“Bloggen heißt für mich zu 99 Prozent Menschsein”


Robert Basic, Macher des Blogs basicthinking.de, war am 10. April
2007 Gast im Blogsprechstunden-Chat von politik-digital.de und den
Blogpiloten. Themen waren die Zukunftschancen der Menschheit im Internet,
Werbung in Weblogs und warum die Kanzlerin im Mitmach-Internet nicht
menschlich wirkt.

Moderator: Herzlich willkommen
zur Blogsprechstunde, dem Blogger-Chat von politik-digital.de in
Kooperation mit den Blogpiloten. Robert Basic, Kopf und Macher von
basicthinking.de, ist von 16.00 bis 17.00 Uhr hier im Chat. Sie
können Ihre Fragen bereits jetzt stellen. Viel Spaß beim
Chat.

Moderator: So, hier in Berlin ist es 16.00 Uhr.
Robert Basic chattet mit uns aus Usingen. Wie sieht es aus, kann
es losgehen, Robert?

Robert Basic: Okay.

blogbiene: Schreibst Du nur über Themen,
die Dich auch selbst interessieren, oder kommen auch mal Themenvorschläge
von Deinen Lesern?

Robert Basic: 80 bis 90 Prozent meins, zehn bis
20 Prozent Leser.

alba: Was für ein Bild hast du eigentlich
von Deinen Lesern?

Robert Basic: Von A bis Z, von männlich bis
weiblich, von alt bis jung, von zwölf bis 80 alles dabei:).
Sprich: ich habe keine Ahnung :))).

Moderator: Machen wir einmal eine große
Frage:

Templeton: Was sieht Robert als die größten
Herausforderungen für die „Old Economy" in den nächsten
Jahren an?

Robert Basic: Da die Technik und die Mobilität
immer stärker unseren Alltag bestimmen, stellen sich für
Unternehmen vehemente Anforderungen: Mitgehen oder sterben.

Moderator: Kannst Du dazu noch mehr sagen?

Robert Basic: Ausgelutschtes Beispiel: Musik und
Internet. Anderes Beispiel: Presse und zunehmende Informationserzeugung
im Netz 24/7 – wie darauf reagieren? Weiteres Beispiel: Der Konsument
wird dank des Netzes immer schlauer und schneller. Was heißt
das für die Werbung? Kommerzielle Organisationen sind nur dann
überlebensfähig, wenn sie einen Mehrwert bieten, den das
Internet aber immer stärker quasi aufweicht (Willkommen in
der Vorlesung Wirtschaften im 21. Jahrhundert :))

Moderator: Eine Nachfrage:

womacht: In den USA gibt es aktuell gerade eine
prominente Diskussion um „Code of conducts“ für
Blogs (Verhaltensregeln für Blogger, die Red.) (gestern auf
der Titelseite der New York Times). Brauchen wir das in der deutschen
Bloggerszene auch?

Robert Basic: Hehe, hatte die Fragen gerade einem
Spiegel-Online-Reporter beantwortet: Wenn es auf einen Verhaltenskodex
hinausläuft, nichts. Wenn die Diskussionen dazu führen,
dass man daran wächst und erwachsener wird – umso besser. Wir
Menschen brauchen diese Reflexion, immer. Die Frage, die sich dabei
stellt: Ob Blogger andere Verhaltensnormen brauchen als im Real
Life (im echten Leben, die Red). Da wir mit dem Blog öffentlicher
sind, muss man neue Dinge lernen, über die man im Real Life
nie nachdenken musste. Wir brauchen also diese Diskussionen weltweit
sogar.

Nina: Ist mit einem Mehrwert von kommerziellen
Organisationen Glaubwürdigkeit, Transparenz und Eingehen auf
die Internetnutzer gemeint?

