Chat mit Ernst-Ludwig Winnacker

Moderator: Sehr geehrter Herr Prof. Winnacker, im Namen von politik-digital
begrüssen wir Sie herzlich zu einer virtuellen Fragestunde live von der
Expo. Wir hoffen, eine kurzweilige Stunde zu verbringen.
E.-L.Winnacker: Hallo, bin sehr gespannt.
broesel: Wofür ist die DFG eigentlich zuständig?
TanteEmma: hallo her prof. winnacker
E.-L.Winnacker: Für alle Gebiete der Wissenschaft, von der Anglistik bis zur Zoologie
TanteEmma: chatten sie nun selber, oder schreibt der moderator für sie?
E.-L.Winnacker: Nein, ich chatte selbser
joker: Herr Winnacker, wie wird man DFG-Präsident?
E.-L.Winnacker: man wird es nicht,man ist es plötzlich
Dr.Faust: Fühlen Sie sich eher als Wissenschaftspolitiker oder als Wissenschaftler?
E.-L.Winnacker: Eigentlich als Wissenschaftler
TanteEmma: Herr winnacker, wie kann man schule attraktiver machen, sodass man den faulsten schüler zur einer guten Bildung verhilft?
E.-L.Winnacker: Indem man einen interessanten Unterricht macht
E.-L.Winnacker: aber auch die Ausstattung der Schulen muß besser werden.
Tubs: Sehr geehrter Herr Winnacker, es interessiert mich vor allen Dingen,
wie eine Karriereentwicklung für Wissenschaftlerinnen verlaufen kann
bzw. welche Wissenschaftskultur und innerhalb dieser Kultur welche
Hindernisse und Barrieren für Frauen bestehen? Im internationalen
Vergleich liegt Deutschland deutlich hinter den Ländern wie USA,
Frankreich, Italien was den Frauenanteil in C4 und C3 Professuren
angeht so lag dieser in 1996 noch bei 4 bzw. 7 % an den bundesdeutschen
Hochschulen.
E.-L.Winnacker: Eine Frage, die mich sehr bewegt. Wir planen, ein ganz ausfeiltes Mentoring netzwerk aufzubauen.
E.-L.Winnacker: Wir wollen vor allem auch den Wissenschaftlerinnen und den Wissenschaftlern helfen, Familie und Beruf zu verienbaren.
muffin: Wird die Abschaffung der Habilitation in nächster Zeit Realität?
E.-L.Winnacker: Sie ist in vielen Fächern schon Realität. In den, wo sie es noch nicht ist, hoffentlich bald.
ramon: Gibt es einen konkreten Zeitplan zur schaffung von Jungprofessuren?
E.-L.Winnacker: Frau Ministerin Bulmahn sagt, es gäbe noch in diesem sommer einen Referentenentwurf. Außerdem gibt es ja Emmy-Noether!
Moderator: Ein Gast aus Pakistan hat ein persönliches Anliegen:
ToseefAhmadKhanAbbot: I have done Masters in Mathematics. Thereafter, i started my career as
Office Manager with GTZ. I am still working with GTZ in Abbottabad
city. I want to know whether i can get a higher degree from Germany,
preferably in Business administration
ToseefAhmadKhanAbbot: The standard of studies in Pakistan is too low to get a good job in
pakistan. So I want to return to pakistan with a valuable degree from
Germany
E.-L.Winnacker: Probably. Please adress DAAD (www.daad.de)
GradkollHohenheim: Hat der wissenschaftliche Nachwuchs in der Forschungslandschaft der BRD Zukunftschancen?
E.-L.Winnacker: Ich denke ja. Die Zeit war noch nie so gut wie heute.
r4743622: Hier in Deutschland sind die hierarchischen Strukturen noch sehr
dominant und damit die eigene Entwicklung sehr eingeschränkt! Wann wird
sich das ändern?
E.-L.Winnacker: Derzeit ändert sich viel. Die DFG hat gerade einen Bericht zur Lage des Nachwuchses veröffentlicht.
E.-L.Winnacker: Wir haben das Emmy–Noether Programm, das die Beantragung der eigenen STelle ermöglicht.
Ellen-Media: Wieso ist die Zeit noch nie so gut wie heute? Ergänzungen bitte!
