen zurück bei politik-digital LIVE!
JohannesRau:
Ich bin gespannt auf die nächste Stunde.
Moderator:
Ich sehe in der Kamera. Fein, ich höre sie auch!
JohannesRau:
Wer möchte denn Fragen stellen oder Beiträge liefern ?
Emma:
schreiben sie mit 10 Fingern, Herr rau, oder arbeiten sie mit dem 10 Finger-such-system
JohannesRau:
letzteres
Emma:
und was ich schon immer wissen wollte: wo ist es schöner, in Berlin oder in Wuppertal ??
JohannesRau:
Ich habe mein bisheriges Leben in Wuppertal verbracht, aber ich freue mich auf Berlin. Nur die Töchter zögern noch ….
WalterMcTrapp:
Herr Rau, mich würde interessieren, inwieweit sie die Zusammenhänge von
expansiver Geldpolitik in Verbindung mit einer erhöhten Staatsnachfrage
als wichtig erachten für die Verringerung der Arbeitslosenquote?
JohannesRau:
So lange der Staat über ständige Steuersenkungen sich selber unfäöhig
macht zu einer aktiven Arbeitsmarktpolitik, stellt sich leider (!)
diese Frage nicht.
Dr_Finke:
guten Tag Herr Rau
Bundesadler:
Grüß Gott. Ist es Ihre erste Online-Präsenz?
JohannesRau:
Nein, die zweite, aber ich bin immer noch aufgeregt…
kuehly:
Herr Rau, wie stehen Sie zu dem Einsatz der NATO im Kosovo?
JohannesRau:
Ich she dazu leider keine Alternative, aber ich sage das mit
zerrissenem Herzen. Ich hatte nie gedacht, daß deutsche Soldatern noch
einmal in einen Kriegseinsatz kommen könnten.
Dr_Finke:
Welche Aufgaben stellen sie sich als Kanditat für das Amt des Bundespräsidenten ?
Lucking:
Warum wollen sie Bundespräsident werden, was erhoffen sie sich davon?
JohannesRau:
Der Bundespräsident vertritt die Deutschen nach innen und außen. Das
ist also zur Hälfte eine außenpolitische Aufgabe, nach innen ist der
Bundespräsident so etwas wie das Gewissen der Nation. Er darf aber
nicht zum billigen Jakob werden.
freddi:
Wär´s nicht langsam Zeit, daß eine Frau Bundespräsident wird ?
JohannesRau:
Das glaube ich mit der letzten Antwort schon gesagt zu haben.
JohannesRau:
Eine Frau als Bundespräsidentin ist durchaus denkbar, aber man kann die
Frage nicht abstrahieren. Geschlechzt, Alter und Herkunft sind Akzente,
machen aber die Auswahl nicht aus.
Pfefferkorn:
wie beurteilen sie die arbeit des aktuellen bundespräsidenten? wird das nicht ein schweres arbe?
JohannesRau:
Ich finde, daß Herzog sein Amt hervorragend geführt hat. Das sage ich
auch als jemand, der gegen ihn kandidiert hat und unterlegen ist.
chimou:
sehr geehrter herr rau, wie stellen sie sich die zukunft von der bundeswehr vor
Pfefferkorn:
kleines kommentar von aussen: das klappt alles prima
JohannesRau:
Im Augenblick arbeitet eine Kommission unter Weizsäcker an einem
Zukunftskonzept für die Bundeswehr und die europäische
Sicherheitspolitik. Sie wird anderthalb Jahre brauchen und steht vor
einer riesigen Aufgabe.
Bornemann:
Wie wird sich China Ihrerer Meinung nach jetzt im Krieg verhalten. Gerade der USA gegenüber…?
JohannesRau:
Ich erhoffe mir vom Besuch Schröders in Peking, der heute beginnt, eine
Entspannung nach dem schrecklichen Bombardemant auf die chinesische
Botschaft in Belgrad.
Bundesadler:
Mr Rau, i’m an American citizen of Chicago, IL. I#ve asked myself a
couple of times wether Germany is about to go nationalist again or will
remain a peaceful and reliable partner in the western community. What’s
your personal perspective on these prospects?
JohannesRau:
I`m surer, that Germany will have a peaceful future or no future. We have leant from our history in thi century…
Demokrat:
Sehr geehrter Herr Rau, wäre Helmut Kohl nicht auch eine gute Lösung für das Amt des Bundespräsidenten
JohannesRau:
Das würde voraussetzen, daß er kandidiert. Das hat er aber für sich schon vor Jahren defintiv ausgerschlossen.