Robert Basic: Wenn ich als Unternehmen mit Informationen
Handel betreibe, muss ich mich ständig fragen, wo ich diese
Infos noch bekommen kann und zu welchem Preis. Wenn ich meine Infos
nicht mehr für diesen Preis loswerde, habe ich ein Problem.
Transparenz und so weiter: Gehört heutzutage noch viel stärker
als jemals in das Portfolio eines Unternehmens.

mike: Wie sollen sie ihren Mehrwert denn halten?
Nur mit Blogs?

Robert Basic: Ich sehe da Blogs parallel zu Chats,
Foren und normalen Websites. Das Netz wird immer dichter, aber auch
hinsichtlich der Infos immer schneller und besser.

Yannick Eckl: Könntest Du Dir vorstellen,
basicthinking.de je zu verkaufen?

Robert Basic: Nein, es sei denn, du blätterst
eine Million Euro hin. Ein neues Blog kann ich immer noch starten,
auch wenn ich damit meine Person im Netz verkaufe – komischer Gedanke
:). Also nein. Kein Preis. Mich kannst Du nicht kaufen, damit auch
nicht mein Blog.

petersch: Zum Thema „Der Konsument wird
schlauer und schneller": Ist das nicht eine Mini-Bewegung und
der Großteil der Konsumenten ist heute eigentlich genauso
träge wie früher? Heißt: Führen wir vielleicht
die Debatte zu sehr aus dem eigenen Blickwinkel?

Robert Basic: Das war die Frage von oben, beziehungsweise
These: Wenn Kommunikationstechniken Verhaltensweisen gesamtgesellschaftlich
ändern, ist der Konsument von morgen genauso wie heute? Meine
Antwort: Nein.

Markus: Welche Rolle spielen bei der „Medien-Evolution"
Videos im Netz?

Robert Basic: Eine gigantische, da wir darauf
trainiert sind, visuell zu denken und unsere Umwelt wahrzunehmen.
Ich denke, dass Textblogs auch nur ein Zwischendasein führen
werden, bis Bewegtbilder semantisch besser verarbeitbar sind, was
die Informationsverteilung und Auffindbarkeit angeht. Ebenso die
technischen Hürden zur Videoerstellung, die dramatisch sinken
müssen,damit sich das dramatisch zugunsten der Videos als Kommunikationsmedium
Nummer Eins ändert. Das wird auch der Grund sein, warum wir
in Zukunft mehr ein 3D-Web sehen werden. Text ist zu einschränkend.

Moderator: Noch eine Nachfrage zu den Lesern von
basicthinking.de:

november: Was für Vorschläge kommen
denn so von deinen Lesern? Was erwarten die von einem Robert Basic?

Robert Basic: Es sind meistens Linktipps, weniger
Bitten, ein Thema gesondert zu beackern.

junikind: Mal deine Meinung: Sollte sich jeder
ein Weblog zulegen? Warum, was ist an diesem Medium so toll?

Robert Basic: Blogs haben bewiesen (!), dass sie
zur Zeit die besten Mensch-zu-Mensch-Verbindungstool sind. Wenn
diese Annahme stimmt, sollte sich jeder ein Blog zulegen, wenn man
auch im Netz Wert auf soziale Kontakte legt. Mit allen Vor- und
Nachteilen. Es wird kein Weg dran vorbeiführen, dass jeder
in einer gewissen Form eine Webpräsenz hat.

Moderator: Zwei Fragen im Block:

klaus_56: Wie lange bloggst du eigentlich schon?
Warst du auch schon vorm Bloggen im Internet aktiv?

Yannick Eckl: Wie empfindest Du junge Blogger?
Haben sie eine Chance sich gegen die großen A-Blogger durchzusetzen?
Kann ein junger Padawan genau so viel erreichen? ;-)

Robert Basic: Seit rund fünf Jahren, mittlerweile
das dritte Hauptblog jetzt. Und A-bloggende Padawane: Menschen sind
so unterschiedlich, wenn auch nur ein kleiner Teil davon ins Netz
kommt, wird es noch viele interessante Blogs geben. Ich freue mich
darauf wie ein kleines Kind. Die Welt wird schrumpfen.

eman resu: Du hast ja einen ziemlich großen
Output. Wie viel Zeit geht für dich so am Tag fürs Bloggen
drauf?