E.-L.Winnacker: Weil sich gerade in dieser Zeit in unserem Forschungssystem so viel
passiert. Ich denke an die Internationalisierung, oder an die
Reformierung des Diensrechts. Bald wird es Juniorprofessoren geben,
d.h. klarere Karrieremöglichkeiten.
alang: Wie steht’s denn mit der DFG-Nachwuchsfoerderung? Ab wann wird es moeglich die eigene Stelle bei der DFG zu beantragen?
E.-L.Winnacker: Über Emmy-Noether jetzt schon. Im Herbst werden zur Frage der eigenen
STellen in unseren Gremien die Entscheidungen fallen. Wir wollen sogar
in die Schulen!
GradkollHohenheim: Gibt es Ihrer Meinung nach nicht einen Widerspruch zwischen
Exzellenzförderung in Graduiertenkollegs und fehlender sozialer
Absicherung nach Beendigung des Stipendiums?
E.-L.Winnacker: Muß es eine solche Absicherung wirklich geben? In den meisten Fächern werden uns die Graduierten aus den Fingern gerissen.
Sinja: Im deutschen Promotionssystem ist i.d.R. nicht ausreichend für die
Weiter- und Fortbildung von Doktoranden gesorgt. Man hat seinen
Wissenshöhepunkt zur Diplomprüfung bzw. Staatsexamen erreicht, danach
geht’s meistens rapide bergab. Wie kann man diesem Umstand abhelfen?
E.-L.Winnacker: Z.B. in den Graduiertenkollegs, in denen die Ausbildung zur promotion
besser strukturiert wird. Leider gibt es nur Grakos bei der DFG. Damit
werden nur 20% der doktoranden erfasst.
Tarkan: Warum wird von vielen Nachwuchswissenschaftlern das Forschungsklima im
Ausland – bevorzugt in den USA – als deutlich angenehmer empfunden und
was müssen wir in diesem Punkt ändern?
E.-L.Winnacker: Viele Antworten sind hier verlangt. Frühe Selbständigkeit, die Klarheit
der Karrierewege, unnötige Hierarchien und natürlich die schlechte
Situation der Ausstattung der Hochschulen. Deswegen eben ein Bündnis
für Bildung.
butterfly: Sie sagen immer wieder, Sie wollen die Position der Frauen in der
Wissenschaft stärken. Und dennoch sind von den erst kürzlich gewählten
DFG-Gutachtern weniger als 8 Prozent Frauen. Wie passt das zusammen?
E.-L.Winnacker: Sie werden nicht von mir gewählt, sondern vom System insgesamt. Wir
überlegen uns aber derzeit, dieses Auswahlsystem zu ändern, sodaß es
bei der nächsten Wahl schon ganz anders aussehen wird.
Spitzname: Warum gibt es in Deutschland nicht vermehrt die Möglichkeit als
Nachwuchswissenschaftler zwischen Industrie und Hochschule zu pendeln?
E.-L.Winnacker: Hier geht um das Tarifrecht, die Mitnahme der Versorgungsansprüche. ich
denke, wir brauchen einen Wissenschaftstarif. Und schließlich ist das
Verhältnis Wissenschaft/Wirtschaft bei uns noch sehr gespannt.
E.-L.Winnacker: Solange es unethisch erscheint, Patente zu schreiben, solange wird es schwierig bleiben.
Floki: Welche Kriterien gelten für anglistische Projekte, um Fördermittel der DFG zu erhalten?
E.-L.Winnacker: Wissenschaftliche Exzellenz, wie bei allen anderen Projekten auch. jedermann der promoviert ist, kann einen Antrag stellen.
Presse: Offensichtlich gehen die besten Nachwuchskräfte in die Wirtschaft. Blutet die Forschung dann nicht aus?
E.-L.Winnacker: Solange nicht, wie der Nachschub kommt. Dieser aber bleibt derzeit in
den Naturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften derzeit aus.
Deswegen wollen wir eben unsere Arbeit auch zum Grundstudium oder die
Schulen hin ausdehnen.
E.-L.Winnacker: Beantragen Sie eine Emmy-Noether-Arbeitsgruppe und suchen Sie sich
einen Arbeitsplatz aus. In unserem Jahresbericht (auch auf CD und im
Internet) finden Sie solche Arbeitsplätze, hoffentlich. Vielleicht
wenden Sie sich auch einmal direkt an die Geschäftsstelle.
malty: Herr Winnacker, Wenn Unis zukünftig als Unternehmen begriffen werden
sollen, dann ist es für sie äußerst wichtig, sich um ihren Nachwuchs zu
kümmern. Was unternimmt die DFG in dieser Richtung?
