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	<title>Politik Digital &#187; News</title>
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	<description>Das Journal</description>
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		<title>Pia Ziefle: &#8220;Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 11:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Weck</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpiloten]]></category>
		<category><![CDATA[Pia Ziefle]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Urheberrecht ist derzeit Thema Nummer Eins. Die Debatte darüber wird zunehmend hitziger geführt &#8211; Urheber, Verwerter und Nutzer verschärfen den Ton. Viele scheinen aneinander vorbeizureden und für einige ist es derzeit nur noch schwer nachvollziehbar, wer eigentlich welche Positionen &#8230; <a href="http://politik-digital.de/pia-ziefle-mein-standpunkt-ist-der-des-autonomen-urhebers/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Urheberrecht ist derzeit Thema Nummer Eins. Die Debatte darüber wird zunehmend hitziger geführt &#8211; Urheber, Verwerter und Nutzer verschärfen den Ton. Viele scheinen aneinander vorbeizureden und für einige ist es derzeit nur noch schwer nachvollziehbar, wer eigentlich welche Positionen vertritt. Andreas Weck (<a href="http://www.netzpiloten.de">netzpiloten.de</a>) hat Pia Ziefle, Buchautorin des Romans „Suna“, zu ihrer Sicht auf die aktuelle Auseinandersetzung befragt. Und einen Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen bekommen.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Die Debatte um das Urheberrecht unterliegt derzeit einer ziemlich heftigen Diskussion, die weit über das Handeln von Politikern und Rechtsexperten hinausgeht. Der Spiegel zählte jüngst mehr als 1.500 prominente Autoren, Künstler und Schauspieler, die vor der Abschaffung des Urheberrechts warnen. Müssen sich Kreative tatsächlich vor dem Ende des Urheberrechts fürchten? Oder glaubst du da werden mehr Ängste geschürt, als tatsächlich notwendig sind? Welchen Standpunkt vertrittst du selber, als Buchautorin, in dieser Debatte?</p>
<div id="attachment_116448" class="wp-caption alignleft" style="width: 213px"><a href="http://politik-digital.de/pia-ziefle-mein-standpunkt-ist-der-des-autonomen-urhebers/pia_ziefle/" rel="attachment wp-att-116448"><img class=" wp-image-116448  " title="Pia Ziefle" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/pia_ziefle.png" alt="Portraitfoto von Pia Ziefle" width="203" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Pia Ziefle © Gerald von Foris</p></div>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Es wird kein Ende des Urheberrechtes geben &#8211; am Ende des Tages werden alle ums Lagerfeuer sitzen und sich einig geworden sein. Es schwirren viele Kampfbegriffe herum, und noch mehr Halbwissen aus einem einfachen Grund: Das Urheberrecht in seiner bestehenden Form gibt einen Handlungsrahmen vor, innerhalb dessen Urheber, Verwerter und Nutzer agieren können. Dieser Rahmen ist sehr weit gesteckt und lässt sehr sehr viel Spielraum für individuelle vertragliche Regelungen. Das hat unter anderem zur Folge, dass wir unglaublich viele Gruppen von Urhebern haben, die unter dem Dach des Urheberrechtes vereint, die ganze Zeit aneinander vorbei reden. Die einen sind Sachbuchautoren, die zweiten Musiker, die dritten Wissenschaftler, Fotografen etc. Dazu kommt, dass alle Urheber ihre Werke in verschiedenen Arbeitssituationen schaffen: die einen sind angestellt, die anderen frei, sie schaffen im Auftrag, oder sie schaffen ein Werk und verkaufen es dann. Jede dieser Situationen benötigt andere vertragliche Regelungen, um Sicherheit zu schaffen für Auftraggeber, Nutzer und Urheber.</p>
<p>Mein Standpunkt ist der des autonomen Urhebers, der seinen Markt und dessen Gesetze kennt, für den die Verträge die er unterschreibt keine Bücher mit sieben Siegeln sind, und der mit den Verwertern seiner Werke auf Augenhöhe agieren kann.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Dem entnehme ich dass du selber das derzeitige Urheberrecht kritisierst? Wie kann es deiner Meinung nach sein, dass ein Urheberrecht, dass in seiner Grundform eigentlich schon viele Jahre existiert, erst jetzt zu dieser hitzigen Debatte geführt hat. Sachbuchautoren, Musiker, Wissenschaftler usw. die frei oder als Angestellte Werke veröffentlichen, gibt es doch nicht erst seit gestern? Hat man da in der Vergangenheit sich zu wenig mit auseinandergesetzt? Alte Strukturen quasi nicht in Frage gestellt?