Robert Basic: Das schwankt sehr stark: Zwischen
ein bis fünf Stunden netto. Ich ersetze zunehmend alle anderen
Kommunikationstechniken durch das Blog.

micha: Robert, wie siehst du das Thema Werbung
in Blogs? Insbesondere Adical (eine von Bloggern aus Berlin gegründete
Firma für Werbung in Weblogs, die Red.)?

Robert Basic: Werbung auf Blogs – meine Annahme
– muss sich zwingend der Blogkultur im dialogischen, menschlichen,
fluchenden, bewegenden Sinne anpassen. Die heutige Werbekampagne
von Adical ist nicht die Antwort darauf (Cisco-Flashbanner, olle)

Moderator: Aktuell gab es Parfümwerbung von
Bloggern mit falschen Identitäten, die in Kommentaren von bekannten
Weblogs wie basicthinking.de Schleichwerbung gemacht haben.

HanzandFranz: Hi Robert, Du warst ja auch Ziel
der „Calvin-Schleicher-Kampagne“ – wie denkst Du über
diese neue Werbeform?

Robert Basic: Sagen wir es mal drastisch; ich
fühle mich vergewaltigt. Es ist eklig, wenn Menschen in eine
Party reinplatzen und schreien, dass man 20 kostenlose Tickets bekommen
kann… Crazy und Panne.

HanzandFranz: MC Winkel, Don Alphonso et cetera
haben ja der Agentur jetzt Rechnungen geschickt – meinst Du, das
bringt was? Hast Du auch eine Rechnung geschickt?

Robert Basic: Nein, davon halte ich nix. Rechtlich
sehr wackelig und ethisch gesehen haben die genug auf den Deckel
bekommen. Man muss Menschen immer Gelegenheit geben, zu lernen.
Nicht immer nachtreten und fertigmachen, wenn man am Boden liegt.

micha: Wie urteilst du über Veranstaltungen
wie die re:publica (eine Konferenz zum Thema Mitmachinternet in
Berlin, die Red.)? Zu kommerziell oder wirklich sinnig?

Robert Basic: Wenn Menschen mit unterschiedlichen
Interessen zusammen kommen, wird es sich zeigen müssen, in
welche Richtung so eine Veranstaltung geht. Vom Programm her sieht
es okay aus. Abwarten.

nolookpass: Würdest Du Dich als netzsüchtig
bezeichnen? Und wenn ja, warum wäre das nicht schlimm?

Robert Basic: Süchtig nach Leben. Wenn man
Leben als Real Life und Virtual Life akzeptiert, spreche ich nicht
von Sucht. Ich werfe keinem Menschen vor, zu viel auszugehen, Parties
zu machen, zu arbeiten, zu lesen. Etc. pp. Süchtig ist ein
falsches Verständnis.

hummel: Bald gibt es ja ein Barcamp in Frankfurt,
für das du richtig Werbung machst. Was ist eigentlich ein Barcamp
und von was unterscheidet es sich zum Beispiel von der re:publica?

Robert Basic: Barcamp ist eine völlig freie
Veranstaltung, bei der man vor Ort die Themen bestimmt. Das alleine
ist großartig und zeigt, dass Menschen in nicht regulierten
Konzepten hervorragend klarkommen, wenn man ihnen freien Lauf lässt
und auch vertraut (!).

dex: Was hältst Du von dem Fakt, dass Blogs
immer mehr auch „gefährlich" werden im Sinne, falsche
Meldungen zu verbreiten – ohne dass die betroffenen Projekte/Firmen
die Möglichkeit haben, im Dialog anständig was klarstellen
zu können?