E.-L.Winnacker: Nachwuchsförderung steht bei uns hoch im Kurs. Wir wollen Möglichkeiten
schaffen, Studierende schon in den ersten Semestern an die Forschung
heranzuführen, z.B. über Undergraduate Colleges oder Sommerschulen oder
Kongressreisen, oder als studentische Hilfskräfte in
Forschungsprojekten. Haben Sie noch andere Ideen?
hape: Für welchen Fachbereich haben Sie eigentlich Ihre Professur erhalten?
E.-L.Winnacker: Ich selbst habe Chemie studiert und in organischer Chemie promoviert. Jetzt habe ich eine Professur für Biochemie.
Ellen-Media: Werden durch Graduiertenkollegs der DFG nicht nur die Arbeitslosenzahlen verschönt?
E.-L.Winnacker: Nein, gerade nicht, denn die Absolventen sind über zwei Jahre jünger
als der Durchschnitt und finden in der Regel ganz schnell Stellen.
Gaya: Betrifft Abschaffung der Habilitation: Vermutlich soll diese Maßnahme
auch die Frauenförderung vorantreiben: Ist hier nicht die Gefahr
gegeben, dass eine Art "Professur zweiter Klasse" geschaffen wird?
E.-L.Winnacker: Dies ist dann nicht der Fall, wenn die Alternative "ohne Habilitation"
zur Regel würde, was ja bei den Naturwissenschaften schon jetzt
zunehmend der Fall ist.
slubby: Begutachtung von DFG-Antraegen – es waere wuenschenswert, im Falle der
Ablehnung, die Moeglichkeit einer Stellungnahme zu den ablehnenden
Argumenten der Gutachtern zu haben. Bedenken Sie bitte, dass meist 1-2
Jahre experim. Vorabeiten einer Antragsstellung zugrunde liegen plus 3-
6 Monate fuer die Antragsschreibung selber . Werden Sie das Verfahren
der Begutachtung ueberdenken ?
E.-L.Winnacker: Seit Jahren werden die Ablehnungsgründe ausnahmslos mitgeteilt.
E.-L.Winnacker: Das Verfahren der Begutachtung selbst wird derzeit internationalisiert,
die Zahl der Fachgutachter ist um ein Viertel erhöht worden. Wir denken
uns überdies eine Ausweitung der Gutachterbasis aus.
anita: Wie schätzen Sie den Mehrwert von unternehmerisch "gesponsorten"
Professuren ein? Besteh nicht di Gefahr, die universitäre Bildung zur
beuflichen Qualifikation verkommen zu lassen? Werden mit der
zunehmenden Praxisorientierung aus Unis FHs?
E.-L.Winnacker: Ich denke, daß das Wort Sponsor nicht mißverstanden werden darf. Ein
Sponsor darf und kann nicht darüber bestimmen, was im einzelnen gelehrt
und geforscht wird. Außerdem ist berufliche Qualifikation nichts
"Verkommenes".
gabi: sitzt herr winnacker selbst am pc oder läßt er schreiben ?
E.-L.Winnacker: Ich stehe am Terminal und schreibe selbst. Als Klavierspieler ist das nicht so schwierig.
DJ: Sie sagen, dass sie vermehrt in Schulen aktiv werden wollen, warum wird
es Schülern dennoch so schwer gemacht, einen Einblick in die heutige
Forschung zu gewinnen. Dies können wir aus eigener Erfahrung behaupten.
E.-L.Winnacker: Sie haben sicherlich recht. Mir schwebt das Beispiel der Belmonte-Zentrums vor.