</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Ich kritisiere die oft sehr schlechten Bedingungen, mit denen Urheber konfrontiert sind, obwohl ihnen das Urheberrecht eigentlich eine viel stärkere Position gibt. Ich glaube, das ist auch der wahre Grund für die Auseinandersetzung, die jetzt aus verschiedenen Richtungen geführt wird. Viele Urheber haben sich ohnmächtig gefühlt gegenüber Auftraggebern, die immer weniger bezahlen und sich immer mehr Rechte übertragen ließen. Oder Wissenschaftler, die auf Veröffentlichungen angewiesen sind, und enorm hohe Kosten tragen müssen, weil &#8220;Verlage&#8221; eigentlich nur ihren Namen auf Bücher drucken, die sie weder lektoriert noch gesetzt haben, aber dennoch sämtliche Nutzungsrechte einkassiert haben. Jetzt ist das Thema auf dem Tisch, und manche Urheber setzen sich zum ersten Mal überhaupt mit ihren Rechten auseinander, nachdem sie die Arbeitsbedingungen bisher hingenommen haben, ja. Es kann nur positiv sein, wenn die Urheber miteinander ins Gespräch kommen. Aber ich will auch die Verwerter bitten, in ihrem eigenen Interesse sowohl den Urhebern als auch den Käufern gegenüber, besser zu erklären, was sie tatsächlich für ihre Autoren und Musiker tun.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Ein weiterer Grund warum das Urheberrecht derzeit so ins Visier genommen wird, ist auch der Umstand des Filesharings im Web. Dass Musik, Filme, eBooks usw. frei im Netz getauscht werden. Glaubst du dass das Filesharing die Geschäftsmodelle der Urheber bedroht oder führt es eher dazu dass der Vertrieb der Werke dadurch beflügelt wird? Auch hier gehen die Meinungen der Künstler, aber auch die der Experten oft auseinander.</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Schwierige Frage und ich habe keine Zahlen parat. Ich möchte gern auf jeden Fall erreichen, dass wir nicht über Quatsch wie &#8220;es ist doch nur eine Kopie&#8221; und &#8220;das ist kein Diebstahl&#8221; sprechen. Wenn Filesharing Verkäufe verhindert, dann fehlt mir ganz reales Geld an diesem Projekt. Darüber hinaus bin ich auf erfolgreiche Verkäufe angewiesen, um weitere Verträge zu bekommen, da hilft es nichts dem Verlag zu sagen: schaut, mein Content kommt super an, nur zahlen die Leute halt nicht so gern was dafür. Ich weiß aber nicht, von welchen Dimensionen wir sprechen, insofern habe ich keine fertige Meinung, ob Filesharing mit dem guten alten Kassettenkopieren vergleichbar ist, das wir alle gemacht haben solange wir kein Geld hatten und dann als Werbung aufgefasst werden kann. Oder ob es nicht doch darüber hinausgeht. Einzige Lösung: Filesharing überflüssig zu machen durch totalen Kundenservice. eBook Standards, realistisches Pricing, einfache Plattformen. Und (wahrscheinlich) kein Kopierschutz. Weil Kopierschutz beim ganz normalen ehrlichen Nutzer zu Frust führt, wenn sich bezahlte Dateien nicht öffnen lassen. Alles andere ist ein moralisches Problem, kein technisches.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Schaut man sich beispielsweise die Umsätze der US-Musikindustrie oder der US-Filmindustrie an, sind diese im Vergleich der Vorjahre auf jeden Fall konstant geblieben. Die beiden Industrien haben zusammen laut Bureau of Economic Analysis des US-Handelsministeriums in den Jahren 2004 bis 2010 sogar zugelegt. Von 92,1 Milliarden auf 102,1 Milliarden Dollar. Das sagt natürlich nichts darüber aus, ob es ohne Filesharing nicht mehr gewesen wäre, aber es zeigt dass es den Verwertern bei weitem nicht so schlecht geht, wie es oftmals offeriert wird.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/pia-ziefle-mein-standpunkt-ist-der-des-autonomen-urhebers/ziefle-suna/" rel="attachment wp-att-116449"><img class="alignleft size-full wp-image-116449" title="Ziefle-Suna" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Ziefle-Suna.jpg" alt="Buchcover Suna von Pia Ziefle" width="200" height="328" /></a><strong>Pia Ziefle:</strong> Der US-Markt ist mit unserem hier schlecht vergleichbar, im Buchbereich schon gar nicht, weil er z.B. keine Buchpreisbindung kennt wie in Deutschland. Und wenn sich dann Verschiebungen ergeben, oder lange für Umsatzgaranten gehaltene Modelle doch nicht so erfolgreich sind, Buchhandelsketten schwächeln, Filialen großer Händler geschlossen, verkleinert oder gar nicht erst eröffnet werden, und das eben trotz des Schutzes durch die festen Preise, dann schaut man natürlich lieber, ob man nicht einen Bösewicht ausmachen kann, dem man die Schuld geben kann. Fakt ist: Bücher werden in Tauschbörsen angeboten, sogar meins war 11 Tage nach Veröffentlichung in einer Tauschbörse nachgefragt worden &#8211; da kann man schon kurz Angst bekommen. Aber wie auch <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html">Frank Schirrmacher in der FAS</a> sagte, wenn er von der &#8220;Trägheit der Industrie&#8221; spricht: wir brauchen schlicht schnelle, einfache digitale Vertriebswege. Wir Contentlieferanten und wir Nutzer. Und wir Künstler müssen ebenfalls die Chancen nutzen, die das Netz uns bietet, indem wir nämlich genauso vorgehen wie eine Band, die nachmittags umsonst in der Fußgängerzone spielt, um auf das bezahlte Konzert im Club am Abend aufmerksam zu machen: Wir müssen sichtbar sein und möglichst viele unserer Beiträge frei teilen. Dann werden wir für den Teil, den wir verkaufen wollen, auch unsere Bezahlung bekommen. Von begeisterten Verwertern, denen wir mit ganz anderem Preisbewusstsein gegenübertreten können, und von glücklichen Kunden.