Robert Basic: Im Rahmen des Telemediengesetzes
muss man sich als Blogger Gedanken machen, wenn man als meinungsbildend
vor Gericht angesehen wird. Dann muss man wie Presse arbeiten, was
faktisch für einen Privaten unmöglich macht, sich persönlich
zu äußern. Ein Riesenthema und Problem meiner Meinung
nach.

Moderator: Hier das Ergebnis unserer Umfrage:
63 Prozent unserer Chatter heute sind selber Blogger.

Panzerknacker: Hallo Robert – Du hast ja eine
Firma für professionelles Corporate Bloggen (Weblogs von Unternehmen,
die Red.)- gibt es da relevanten Bedarf in Deutschland?

Robert Basic: Yeah! Corporate bloggen: Für
alle Unternehmen, die effizient und direkt mit ihren Partnern, Kunden,
Lieferanten etc. pp kommunizieren wollen und können, ist das
Thema ein MUST. Ohne Netz geht es immer weniger. Heute schon nutzen
70 Prozent der Einkäufer das Netz als Infomedium, da steckt
ganz schöne Einkaufspower dahinter. Leben… Es ist interessant,
dass je mehr man seine Person ins Netz „überträgt",
umso stärker kann man davon leben, Business = Kontakte = mehr
wert als alles andere.

littlered: In einem Interview mit Turi hast du
mal gesagt, du würdest dich nicht als Journalist sehen. Als
was siehst du dich denn dann?

Robert Basic: Als jemand, der nicht als Journalist
einem Veröffentlichungszwang gegen Cash untersteht, sondern
als einen, den die Technik und die Möglichkeit fasziniert,
wie schnell und wie dramatisch schnell man kommunizieren kann. Unendlich
viele Blogger mit unendlich vielen Themen. Nein, ich werde nicht
dumm sterben :)). Ich bin schrecklich neugierig auf Menschen und
Themen.

dittes: Wie denkst du, entwickeln sich Corporate
Blogs? Die Computerwoche hatte dieses Thema vor kurzem ja noch kritisch
beleuchtet.

Robert Basic: Die heutigen Kommunikationschancen
via Blogs ungenutzt zu lassen, das heißt für mich: Den
Manager ohrfeigen. Jonathan Schwartz (Vorstandsvorsitzender des
multinationalen Computerunternehmens SUN, die Red.) zeigt seit längerem,
wie exzellent so ein Medium wirkt. Bis hin zur Tatsache, dass er
es möglicherweise schaffen wird, dass alle Unternehmen als
Aktiengesellschaften (AGs) auch Ad Hoc Meldungen im Blog posten
dürfen.

bjhornemann: Du hattest ja im letzten November
eine Erwähnung in der New York Times. Hat sich das beim Traffic
bemerkbar gemacht?

Robert Basic: Null, da zu alt (Amis verstehen
nicht, dass ein 40 jähriger technisch gesehen jung bleiben
kann, ging ja um MySpace Müll :)).

Prominent: Dr. Frank Huber (ein in der Blogosphäre
umstrittener deutscher Blogger und Internetunternehmer, die Red.)
scheint dich sehr zu mögen, er hält dich jedenfalls für
die einzig wahre Leitfigur in der deutschen Blogosphäre. Was
hältst du denn von Herrn Huber?

Robert Basic: Huber hassen viele, ich hasse diejenigen,
die auf ihm völlig unnötig herumgekloppt haben, ohne ihm
Luft zu lassen, seinen Fehler einzugestehen. Ich mag es nicht, wenn
eine Meute auf einer Person herumkloppt. Schon in der Schule habe
ich mich immer zu den Schwachen geschlagen. Wenn man meint, stark
zu sein, sollte man das nicht für sich, sondern zugunsten Dritter
einsetzen.

micha: In den USA existieren mittlerweile unendlich
viele Watchblogs (Weblogs, die Firmen oder Medien kritisch beobachten,
die Red.) (zu google, general-wasweisich und so weiter) Wie stehst
zu solchen und wieso gibt es in Deutschland so wenige?