Zwiesel:
Wenn Sie nicht zum Präsidenten gewählt werden, haben Sie dann noch politische Ziele?
JohannesRau:
Ich bliebe dann bis zum nächsten Jahr Abgeordneter in NRW, würde aber nicht mehr kandidieren.
amun:
Hallo Herr Rau! Wie finden Sie eigentlich Frau Schimpanski?
JohannesRau:
Sie ist eine respektable Kandidatin. Ich kenne sie seit einigen Jahren als bewährte Wissenschaftspolitikerin.
Dr_Finke:
Sehr geehrter Herr Rau. Warum ein neuer Bundespräsident, wenn Herr
Roman Herzog ihrer Meinung nach sein Amt hervorragend begleicht ?
JohannesRau:
Herzog möchte nicht noch einmal kandidieren, er hat das vor seiner ersten Wahl 1994 schon verbindlich erklärt.
roteSocke:
Wäre es nicht besser jemand jüngeren und dynamischeren zum Bundespräsident zu wählen?
JohannesRau:
Aber rote Socke, ihr seid doch auch nicht gerade jung…
Emma:
werden sie in Berlin mit ihren töchtern in die Disco gehen ????
JohannesRau:
Wenn sie mich noch mitnehmen, ja.
Emma:
herr Rau, welche Computerspiele haben Sie eigentlich am liebsten?
JohannesRau:
Ich selber mache kaum mal Computerspiele, aber meine drei Kinder (15,
14 und 12) haben ständig neue Wünsche. So ist ein ganzes Arsenal
entstanden und ab und zu müssen wir auch nooch in die Videothek.
Scheidel:
Die Live-Übertragung ist klasse!
Petii:
ich habe im der letzten Ausgabe des Spiegels einen guten Witz von Ihnen gelesen. Haben sie noch einen guten?
JohannesRau:
Ich werde immer gewarnt, nicht zum Anekdotenonkel zu werden. Deshalb hat mich der Abdruck im Spiegel auch geärgert.
Pfefferkorn:
elegante moderatorin an ihrer seite, herr rau
Bundesadler:
Herr Rau, ich weiß nicht ob das Ihr erster Kontakt mit den sogenannten
Neuen Medien ist, aber worin liegt denn ihrer Meinung nach die Chance
gerade für junge Menschen wie mich, die sich noch in ihrer Ausbildung
befinden, eines verstärkten Einsatzes dieser Technik?
JohannesRau:
Zuerst muß ich >Pfefferkorn ausdrücklich zustimmen. Dann füge ich
hinzu, daß wahrscheinlich alle Berufe der Zukunft digitalisiert werden
.-so oder so. Deshalb müssen sich junge Leute auskennen.
Emma:
Herr Rau, welches war eiegntlich ihr erstes Auto – und welches fahren Sie jetzt?
JohannesRau:
Das war ein Opel P4, 1952. Jetzt sitze ich in einem gepanzerten
Mercedes und werde gefahren. Privat haben wir einen Sharan, wegen
Kindern und >Hund…
Pfefferkorn:
herr rau, welche zukunft geben sie der "digitalisierung" von politik,
demokratischem leben und denken und der ausübung von bürokratie in
deutschland?
JohannesRau:
Weimar ist nicht an zu vielen Extremsiten zugrunde gegangen, sondern an
zu wenig Demokraten. Desdhalbv kommt es auf mehr Bürgerbeteiligung und
stärkeres >Engagement an.
andreas99:
Werden Sie -im Falle der Präsidentschaft- NRW ohne Probleme den Rücken kehren?
JohannesRau:
Ja, denn Heimweh ist nicht strafbar.
Neugierige:
Herr Rau, welchen Einfluß hat der Bundespräsident auf die Innenpolitik
JohannesRau:
Er kann durch Reden und durch vertrauliche Gespräche das Klima
mitbestimmen. Exekutive Vollmachten hat er nicht und will er nicht.
r98351:
Sehr geehrter Herr Rau, wenn Sie sich heute entscheiden müßten,
Bundesehrsoldat zu werden oder den Zivildienst zu leisten, wie würden
Sie sich entscheiden?
JohannesRau:
Ich habe mich, als ich im entsprechenden Alter war, als
Wehrdienstverweigerer verstanden. Ich bin nicht sicher, ob ich das
heute noch so sähe. Aber die Frage stellt sich ja nicht.
amun:
Sie können ganz schön schnell eintippen;-)
MOST:
wie heisst ihr hund?