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Den <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html">Schirrmacher-Artikel</a> habe ich auch gelesen. Er sagt ja auch, dass die Abmahnindustrie dahinter eigentlich nicht minder so ein wenig die Wurzel allen Übels in der Debatte ist, weil sie mit Ihren Anzeigen und ihren Strafen, den Nutzer auf der einen Seite kriminalisiert und auf der anderen Seite auch kräftig das Geld aus den Taschen leiert. Wie gehst du selber dagegen vor, wenn du siehst dass deine Bücher in Tauschbörsen nicht nur nachgefragt, sondern auch angeboten werden.</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Ich leite das an den Verlag weiter, dessen Rechtsabteilung die Bewertung vornimmt und gegebenenfalls Schritte einleitet &#8211; sehr gegebenenfalls. Einfach hinnehmen kann ich es persönlich nicht, aber ich möchte auch nicht, dass jemand, der das nur im allerkleinsten Stile tut, dafür exorbitante Strafen bezahlen muss. Mir reicht es, wenn demjenigen deutlich wird, dass wir das bemerken. Etwas anderes wären größere Dimensionen &#8211; und etwas ganz anderes sind die systematischen Abmahner, die da eine lukrative Einnahmequelle entdeckt haben. Das ist für mich überhaupt nicht akzeptabel.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Was ich mich in dem Kontext dann immer frage ist, ob der Urheber von diesen Abmahnungen eigentlich auch nur einen Cent sieht? Nun haben viele Verlage ja schon, wie du selber bemerkt hast, oftmals viele Rechte und zahlen wenig. Behalten diese dann auch noch die Strafen ein? Kennst du Personen, bei denen solch ein Fall eingetreten ist, oder ist bei dir selber schon solch ein Fall eingetreten?</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Üblicherweise werden Verwerter, also in meinem Fall der Verlag, mit der Wahrnehmung der urheberrechtlichen Nutzungs- und Leistungsschutzrechte an einem Werk beauftragt. Die Erlöse aus dieser Wahrnehmung werden entweder zu festgesetzten oder &#8220;zu branchenüblichen&#8221; Anteilen geteilt. Der Logik folgend sind Abmahnungserlöse ebenfalls Verwertungen, und wenn ich z.B. Jan Delay richtig verstanden habe, bekommt er Geld von seiner Plattenfirma und verschenkt es. Ich habe noch nie welches bekommen, aber ich bin nun nicht gerade die auflagenstärkste Autorin bei Ullstein. Es wäre interessant, dort mal direkt nachzufragen.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Lass uns noch einmal kurz auf politisches Terrain zu gehen. Um die teuren Abmahnungen zu vermeiden, schlagen viele Politiker schon seit längerer Zeit vor Warnmodelle einzuführen. Die Stichworte „Two-Strikes“ oder „Three-Strikes“ sind dir sicher bestens bekannt. Die Filesharer bekommen zwei oder drei Warnungen, bevor die Abmahnung ausgesprochen wird, oder sie sogar ihren Internetanschluss gesperrt bekommen. Hältst du diese Methoden für eine gelungene Alternative um den Abmahnwahn einzudämmen und den Nutzer zu erziehen?</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Naja, an sich klingt das ja vernünftig, man fährt zu schnell, wird verwarnt, bezahlt Strafzettel und verliert irgendwann den Führerschein für eine Weile. Aber die Analogie ist ein bisschen zu eindimensional, denn der springende Punkt ist ja: WER misst die Geschwindigkeit? Derjenige, der mir das Auto verkauft hat? Baut der Autohersteller ein Bordsystem ein, das automatisch meine Geschwindigkeit mit der erlaubten abgleicht und schaltet mir bei zu schnellem Fahren den Motor ab?<br />
Nein, wir haben eine Polizei, und die misst nur. Strafe wird vor Gericht verhängt, oder nach Bußgeldkatalog, das gehört zu unserer Vorstellung von Gesellschaft und Demokratie. Wahrscheinlich ist der letzte Wunsch, der nach einer Internetpolizei, wie soll das auch gehen in einem weltweiten Netz? Ein paar Monate Finnland, ein paar Monate Syrien? Und nach welchen Gesetzen? Ich bin unbeirrbar: ich glaube fest an die Vernunft und daran, dass man immer zuerst miteinander sprechen kann. Weltweit. Freundliche Verwarnungen können ja ausgesprochen werden, vielleicht auch von Anwälten, aber ebenso wie im Straßenverkehr muss man nicht gleich 1.000 Euro, sondern erst mal nur 10 bezahlen. Übrigens werden Bußgelder an soziale Einrichtungen ausgeschüttet, so als Nebengedanke gar nicht so schlecht, denke ich gerade spontan und ganz unjuristisch.</p>
<p><strong>Andreas Weck:</strong> Dass diese Debatte jedenfalls bald vernünftige Züge annimmt und im Sinne aller geregelt wird, bleibt zu hoffen. Da wir nun auch schon am Ende der Zeit angekommen sind, bedanke ich mich bis hier hin bei dir für dieses interessante Gespräch.</p>
<p><strong>Pia Ziefle:</strong> Ich danke dir!</p>
<p><em>(Das Interview ist zuerst auf <a href="http://www.netzpiloten.de">netzpiloten.de</a> erschienen)</em></p>
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		<title>Jillian C. York: Beharrliche Kämpferin für die Meinungsfreiheit</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 10:34:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Pauli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Köpfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Electronic Frontier Foundation]]></category>