Robert Basic: Watchblogs wie das Un-Blog Bildblog
sind unabdingbar, eine Gesellschaft voranzubringen. Gerade in der
Medienlandschaft sind viele zu infogläubig, was da aus den
ach so vertrauenswürdigen Quellen kommt. Immer hinterfragen.
Sag Ja zu Watchblogs :)

november: Sind Blogs nicht für viele eine
reine Selbstdarstellungsplattform? Findest Du das auch legitim?

Robert Basic: Jo mei, wenn einer Expressionist
ist :)). Warum nicht. Impressionisten gibt es genauso. Menschen
menscheln. Laissez faire please.

arzt im einsatz: Was hältst Du von der deutschen
Blogosphäre? Könnte da nicht noch ein bisschen mehr Schwung
rein? Was fehlt denn der deutschen Szene, was es in den Staaten
zum Beispiel gibt?

Robert Basic: Die Amis sind geldgeil und schmeißen
ihre Kommerzwundermaschine an, sobald es was Neues zu melken gibt.
Wir hinterfragen, wollen den Nutzen sehen, sind kritischer. Wenn
aber einmal überzeugt, dann yipiieeeh, alle drauf.

ulfi: Hallo Robert, bloggst du über alles,
was dir so einfällt, oder gibt es Themen, die du extra nicht
erwähnst?

Robert Basic: Keine Kinderbilder für die
Armseligen da draußen, nie Persönliches über andere
Menschen.

Panzerknacker: Worin unterscheidet sich die amerikanische
von der deutschen Blogszene?

Robert Basic: Einmal die eklatante Kommerzialisierung,
zum anderen gibt es einfach mehr Blogs, die wegen der Sprache mehr
gelesen werden (zu Unrecht, da manch ein Topblog in den USA totalen
Käse schreibt, aber weil es alle lesen, muss es toll sein).
Also Größe und Geld. Sonst meiner Meinung nach nix. Unsere
Kulturen sind doch recht ähnlich, wenn auch in Teilbereichen
wie Experimentierfreudigkeit und spielerische Neugier etwas anders.

bosch: Warum interessieren sich in Deutschland
viel zu wenig Menschen für Blogs? Wenn ich in meinem Bekannten-/Freundeskreis
frage, liest da kein Mensch regelmäßig Blogs.

Robert Basic: Wie oben erwähnt: Cash = hoher
Motivationsfaktor = die Amis verkaufen dann neue Dinge aufgrund
auch der bereitwilligen Adaptionsfähigkeiten der Leser viel
lauter und stärker als wir. Zudem pushen die Medien in Deutschland
die Blogs sehr sehr schwach. Medien = Aufmerksamkeitsmaschinen Nummer
eins nach wie vor.

micha: Wie denkst du über Blogger wie Don
Alphonso
? Braucht die Blogosphäre solche, die mal einfach
laut brüllen?

Robert Basic: Einerseits könnte ich ihn manchmal
an die Wand klatschen, andererseits braucht die Gesellschaft unangepasste
und laute Menschen, die vor Metatrends warnen, die negativen Einzug
halten. Wenn alle denken, dass etwas gut ist, muss es nicht gut
sein. Warner waren schon immer einsam und ausgegrenzt. Ja, Don ist
wichtig. Und ich respektiere ihn für seine Rolle sehr als Mensch!

blogster: Und was könnte denn nun ein wenig
Schwung in die deutsche Bloggerszene bringen?

Robert Basic: Lernen heißt auch BILD lesen,
sprich: Solange nix Dramatisches, Ekliges in Blogs aufgedeckt wird,
die Kanzlerin ihren Job als Kanzlerin wegen einem Blogger verliert,
wird dieses Meme (engl. etwa: Ich auch, Ich auch-Strukturen in der
Blogosphäre, die Red.) langsam aber sicher viele andere überzeugen.
Die es schätzen, dass man via Blogs sich sehr persönlich
und ungewöhnlich emotional binden kann.

bosch: Siehst Du ein Problem darin, dass Google
im Bereich Information/Werbung seine marktbeherrschende Stellung
immer weiter ausbaut? Wird es auf absehbare Zeit einen ernst zu
nehmenden Konkurrenten geben?