JohannesRau:
eine Frage bitte
hirsekopf:
Herr Rau, finden Sie nicht, dass Sie als Bundespräsident im Staat nur
noch Repräsentationsobjekt sind, und ist das nach vielen langen aktiven
politischen Jahren nicht reizlos?
JohannesRau:
Die Innenansicht dieses Amtes ist ganz anders. Das weiß ich aus vielen Gesprächen mit bisherigen Bundespräsidenten.
Franko:
Guten Tag Herr Rau, ich grüße Sie vom Rechenzentrum der Heinrich Heine
Uni Düsseldorf. Ich bewundere gerade die Errungenschaften der neuen
Medien. Gleich habe ich ein Seminar über die Anwendungen des Computers
im Deutschunterricht für internationale Schüler. Was halten Sie von
diesem neuen Medium ?
JohannesRau:
Sehr vciel. Aber wir dürfen das Gespräch nicht verkommen lassen.
Bundesadler:
Herr Rau, wir feiern doch jetzt das Goethe Jahr. Sollte ein Deutscher die Werke der klassiker kennen?
JohannesRau:
Das war in Wirklichkeit wohl nie so, sondern nur das Bildungsbürgertun
hat die Klassiker zur Kenntnis genommen. Ich wünsche mir aber mehr
Leser der Klassik. Da gibt es ein Gedsicht: Wer wird nicht einen
Klopstock loben ? Doch wird ihn jeder lesen ? Nein. Wir möchten weniger
erhoben und etwas mehr gelesen sein.
merl999:
was ist Ihre Lieblingsspeise Herr Rau
JohannesRau:
Jede Art von Hausmannskost. Gestern abend habe ich zu vornehm gegessen. Das sättigt nicht…
Lucking:
Waren sie schon als Jugendlicher politisch engagiert?
JohannesRau:
Seit 1952, da war ich 21.
Bundesadler:
Lesen Sie gelegnetlich ein Witzblatt vom Schlage der Titanic?
JohannesRau:
Ja, aber vor ein paar Monaten hat T. eine Karikatur über mich auf dem
Titel gehabt, die war absolut geschmacklos. Da habe ich einen privaten
Boykott beschlossen.
JoschkaF:
Herr Rau, was halten Sie von der gleichberechtigten Ehe für
Homosexuelle Paare? ich meine damit nicht das Hamburger Modell. eher
gleiche Rechte und Pflichten für die HomoEhe?
JohannesRau:
Für mich gehört der Ehebegriff zu denen, die sich nur auf
unterschiedliche Geschlchter bezeiehen. Aber ich bin für mehr
Gleichstellung und weniger, also gar keine Diskriminierung.
HotHH:
Herr Rau, als was möchten Sie in die Geschichte eingehen; als Landesvater oder als Bundespräsident?
JohannesRau:
Das kann man selber nicht wissen und nicht entscheiden. Ich möchte
überhaupt nicht in die Geschichte eingehen, sondern denen, die mit mir
leben, ein glaubwürdiger Partner sein.
Bundesadler:
Herr Rauch, haben Sie Jugendsünden wie Bill Clinton, der zwar Mariuanha
geraucht hat, aber immer beteuert hat, das Zeug "not inhaled" zu haben.

JohannesRau:
Nicht auf diesem Sektor (Rauschgift), alles andere habe ich verdrängt (Schülerstreiche).
andreas99:
Haben Sie mal eine Zigarette mit Heinrich Böll geraucht?
JohannesRau:
Ja, zu viele.
Pierre:
Sehr geehrter Herr Rau, was denken Sie, hätte sich Deutschland nicht aus dem Kosovo-Krieg vollständig raushalten sollen ?
JohannesRau:
Das wäöre ein Bündnisbruch gewqesen, der für uns Deutsche nicht in
Frage kommen kann. Wir verdanken dem Bündnis auch für uns viel,
einschließlich der deutschen Einheit.
TorstenHacker:
Wären Sie als Bundespräsident an einer Verbesserung des "Klimas"
zwischen Deutschland und Rußland oder sehen Sie Rußland als politisch
nicht mehr handlungsfähigen Statisten an?
JohannesRau:
Ich hielte das für ganz dringend. OIhne Rußland ist – abgesehen von
seinen jetzigen Schwierigkeiten, kein sicheres und gutes Europa
denkbar.