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		<category><![CDATA[Jillian C. York]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Online-Aktivistin wurde Jillian C. York, als sie in Marokko erstmals mit Internetzensur konfrontiert wurde. Heute ist sie Direktorin für freie Meinungsäußerung bei der Electronic Frontier Foundation und gefragte Expertin für den Mittleren Osten. Mit politik-digital.de sprach sie über ihren &#8230; <a href="http://politik-digital.de/jillian-c-york-beharrliche-kaempferin-fuer-die-meinungsfreiheit/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://politik-digital.de/jillian-c-york-beharrliche-kaempferin-fuer-die-meinungsfreiheit/p1010039_2/" rel="attachment wp-att-116418"><img class="alignleft size-large wp-image-116418" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/P1010039_2-630x308.jpg" alt="" width="630" height="308" /></a></strong><br />
Zur Online-Aktivistin wurde Jillian C. York, als sie in Marokko erstmals mit Internetzensur konfrontiert wurde. Heute ist sie Direktorin für freie Meinungsäußerung bei der Electronic Frontier Foundation und gefragte Expertin für den Mittleren Osten. Mit politik-digital.de sprach sie über ihren grenzenlosen Optimismus und die Grenzen ihres Kampfes.</p>
<p><strong></strong>Unter Yorks Arbeitskollegen bei der Electronic Frontier Foundation (EFF) in San Francisco kursiert ein Witz, der Yorks auffälligste Charaktereigenschaft auf den Punkt bringt: An dem Tag, an dem es keine Zensur mehr gebe, werde sie jedem einen mit Diamanten besetzten Kuchen schenken. Yorks Zuversicht kann lediglich die Tatsache trüben, dass sie sich die Edelsteine wohl nie wird leisten können. York lacht, als sie die Anekdote erzählt. Wer die US-Amerikanerin erlebt, würde nicht vermuten, dass sie die Welt in unmittelbarer Gefahr sieht. Eine Gefahr, die von zunehmender staatlicher Überwachung ausgeht &#8211; im Mittleren Osten gleichsam wie in westlichen Demokratien.</p>
<p>Auf der Berliner Internetkonferenz &#8220;re:publica&#8221; wirkt York entspannt und heiter. Warmes Nachmittagslicht fällt auf Yorks Gesicht, überflutet dank großzügiger Oberlichtflächen weite Teile der Halle 3 der STATION Berlin. Die beschwingte Atmosphäre im ehemaligen Postbahnhof ist förmlich zu greifen. Vielleicht erscheint York deshalb so sorgenlos. Vielleicht aber auch, weil die Dinge, die sie wütend machen, an diesem Tag so weit weg scheinen: die Cybersecurity-Gesetze in den USA, die Geißelung der Meinungsfreiheit im Mittleren Osten, die Bedrohung der Blogger in der arabischen Welt. Wenn York spricht, glänzen ihre Augen und träumen von einer Welt ohne Zensur &#8211; totale Meinungsfreiheit für alle. Das ist ihr Steckenpferd, dafür kämpft sie. Selbst wenn es sich York bisweilen einfach macht, wie sie selbst einräumt, indem sie keine Graustufen anerkennt. &#8220;Für mich gibt es beim Thema Meinungsfreiheit nur schwarz und weiß&#8221;, stellt sie klar. Die Online-Aktivistin macht den Eindruck einer Frau, die aus Prinzip handelt &#8211; sich aber gleichzeitig der Grenzen ihres Handeln bewusst ist.</p>
<p><strong>Zensur in palästinensischer Autonomiebehörde aufgedeckt</strong></p>
<p>Dass York mit ihrem Einsatz Dinge bewegen kann, macht sie stolz. Als jüngsten Erfolg wertet sie den Rücktritt des Kommunikationsministers der Palästinensischen Autonomiebehörde, nachdem Zensurpraktiken im Westjordanland ans Licht kamen. York selbst bezeichnet dies als &#8220;pretty cool&#8221;. Sie hatte den verantwortlichen Journalisten mit den Technikern zusammen gebracht, die die Enthüllung erst möglich gemacht hatten. Dennoch will York den Erfolg nicht für sich allein verbuchen. Es ist auch diese Bescheidenheit, die York sympathisch macht. Zumal ihre Verdienste um die universelle Meinungsfreiheit unbestritten sind. Als Projektkoordinatorin forschte sie 2008 bis 2011 am Berkman Center for Internet and Society in Harvard zum Thema Cyberspace, unter anderem an einem <a title="OpenNet Initiative" href="http://opennet.net/" target="_blank">Projekt</a>, dass Zensurtechnologie weltweit dokumentiert und offenlegt. Die Nachforschungen ergaben unter anderem, dass zwischen 2010 und 2011 neun Länder des Mittleren Osten und Nordafrikas westliche Überwachungstechnologie zur Internetzensur verwenden. Die Debatte, die sich daran entzündete, hat mittlerweile sowohl die Obama-Regierung als auch das EU-Parlament zum Handeln gezwungen. Für Jillian C. York, Mitbegründerin des preisgekrönten Blogs <a href="http://www.talkmorocco.net/" target="_blank">Talk Marocco</a> und Aufsichtsratmitglied der internationalen Blogger-Community <a href="http://globalvoicesonline.org/" target="_blank">Global Voices Online</a>, ist das nur ein erster Schritt. Für 2012 wünscht sie sich vor allem, dass die Politik mehr Druck auf Unternehmen ausübt, damit diese keine Überwachungstechnologie mehr in den Mittleren Osten verkaufen.</p>
<p><a href="http://politik-digital.de/jillian-c-york-beharrliche-kaempferin-fuer-die-meinungsfreiheit/p1010110_2-2/" rel="attachment wp-att-116459"><img class="size-full wp-image-116459 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/P1010110_21.jpg" alt="" width="580" height="326" /></a></p>