Robert Basic: Google ist gefährlich, da zu
groß und zu mächtig. Macht korrumpiert jeden und alles.
Ich bin super misstrauisch, was dieses exzellente Unternehmen als
Marktpositionen alles aufbaut und annimmt. Es wird Zeit, dass das
Branding (Markenbildung, die Red.) verfällt und damit die Chance
anderen gewährt wird.

mc_O: Kannst du dir vorstellen, dein Blog zur
Kommerzmarke zu machen oder einem Werbenetzwerk wie Johnnys (Johnny
Haeusler vom Weblog Spreeblick) Adical beizutreten?

Robert Basic: Ich mache immer mein Ding alleine,
Adical ist einerseits gut, wenn es einen guten Job macht, aber nix
für mich. Kommerzmarke… schwierig, da ich immer noch keinen
rechten Weg zwischen meiner Person = mein Blog und des wachsenden
Blogs gefunden habe. Problem: Ich mache keinen Unterschied zwischen
Kommerz und Privat.

Moderator: Tusch, die Lieblingsfrage der bisherigen
Blogsprechstunden:

klaus_56: Was ist dein Lieblingsblog?

micha: Gibt es Blogs, die du besonders schätzt
(deutsche und internationale)? Welches Blog war/ist dein Vorbild?

Robert Basic: Ein Blogger, den ich fast schon
für seine Mischung als Künstler und ITler (Informations-
und Telekommunikationsfachmann, die Red.) liebe und wertschätze
ist Jonvon. Ich
schätze meistens die Blogs, dessen Autor ich menschlich schätze.
Fachlich gibts ja eh genug Blogs, die gute Infos verteilen, doch
hat das wenig mit Schätzen im zwischenmenschlichen Sinne zu
tun. Da Blogs für mich zu 99 Prozent Menschsein heißt.

sky_halleluja: Was hältst du eigentlich von
Befindlichkeitsblogging? Dein Bloglogo sieht ja so schön gedankenfrei
und verträumt aus. Bloggst du nach einer bestimmten Philosophie?

Robert Basic: Freiheit zu bloggen, was man denkt,
unabhängig davon, was die anderen sagen.

micha: Wie schätzt du die Versuche der Politik
ein, im Web 2.0 seine Stimme zu suchen? Videocast der Kanzlerin,
Westerwelle et cetera.

Robert Basic: Wie man sieht, nutzen die nur die
Technik, atmen aber nicht das, was wir jeden Tag vorzaubern: Menschlich
sein.

stereophone: Wo kommen deine Leser her? Google
(neue Leser), Feeds (alte Leser) – wie ist da das Verhältnis?

Robert Basic: 40 Prozent Google, 60 Prozent aus
RSS und Direktlesern wie auch Links von Drittseiten.

Moderator: Zwei Fragen im Block:

Nutzer Nummer Eins: Wie bist Du zum Bloggen gekommen?

stereophone: Weißt du noch, warum du mit
dem Bloggen angefangen hast, beziehungsweise worum es im ersten
Post ging?

Robert Basic: Ja, Lotus Notes. Ein englischer
Blogger hat es mir vorgemacht. Ohne dass ich wusste, dass das ein
Blog ist. Und prompt war ich mit einer regelrechten Familie aus
Notes-Menschen weltweit verknüpft. Fantastischer Einstieg damals,
menschliche Nähe und Expertise, bis in den Tod von Angehörigen
hinein, die den Bloggern nahe standen. Tiefe!

BQ: Von wem oder was lässt du dich bei der
Gestaltung deines Blogs inspirieren?