E.-L.Winnacker: Hier hat die Hebräische Universität in Jerusalem Chemie, Biologie und
Physiksäle zur Verfügung gestellt, die technisch auf dem letzten Stand
sind, und von Schülern und Lehrern besucht werden. Warum so etwas nicht
auch bei uns? Es würde Schüler und Lehrer motivieren. In Göttingen gibt
es dafür erste Ansätze.
tom: Herr Winnacker, welche Förderungsmöglichkeiten stellt die DFG für
habilitierte Wissenschaftler zur Verfügung (außer Heisenberg
Stipendium) die durch die Kürzungen an den Universitäten wohl keine
Professorenstelle erhalten werden
E.-L.Winnacker: Sie können jederzeit einen Antrag stellen, sei es im Einzelverfahren,
sei es in einem Sonderforschungsbereich. Kontake zu SFBs beschaffen wir
gerne.
hugo: Ist es denkbar, die DFG-Gutachter aus der Industrie zu wählen, um Objektivität und Relevanz zu gewährleisten?
E.-L.Winnacker: Gutachter aus der Industrie gibt es schon längst, wenn diese die
notwendige Qualifikation besitzen. Objektivität erreicht man auch
dadurch, daß man ausländische Gutachter beteiligt, oder mehrere
Gutachten erbittet.
slubby: SFBs – durch die millionenschwere Foerderung eines spez. Themenbereichs
entsteht an den Unis die Struktur alles zu diesem Themenberich zu
foerdern, jedoch Neu-einsteiger mit anderen Themen kaum Chancen zu
geben, bzw. bei Neu-Einstellungen von Wissenschaftlern an Nicht-SFB
Instituten fest zulegen, das Thema des SFBs zu uebernehmen, um bei der
naechsten Foerderungsperiode auch dabei zu sein. K U R Z : jede Form
der eigenstaendigen, kreativen Forschung ausserhalb der SFBs wird nicht
gefoerdert – sollte die DFG nicht letztere foerdern und dafuer die
SFB-Millionen kuerzen ?
E.-L.Winnacker: An sich ist dies aus meiner Sicht so nicht ganz richtig. Mehr als zwei
Drittel unserer Mittel geben wir für die Einzelförderung aus. Wir
werden dieses Verhältnis auch sicherlich nicht zu Gunsten der SFBs
verschieben.
Pixie: Wie wird ihre Aktivität an Schulen aussehen ?
E.-L.Winnacker: Da gibt es viele Möglichkeiten. Begabte und interessierte Schüler
sollen in Zukunft die Möglichkeit erhalten, selbst in der Forschung zu
arbeiten, jedenfalls an Hochschulorten. Außerdem sollen unsere
Antragsteller vermehrt die Möglichkeit erhalten, auch finanzielle
Möglichkeiten, zusammen mit der Schule die Lehrinhalte zu verbessern.
suede: Haben sie beruflich und/oder privat viel mit dem Internet zu tun?
E.-L.Winnacker: Eigentlich schon, weil ich es als Informationsquelle nutzen muß und gerne nutze.
Floki: Wie lange dauert die Bearbeitungszeit für einen Projektantrag bei der DFG durchschnittlich?
E.-L.Winnacker: Augenblicklich liegt der Durchschnitt bei knapp über fünf Monaten.
Damit liegen wir weltweit ganz vorne, und sind auch ein wenig stolz
darauf.
Gaya: Bereits im Studium ist es häufig so, dass Professoren durch ihre
Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen etwa Seminare thematisch nach
diesen wirtschaftl. Interessen ausrichten. Wenn Sie als
(Forschungs)-Vorbild im Interview mit der ZEIT Ihre Verbindung von
Wissenschaft und Wirtschaft als positives Signal für junge Leute
werten, sehen Sie da nicht ein Problem ? (Interessenskonflikte,
Freiheit der Forschung)
E.-L.Winnacker: Natürlich kann es hier und da Interessenkonflikte geben. Aber wir
fördern beispielsweise in Transferbereichen die Forschung nur im
vorwettbewerblichen Bereicht. Und noch etwas. Als Professor muß ich im
Grunde nur einen Nachfolger/in ausbilden. Alle anderen gehen ohnehin in
die Wirtschaft.
Pixie: Gibt es Möglichkeiten als Abiturient sich schonmal einen Einblick in
die Arbei der Naturwissenschaften zu verschaffen, beispielsweise durch
Praktika o.ä. ?
Moderator: Wir werden gerade videoübertragen auf www.telebuddy.de (spontan und ungeplant :-))
E.-L.Winnacker: Genau das wollen wir in Zukunft als DFG ermöglichen. Das
Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal ermöglich
dies mit seinem Projekt TheoPrax schon jetzt. Aber ich würde auch bei
lokalen Hochschulinstitute einfach mal nachfragen, z.B. in Göttingen,
aber auch bei meinem alten Institut in München (Genzentrum)
gabi: was machen belmonte-zentren ?