<p>York weiß aus eigener Erfahrung, wie sich Online-Zensur anfühlt. Schon damals, 2007 in Marokko, habe sie die Unfreiheit wütend gemacht, erinnert sich York. Vermutlich wurde in jenem Moment aus der Bloggerin <em>jillian</em> die Online-Aktivistin, die heute als Expertin für den Mittleren Osten gefragt ist. Sie freundete sich mit marokkanischen Bloggern und Dissidenten an. Bis heute verbindet die in San Francisco heimische Bloggerin tiefe Freundschaften mit der arabischen Welt. Wie schwer es York bisweilen fallen muss, ihre privaten Ängste um bedrohte Freunde auszublenden, zeigt sich zwei Stunden später während ihres Vortrags über die Bedrohung der Pressefreiheit im Mittleren Osten und Nordafrika. Als York von der syrischen Freundin und Bloggerin Razan Ghazzawi erzählt, bricht plötzlich ihre Stimme, Tränen steigen ihr in die Augen. Seitdem Ghazzawi im Dezember verhaftet wurde, hat York michts Verlässliches mehr über ihre Freundin gehört. Für einen kurzen Moment fällt die Maske der furchtlosen Kämpferin, die sich niemals von Drohungen einschüchtern lassen würde. Und die erhielt York selbst bereits mehrfach &#8211; und zwar von Juden, Christen und Muslimen. Liegt hier der Schlüssel zu ihrer strahlenden Zuversicht? Optimismus als Schutzmechanismus? York glaubt, dass man Menschenrechts-Arbeit nur mit einer positiven Lebenseinstellung verrichten kann. Ansonsten drohe man zu verzweifeln. Ihre Generation dürfe keinesfalls so enden wie die ihrer Eltern: nämlich verzagt und klagend, verlangt die Aktivistin, die in dieser Woche ihren 30. Geburtstag feiert.</p>
<p><strong>Unter Obama wieder mehr Journalisten verhaftet </strong></p>
<p>York bedauert das Verstummen ihrer Landsleute, wenn es um Zensur im eigenen Land geht. Auch deshalb nimmt sie ihre Arbeit in den USA als &#8220;ihre eigene Sache&#8221; wahr &#8211; mehr als ihren weltweiten Kampf um Bewusstmachung bestehender Missstände. Auch wenn in den USA Online-Aktivisten nicht verfolgt oder bedroht würden wie etwa in Saudi-Arabien oder Kuwait &#8211; das neue Cybersecurity-Gesetz Cispa stuft sie als &#8220;gefährlich&#8221; für die Meinungsfreiheit ein. Wenn es um ihre Heimat geht, kann York der Frustration nicht so leicht entfliehen wie den Gefahren für Blogger in entfernten Erdteilen: Dass unter Obama mehr Journalisten verhaftet worden sein sollen als während dessen Vorgängerregierungen, findet sie alarmierend. In anderen Weltgegenden ist der Kampf nicht unbedingt leichter, gerade wenn es an der Unterstützung lokaler Aktivisten fehlt. So erzählt York zwar stolz von der Dankbarkeit, die ihr von der saudi-arabischen Bloggerszene in zahlreichen E-Mails und Posts zuteil wird &#8211; öffentlich die Zensur anzuprangern trauten sich jedoch vielleicht vier oder fünf Aktivisten in dem Land, schätzt York.</p>
<p>Die Nähe zur arabischen Welt und das Reisen begleiten York seit langem. Erst im Januar traf sie Freunde in Ägypten, als sie am &#8220;Yahoo! Change Your World Summit&#8221; teilnahm. Nach Berlin kam York direkt vom Stockholmer Internet Forum. Und im Anschluss an die &#8220;re:publica&#8221; hält sie einen Vortrag auf dem Osloer Freedom Forum. Öffentlichkeitsarbeit nimmt einen Großteil ihrer Zeit in Anspruch. York sieht darin eine produktive Arbeit, durch die sie Bewusstsein für globale Themen aber auch für ihre Arbeit schaffen kann. In dieser Vermarktung liegt auch die Notwendigkeit, Zuhörer und Spender für ihre Organisation EFF zu werben, die sich seit 1990 für Meinungsfreiheit einsetzt. Auf 16 Konferenzen hielt York in diesem Jahr bereits Vorträge, und auch als Kolumnistin ist sie sehr begehrt. Al Jazeera, The Atlantic, The Guardian, Foreign Policy oder Bloomberg veröffentlichen regelmäßig ihre Beiträge. Unter der E-Mail-Flut, die York zwischen den Reisen zu bewältigen hat, sind zahlreiche Anfragen von Journalisten auch renommierter Medien, die auf die Frau aufmerksam geworden sind. Priorität räumt York allerdings den Hilfegesuchen von Aktivisten aus aller Welt ein. Wird sie über die Verhaftung eines Bloggers informiert, kümmert sich EFF um den Fall. Wer benachrichtigt die Familie? Wollen lokale Aktivisten eine Kampagne starten? Das sind die Fragen, die dann geklärt werden müssen.</p>
<p><strong>Endlich Lehren aus der Geschichte ziehen</strong></p>
<p>Für die verbleibende Zeit des Jahres hegt York die Hoffnung, dass das Blutvergießen in Syrien endlich ein Ende nehmen möge. Unbegreiflich bleibt ihr, dass keine Lehren aus der Geschichte gezogen würden: aus dem Kalten Krieg, aus dem Fall der Sowjetunion. Solange Regierungen rund um den Globus die Meinungsfreiheit im Internet weiter beschneiden, wird  auch York nicht ruhen, den Stimmen der Unterdrückten Gehör zu verschaffen. Ebenso wenig wird ihre Wut schwinden, die sie in ihrem aussichtlosen Kampf antreibt. Diesen Herbst will sie wieder in den Mittleren Osten reisen. Diamanten besetzte Kuchen wird sie wohl so schnell nicht verschenken müssen.</p>