Robert Basic: Es sind wohl eher die kleinsten
Erfahrungen im jahrelangen Werden, wie eine Art Training. Es sind
keine großen Schritte. Insofern vermag ich irgendwie nix einzelnes
rauspicken, es ist die gefühlte Summe der Erfahrungen. Einerseits
geschäftlich super, privat aber irgendwie von Tag zu Tag schwieriger.
Man achtet auf das, was du sagst, man legt alles auf die Goldwaage,
man will dir vorschreiben, wie du zu denken und zu fühlen hast.
Je mehr man dir Öffentlichkeit nachsagt, desto schwerer lastet
das auf einem. Es läuft in der Tat darauf hinaus, Robert vom
Blog zu entkoppeln und sich als Privatmensch ein stilles Plätzchen
im Netz zu suchen. Unbekanntes Blog, weit weg.

june: Wie ist dein Blog eigentlich so bekannt
geworden?

Robert Basic: Wie es bekannt wurde…keine Ahnung,
viele Postings?

bjhornemann: Wann kommt das deutsche Techcrunch
(ein Medium für Internetfirmen und US-technologieblog, die
Red.)? :)

Robert Basic: Michael Arrington (Chef von Techchrunch,
die Red.) wollte mal selbst, aber irgendwie nicht. Schauen wir mal:))

hugel: Du scheinst ja Twitter (ein Internetservice,
bei dem man alle Welt z.B. per SMS darüber infomrieren kann,
was man gerade wo macht, die Red.) ganz gut zu finden – aber was
genau soll das denn bringen? Warum muss ich per SMS wissen, wer
was gerade macht? Glaubst du wirklich, dass das Programm sich durchsetzt?

Robert Basic: Twitter… Ja, es liegt uns nahe,
zeitnah zu kommunizieren. Twitter ist sehr menschlich nahe gebaut.

Moderator: Kommen wir langsam zum Ende, die Chatzeit
ist fast um.

june: Wie würdest du denn einen Tag ohne
Internet verbringen? Würdest du das überhaupt überstehen?

Robert Basic: Es gibt Prios und Prios (Prioritäten,
die Red.). Für meine Kizz (Kids = Kinder, die Red.) lasse ich
das Netz einfach so stehen, ebenso wie man nicht ausgeht, wenn der
Kleine Geburtstag hat :)

mc_O: Was wäre ein Grund für dich das
Bloggen einzustellen? Siehe Kathy Sierra (eine Bloggerin aus den
USA, die Morddrohungen erhielt, die Red.)

Robert Basic: Never ever dieser Grund… Das Bloggen
musst Du einstellen, wenn Du merkst, dass Dich die gefühlte
Öffentlichkeit erdrückt. Dann ist Fini mit lustig vor
sich hinbloggen.

Moderator: Letzte Frage für heute:

micha: Wenn du ein Blogsystem wärst (WordPress,Textpattern,
Blogger.com), welches wärst du? ;-)

Robert Basic: Das gibt es noch nicht, das super
easy und DAU (Dümmster anzunhemender User, die Red.) sicher
alles kann, was man will.

Moderator: Das Schlusswort gebührt dem Gast:

Robert Basic: Nur bloggen, nicht verbloggen lassen
:)

Moderator: So, die Zeit ist bereits um. Vielen
Dank an alle Chatter fürs Mitmachen und vielen Dank an Robert
Basic für die Antworten. In der kommenden Woche ist Jan Schmidt,
Deutschlands bekanntester Blogforscher, zu Gast in der Blogsprechstunde.
In Kürze kann man hier bereits Fragen stellen. Das Transkript
dieses Chats kann man in Kürze auf politik-digital.de und bei
den Blogpiloten nachlesen.

Robert Basic: cu! Dank an alle Chatter :)

Moderator: Jan Schmidt ist übrigens am Dienstag
von 20.00 bis 21.00 Uhr in der Blogsprechstunde. Vorschläge
für weitere Gäste sind uns herzlich willkommen.

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