Fishy:
Herr Rau, sie erwähnten vorhin die Wichtigkeit der Bürgerbeteiligung in
der Politik. Ist es da nicht sehr bedenklich, daß seit den ersten
direkten Wahlen des Europaparlaments die Wahlbeteiligung an den
Europawahlen fast proportional zu den zunehmenden Kompetenzen des EP
abgenommen hat?
JohannesRau:
Ich teile Ihre Sorge ganz.
Fourtytwo:
Guten Tag, Herr Dr. Rau! Wenn Sie -hoffentlich- am 23. Mai gewählt
werden, wie werden Sie sich für das wiederauflebende Judentum in
Deutschland engagieren? Und gibt es dann ein "Präsidentenwort" zur
Mahnmaldebatte?
JohannesRau:
Ich engagiere mich seit Jahrzehnten für die deutsch-israelischen und
die christlich-jüdischen Bezeihungen. Das Mahnmal halte ich für
dringend nötig, aber ich würde nicht zur künstlerischen Ausgestaltung
Stellung nehmen.
tanteuta:
Wenn Sie im ersten Wahlgang weniger Stimmen bekommen als erwartet, werden Sie dann zurückziehen?
JohannesRau:
Da will ich nicht spekulieren, ich bin aber sicher, nach dem ersten Wahlgang deutlich vorne zu liegen.
Lucking:
Was bedeutet Ihnen ihr starker christlicher Glaube?
JohannesRau:
Der Zweifel ist ein Bruder des Glaubens, aber für mich ist christlicher Glaube so etwas wie die Wurzel meiner Kraft.
Emma:
Herr Rau, Sie haben drei Töchter – bringen die jetzt schonmal Ihre
Freunde mit nach Hause – und wenn ja, was ist das für ein Gefühl als
vater….
JohannesRau:
Ich habe zwei Töchter und einen Sohn. Die älteste hat Freunde, die ich
am liebsten wegbisse. Ich weiß aber, daß das nicht geht. Also versuche
ich, ein guter Vater zu sein, der seine Eifersucht zügelt. Das ist
schwer.
kknoche:
muss ein praesident immer in einer partei sein?
JohannesRau:
Nein, aber bisher war`s immer so, siebenmal.
kuehly:
Werden Sie als Bundespraesident auch gegen die SPD-geführte Regierung
Stellung beziehen? Oder wird Ihre langjährige Zugehörigkeit zur SPD Sie
nicht doch beeinflussen?
JohannesRau:
Ich werde s t r e n g überparteilich agieren.
Jo1:
Welche Bereiche werden Sie besonders politisch beeinflussen wollen? Schwerpunkte?
JohannesRau:
Deustche Einheit, Verhältnis der Generationen, In- und Auzsländer.
Piccard:
Haette die CDU Frau Schipanski auch nominiert, wenn sie sich Chancen
ausrechnen koennte? Ich glaube eher, sie wird eher benutzt…
JohannesRau:
Kein Kommentar.
Lucking:
Sehr geehrter Herr Rau, sie waren jetzt lange Jahre Politiker, würde
sich ihre Familie nicht freuen, wenn sie sich voll auf diese
konzentrieren würden?
JohannesRau:
Meine Familie kann sich gar nicht vorstellen, daß ich ohne eine Aufgabe
bin. Deshalb unterstützt sie mich. Trotzdem bemühe ich mich um mehr
Zeit für Frau und Kinder und Hund.
dirki:
Findet eine Internet Konferenz jetzt des öfteren statt?
JohannesRau:
Ich kann`s mir gut vorstellen. Auch im Bellevue.
Mobby:
Haben Sie Vorbilder?
JohannesRau:
Die letzte Frage bitte!
Dr_Finke:
Herr Rau, wenn sie 3 Wünsche frei hätten, was würden sie sich wünschen ?
JohannesRau:
Viele Menschen haben meinen Weg geprägt, aber Vorbilder im Sinne der
Ausschließlichkeit habe ich nicht. Ehestens noch mein Vater und Gustanv
Heinemann.
JohannesRau:
Gesundheit für Frau und Kinder und mich, Harmonie zu Hause und verläßliche Freunde.
Moderator:
Herr Rau, politik-digital möchte sich bei Ihnen für diesen gut
besuchten Chat bedanken! Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Wahl
und eventuell im Amt.
JohannesRau:
Vielen Dank an alle, besonders an die junge Moderatorin, die 27 ist und wie 26 aussieht.
Moderator:
Auf ein baldiges Wiedersehen hier im Chat, damit auch die 233 anderen Fragen die ich noch auf Halde habe drankommen können.. :-)


 


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