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		<title>Die Facebook-Fans der Rechtspopulisten</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 10:52:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hendrik Behnisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Islamischer Fundamentalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Jahren gewinnt der Rechtspopulismus politisch an Einfluss – in ganz Europa. Einer der Chefideologen dieser Bewegung ist Geert Wilders, der eben erst die niederländische Regierung zu Fall gebracht hat. Seine anti-muslimischen Ressentiments sind szenetypisch – und finden auch auf &#8230; <a href="http://politik-digital.de/die-facebook-fans-der-rechtspopulisten/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Europas prominentester Rechtspopulist: Der Niederländer Geert Wilders (PVV) / © Die Freiheit" href="http://politik-digital.de/die-facebook-fans-der-rechtspopulisten/wilders-3/" rel="attachment wp-att-116287"><img class="size-large wp-image-116287 alignnone" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/wilders2-630x419.jpg" alt="" width="630" height="419" /></a>Seit Jahren gewinnt der Rechtspopulismus politisch an Einfluss – in ganz Europa. Einer der Chefideologen dieser Bewegung ist Geert Wilders, der eben erst die niederländische Regierung zu Fall gebracht hat. Seine anti-muslimischen Ressentiments sind szenetypisch – und finden auch auf Facebook immer mehr Verbreitung, wie eine neue Online-Studie belegt.</p>
<p>Kürzlich hat Innenminister Friedrich auf dem YouTube-Kanal der Bundesregierung vor der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=n6R-93zpeP8" target="_blank">Gewaltbereitschaft der Salafisten in Deutschland gewarnt</a>. Anhänger dieser Splittergruppe des Islam, die als besonders rückwärtsgewandt und fundamentalistisch in ihrer Koran-Auslegung gilt, drängen bereits seit Monaten immer häufiger in die Öffentlichkeit.</p>
<p>Wo in der Vergangenheit nur Hassprediger Pierre Vogel Medienaufmerksamkeit bekam, mehren sich nun Beiträge über Aktionen der hierzulande etwa 4.000 Personen umfassenden radikal-islamischen Gruppe. Während Salafisten vor einigen Wochen noch friedlich kostenlose Koran-Exemplare in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte an Nicht-Muslime verteilten, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pro-nrw-anhaenger-und-salafisten-kundgebung-eskaliert-in-bonn-a-831570.html" target="_blank">kam es Anfang Mai in Bonn zur Gewalteskalation mit salafistischer Beteiligung</a>. Nachdem bei einer Demonstration der rechtsextremen Kleinpartei pro-NRW islamfeindliche Karikaturen gezeigt worden waren, gingen die beiden verfeindeten Gruppen aufeinander los. Dabei wurden vier Polizisten verletzt.</p>
<p>In rechtspopulistischer Lesart sind Geschehnisse wie dieses Ausdruck des Kulturkampfes, jenes anti-islamischen Leitmotivs ihrer politischen Agenda, die darauf abzielt, Europa vor einer „Islamisierung“ zu retten. Die jüngsten Aggressionen der muslimischen Minderheit der Salafisten und Innenminister Friedrichs Warnung vor 4.000 Radikalen sind Wasser auf ihre Mühlen. Rechtspopulisten, die sich als Verteidiger abendländischer Werte gegen eine angebliche Barbarei der islamisch geprägten Kultur inszenieren, haben europaweit den fein verästelten Stammbaum einer neuen Parteienfamilie ausgeprägt – vernetzt auch und vor allem über das Internet. Das populärste Forum der Islamfeinde ist hierzulande bislang das Blog <a href="http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/-politically-incorrect--im-netz-der-islamfeinde,10834438,10835026.html" target="_blank">„politically incorrect“</a>, doch sind sie dennoch gleichermaßen in den sozialen Medien auf dem Vormarsch – und holen Sympathisanten erfolgreich in deren täglichem digitalem Umfeld ab.</p>
<p><strong>Europaweite Vernetzung der Islamfeinde</strong></p>
<p>Wie intensiv die Rechtspopulisten der europäischen Parteienlandschaft bereits soziale Netzwerke wie Facebook nutzen, um ihre Ideen zu verbreiten, geht aus einer Studie des britischen Think Tanks <a href="http://www.demos.co.uk/" target="_blank">Demos</a> hervor, die bereits im November 2011 erschienen ist – aber nichts von ihrer Dringlichkeit und Aktualität eingebüßt hat. In ihrer Studie <a href="http://www.demos.co.uk/publications/thenewfaceofdigitalpopulism" target="_blank"><strong>„The new face of digital populism“</strong></a> mit dem Untertitel „The rise of populism in Europe can be traced through online behaviour&#8230;“ haben sich Mitarbeiter von Demos mit den Motiven und Hintergründen von Facebook-Fans namhafter europäischer Rechtsaußenbewegungen auseinandergesetzt. Dazu wurden Online-Fragebögen entworfen, die von Teilnehmern aus den entsprechenden Kreisen bearbeitet wurden.</p>
<p>Entscheidend für die Studie war es, Erkenntnisse über die Klientel zu gewinnen, die sich online zu rechtspopulistischen Parteien bekennt. 13.000 Facebook-Anhänger von 14 rechten Parteien und Bewegungen aus 11 westeuropäischen Staaten füllten den Fragebogen aus. Insgesamt beläuft sich die Anzahl derer, die bei einer der Gruppierungen den „Like“-Button gedrückt haben und sich somit regelmäßig von diesen auf Facebook informieren und updaten lassen, auf ca. 440.000 User.</p>
<p><strong>Männlich, gebildet, desillusioniert und multikulti-kritisch</strong></p>