Ellen-Media: Wie sind die Belmonte-Zentren organisiert?
E.-L.Winnacker: Das ist eine Einrichtung der Hberäischen Universität in Jerusalem.
Diese stellt Experimentallabors auf dem letzten Stand der Technik zur
Verfügung. Lehrer mit ihren Schülen machen dort ihren eigenen
Unterricht. Außerdem gibt es dort Lehrerfortbildung.
suede: Warum werden die Geisteswissenschaften oft so stark unter-, die
Wirtschafts- und Naturwissenschaften so überbewertet? Haben die
"Dichter und Denker" ein Imageproblem?
E.-L.Winnacker: Bei der DFG ist das nicht der Fall. Und wenn man insgesamt an
Studienanfänger denkt, dann auch nicht. Die Zahl der Anfänger in den
Naturwissenschaften bricht derzeit stark ein. DAs Imageproblem haben in
Deutschland die Naturwissenschaftler.
suede: Wie sehen sie die Chancen für Nachwuchswissenschaftler in neuen
Fachbereichen wie zum Beispiel Medienwissenschaft? Wird es da in
nächster Zeit einen Boom geben oder ist es nur eine Modeerscheinung?
E.-L.Winnacker: Ich glaube ehrer nicht, daß es eine Modeerscheinung ist. In dieser
Medienwelt bedarf es auch einer wissenschaftlichen Untermauerung und,
vor allem, guter Ausbildung.
login: Wie erklären Sie sich das zurückgehende Interesse an den Naturwissenschaften?
E.-L.Winnacker: Wer nicht glaubt, daß ich selber antworte, kann mich im Internet unter www.telebuddy.de sehen!
Pixie: Wo werden ihre Ergebnisse wegen der Praktika dann zu erfahren sein ?
E.-L.Winnacker: Dafür gibt es viele Gründe, z.B. die Tatsache, daß unsere Hochschulen
so stark unterfinanziert sind. Siehe meinen Aufsatz in der heutigen
"Die Woche". Vielleicht liegt es auch an der Scientific Literacy. In
diesem Lande ist man in einigen Kreisen sogar stolz darauf, nichts über
Mathematik oder Physik zu wissen. Das muß sich ändern!
E.-L.Winnacker: WAs wir, die DFG, in SAchen Schule tut oder tun wird, erfahren sie im Internet unter www.dfg.de.
Jetzia: Abgesehen von den von Ihnen empfohlenen Praktika, wie finde ich zum richtigen Studiengang an der richtigen Uni
E.-L.Winnacker: Erfahren Sie demnächst im Internet, den unsere www-Seiten werden gerade überarbeitet.
E.-L.Winnacker: Es gibt einerseits gute Vorbilder, siehe unsere Preisträger. Außerdem
machen Sie bitte immer das, was Ihnen Spaß macht, und worin Sie gut
sind. Außerdem haben deutsche Unis in der Regel inzwischen sehr gute
Studienberatung. Die Wissenschaftler selbst wären natürlich gut
beraten, sich für eine solche Beratung in den Schulen zur Verfügung zu
stellen. Wenn Sie an einem Uniort sind, rufen Sie doch einmal einen
Professor an. Er oder sie beißen sie meistens nicht.
Nina: Zum Emmy-Noether-Programm: Welche Chance räumen Sie Absolventen dieser
Förderung ein, tatsächlich an einer deutschen Universität berufen zu
werden?
E.-L.Winnacker: Beste Chancen. Das Programm läuft erst seit einem Jahr, so daß wir noch
keine Erfahrungen haben. Die Auslese auf Exzellenz ist jedoch so
streng, daß die Hochschulen sich um die Kandidaten am Ende reißen
werden.
Pixie: gibt es ihrer Meinung nach gute Fachzeitschriften um auf dem was die
Naturwissenschaften betrifft, Laufenden zu bleiben ? Das meißte
Spezielle, was hier angesprochen wird, ist für einen Neuling wie mich
doch sehr fremd.
wz: Informationen zu den deutschen Universitäten gibt es auch unter www.hrk.de
E.-L.Winnacker: Es gibt zahllose Möglichkeiten. Gut sind natürlich Science und Nature,
aber auch Science-next-wave, im Internet, wo sie auch etwas über
Karriere möglichkeiten erfahren. Neuerdings sind auch die
Tageszeitungen eine hervorragende Quelle für naturwissenschaftliche
Information.
suede: Haben sie ein Vorbild?