<p>In Finnland war nach dem dortigen Rechtsruck bei der Parlamentswahl 2011 die Rede von einer <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/ueberraschungswahl-in-finnland-revolution-der-zornigen-maenner-a-757671.html" target="_blank">„Revolution der zornigen Männer“</a>. Diese Einschätzung des Politologen Heikki Hiilamo scheint sich auch europaweit im digitalen Raum zu bestätigen: Drei Viertel von ihnen sind demnach männlich, 63 Prozent  unter 30 Jahre alt.</p>
<p>Dass Zorn explizit als Triebkraft der Rechts-Sympathisanten genannt wird, soll aber nicht zu der Annahme verleiten, es seien lediglich leicht beeinflussbare bildungsferne und geringverdienende Schichten, die sich bei Facebook zu den Rechtspopulisten bekennen. Gut ein Drittel der Befragten gab an, Student/in zu sein, was womöglich das brisanteste Ergebnis der Studie darstellt. Geeint sind die Befragten aber nicht nur in ihrer Islamfeindlichkeit und EU-Skepsis, sondern auch in ihrem Misstrauen gegenüber den etablierten politischen Eliten (immerhin 80 Prozent). Desillusion und Politikverdrossenheit, kombiniert mit einem diffusen Gefühl von Xenophobie, das sich vor allem in Anti-Islamismus und der Ablehnung des Multikulturalismus äußert, lassen tief in die rechtspopulistische Seele blicken.</p>
<p>Dass ein „Like“-Button schnell angeklickt und nicht mit politischem Aktivismus zu verwechseln ist, ist nicht erst seit dem Seifenblasen-Support auf Facebook bekannt, der Ex-Verteidigungsminister Guttenberg während dessen Plagiatsaffäre widerfuhr. Hunderttausende Facebook-Fans, die sich mit Guttenberg solidarisierten, blieben bei den Demonstrationen pro Guttenberg mehrheitlich zu Hause. Auch die Demos-Studie zeigt, dass die Facebook-Gefolgschaft für die Rechtspopulisten nicht überbewertet werden sollte.</p>
<p>Einer von drei Befragten gab an, der Partei, deren Facebook-Fan er ist, beim letzten Mal nicht seine Stimme gegeben zu haben. Die allermeisten Befragten äußerten zudem, dass sie sich nicht als formale Mitglieder sehen. Also wird bei den Facebook-Fans eher eine Grundstimmung abgebildet, als dass man den Rechtspopulisten eine digital initiierte politische Sammlungskraft bescheinigen könnte. Mit anderen Worten: 400.000 rechte Facebook-Fans sind nicht mit 400.000 rechten politischen Aktivisten zu verwechseln.</p>
<p><strong>Methodische Schwächen der Studie</strong></p>
<p>Um diese Ergebnisse fair beurteilen zu können, sollte man sich auch ihre methodischen Schwächen vergegenwärtigen – auf die Demos selbst explizit hinweist. Zunächst ist davon auszugehen, dass von der Studie nur Anhänger erfasst werden, die aus ihren politischen Überzeugungen keinen Hehl machen. Die „heimlichen“ Rechten, die insbesondere nach den Breivik-Attentaten des vergangenen Jahres Angst vor gesellschaftlicher Ächtung haben, werden von der Studie nicht erfasst. Darüber hinaus sind die Identitäten und die Glaubwürdigkeit der zum Ausdruck gebrachten Motive nicht zweifelsfrei erwiesen. Es ist nicht unüblich, dass politische Gegner einer Partei deren Facebook-Seiten „infiltrieren“, um im Diskussionsbereich Unruhe zu stiften oder sich bequem über die Kampagnen der Gegenseite informieren zu lassen. Solche „falschen Fans“ könnten die Studie durchaus verzerrt haben: etwa durch extreme oder klischeehafte Antworten.</p>
<p>Außerdem sollte die Parteienauswahl kritisch betrachtet werden. Denn selbst wenn anti-muslimische Ressentiments die inhaltliche Klammer aller in der Studie berücksichtigten Gruppierungen bilden, so bestehen doch zwischen nationalliberalen Parteien wie etwa der niederländischen PVV, der deutschen „Freiheit“ oder der Dänischen Volkspartei und quasi-faschistoiden und militanten Gruppen wie der „English Defence League“ oder der „CasaPound Italia“ große Unterschiede. Parteiensteckbriefe zur Geschichte und zu signifikanten Medienauftritten ihrer Mitglieder am Ende der Studie ermöglichen es dem Leser allerdings, sich ein eigenes Urteil über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Europas Rechtsaußengruppen zu bilden.</p>
<p align="JUSTIFY">Aufgrund der methodischen Schwächen und der in diesem Rahmen kaum abzudeckenden Vielgestaltigkeit der untersuchten Szene ist die Demos-Studie als Ergänzung zu anderen Forschungsleistungen zum zeitgenössischen Rechtspopulismus zu sehen. Ihr primäres Verdienst ist es nicht nur, einen Beitrag zu diesem oft vernachlässigten Diskurs zu leisten. Viel entscheidender ist es, dass Demos versucht, interessierte Westeuropäer darüber zu informieren, was in ihren rechts gesinnten Landsleuten vorgeht und was sie antreibt. Wo die klassischen Leitmedien oft nur dämonisieren und die konstruktive Debatte mit den Sympathisanten der Rechtspopulisten unmöglich machen, bietet die Studie Chancen. Auch und vor allem den regierenden Politikern.</p>
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		<title>SPD Zukunftsdialog: Zwischen Ganztagsschulen und Linksverkehr</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 11:22:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hendrik Behnisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Adhocracy]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerdialog]]></category>