E.-L.Winnacker: Vielleicht Martin Luther.
login: Die Entwicklung im BEreich des Informatikstudiums stimmt hoffnungsvoll.
Doch macht die Politik alles wieder "kaputt" durch die unzureichende
finanzielle Unterstützung der Universitäten?
E.-L.Winnacker: In der Tat, aber es ist längst nicht nur die Politik. Ich denke daß
vermehrt auch die anderen Ressourcen dieses Landes sich ihrer
Universitäten mehr besinnen müssen, als bisher. Ich weiß auch ganz
konkret, daß einige Bundesländer im Bereich der Informatik selbst aktiv
werden. Die DFG hat gerade einen Bioinformatik-Wettbewerb abgeschlossen.
d_mike_p: Wird es in Zukunft eine deutschlandweite einheitliche Regelung fuer den Bachelor und den Master geben?
E.-L.Winnacker: Wichtig sind hier internationale Lösungen, und wichtig, daß überhaupt
ein Creditsystem geschaffen wird, das die Mobilität tatsächlich
erlaubt.
Ringo: Frage zu einem anderen Thema: Stimmt es , das die DFG das Pilotprojekt
mit der Moeglichkeit volle Stellen fuer Doktoranden wieder gestoppt hat?
E.-L.Winnacker: Nein, wir haben es gerade sogar verstärkt, und zwar für alle Bereiche, in denen die Nachfrage besonders groß ist.
gabi: bin journalistin/dpa, wie resümieren sie diesen ersten live-chat herr winnacker ?
E.-L.Winnacker: Es hat spaß gemacht. Warum nicht bald einen zweiten!
Tubs: Letzte Frage: Wie kann die DFG dazu beitragen, dass der Frauenanteil in
den wissenschaftlichen Spitzenpositionen ansteigt? Was wird die DFG
beispielsweie in ihren Regularien einräumen, um die Situation und die
wissenschaftliche Karriere für Frauen zu fördern. Als Beispiel sei
genannt, dass in den Richtlinien der DFG für die Zuteilung von
Projektmittel berücksichtigt werden könnte, dass Frauen durch
Mutterschaft und ggf. Erziehungsurlaub eine Verlängerung ihrer
Projektzeiten und damit eine Erhöhung ggf. von Projektmitteln
erforderlich wäre.
E.-L.Winnacker: Dies geschieht teilweise schon jetzt und soll in Zukunft auf alle unsere Programme ausgedehnt werden.
Moderator: Lieber Professor Winnacker, wir von politik-digital möchten uns ganz
herzlich bei Ihnen für diesen Chat bedanken, und erst recht dem
Publikum welches so zahlreich erschienen ist!
Moderator: Wir möchten uns noch beim idw für die Bereitstellung von Internet und Technik herzlich danken!
E.-L.Winnacker: Schreiben Sie mir an die DFG, wenn Sie noch Fragen haben. Den nächsten
Chat werden wir wieder rechtzeitig ankündigen. Herzlichen Dank für die
Fragen!
Pixie: Vielen Herzlichen Dank an Herr Winnacker für seine Antworten
Tubs: wie kann ich die ersten Teile des Chats nochmal lesen?
Moderator: Erscheint in Kürze auf www.politik-digital.de im Transcripte-Bereich.
Ellen-Media: Auch wir danken!
Jetzia: Wo werden sie den nächsten Chat ankündigen?
E.-L.Winnacker: Wie dieses Mal, in Tageszeitungen und auf unserer Web-Page.
login: Ciao und Tschüß
godi: Wie kann man den Rückblick einsehen?
Moderator: Geben Sie uns 5 Minuten ihn zu erstellen.. ;-)
henk64: Auf Wiedersehen, alle.
E.-L.Winnacker: Eben erfahre ich, daß Mitarbeiter der GEschäftsstelle zuhören oder zusehen. Guten Appetit!
wz: danke
Pixie: Auf Wiedersehen, bis dann

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