		<category><![CDATA[Liquid Democracy e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunftsdialog]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sozialdemokraten geben sich visionär. Mit einem Zukunftsdialog rufen die Genossen seit Februar 2012 interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu auf, im großen Stil über die Zukunft unseres Landes zu diskutieren. Auf der Website des Zukunftsdialogs kommt dabei die von Liquid &#8230; <a href="http://politik-digital.de/spd-zukunftsdialog-zwischen-ganztagsschulen-und-linksverkehr/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/spd-zukunftsdialog-zwischen-ganztagsschulen-und-linksverkehr/frank-walter-steinmeier-cropped-3/" rel="attachment wp-att-116143"><img class="alignnone size-full wp-image-116143" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/frank-walter-steinmeier-cropped2.jpg" alt="" width="599" height="375" /></a><br />
Die Sozialdemokraten geben sich visionär. Mit einem Zukunftsdialog rufen die Genossen seit Februar 2012 interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu auf, im großen Stil über die Zukunft unseres Landes zu diskutieren.</p>
<p>Auf der <a href="https://zukunftsdialog.spdfraktion.de/" target="_blank">Website</a> des Zukunftsdialogs kommt dabei die von Liquid Democracy e.V. entwickelte Beteiligungs-Software „adhocracy“ zur Anwendung. Diese ermöglicht es jedem Interessierten, an der politischen Diskussion teilzunehmen – im Bewusstsein, dass die SPD-Bundestagsfraktion letztlich Adressat der eigenen Beiträge ist. Andere User können Feedback geben, Vorschläge unterstützen, Gegenargumente vorbringen, kurz: sich an der digitalen Debatte beteiligen.</p>
<p style="text-align: left" align="CENTER">Die gleiche politische Leidenschaft und der gleiche Ideenreichtum, die oft in den Leser-Foren großer Online-Zeitungen oder am Stammtisch vorzufinden sind – dort aber häufig wirkungslos verhallen – soll im SPD-Zukunftsdialog direkt bei den Volksvertretern Gehör finden.<strong></strong></p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Soziale Themenschwerpunkte mit Signalwirkung</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Die Leitfragen des SPD-Zukunftsdialogs (<em>„Was wünschen Sie sich für unser Land im Jahr 2020? Wie wollen Sie leben?“</em> und <em>„Wie müssen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft heute dafür die Weichen stellen?“</em>) werden auf der Plattform auf konkrete Themen heruntergebrochen. Zu diesen Themen kann man in unterschiedlichen Gruppen selbst Beiträge anlegen und diejenigen anderer User kommentieren. Diskussionsgruppen, die bislang existieren, sind erwartungsgemäß am politischen Selbstverständnis der SPD orientiert: Es gibt Projektgruppen zu den Themen „Aktive Ganztagsschulen“, „Gleichstellung“, „Kreativpakt“, „Miteinander der Generationen“, „für eine neue moderne Infrastruktur“ sowie „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“.</p>
<p style="text-align: left">Es wird deutlich, dass die Genossen sich bemüht haben, Schlagworte mit Signalwirkung zu finden und der Themenauswahl einen sozialen Anstrich zu geben. So soll beispielsweise der „Kreativpakt“ zwischen Wirtschaft und Kunstschaffenden letztere besser absichern und nachdrücklicher würdigen. Auch das Vorhandensein einer Gruppe, die sich explizit der Gleichstellung von Männern und Frauen widmet, soll wohl verdeutlichen: „Auch wenn uns oft Gegenteiliges nachgesagt wird – wir sind noch immer anders als die CDU.“ Wer kein Freund der Sozialdemokraten ist, könnte sich also durch die Schlagwortverengung abgeschreckt fühlen – doch das wäre schade. Man würde sich einer Chance der unmittelbaren politischen Willensäußerung berauben und eine interessante politische Initiative ins Leere laufen lassen.</p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Die Genossen sind im digitalen Zeitalter angekommen</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Denn natürlich ist diese Form der Bürgerbeteiligung vor allem zu begrüßen – anstatt sich mit der vielzitierten Politikverdrossenheit abzufinden, wird hier die Zivilgesellschaft dazu ermutigt, in denkbar unkomplizierter Form Einfluss auf die Politik zu nehmen. Man kann es wohl auch als Umdenken bei den Sozialdemokraten deuten, nachdem es bislang den Anschein hatte, dass die etablierten Parteien und älteren Politikergenerationen verschlafen haben, der Digitalisierung der Lebenswelten vieler Bürger Rechnung zu tragen. Die Piratenpartei hat in der Tat kein Patent auf Internet-basierte, transparente Willensbildungsprozesse. Auch wenn sie sicherlich einer der Impulsgeber dafür war, ist es erfreulich, dass andere Parteien auf diesem Feld im großen Rahmen nachziehen und das Internet als Lebensraum vieler Bürger anerkennen und dementsprechende Initiativen starten.</p>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Die Partizipationsplattform der SPD stellt allerdings nicht die Pionierarbeit dar, als welche die Genossen sie zu verkaufen versuchen. Sie mögen die erste Bundestagsfraktion sein, die ein derartiges Projekt realisiert hat, aber das liegt nur daran, dass die Piraten (noch) nicht im Bundestag vertreten sind. Sicher hat man sich bei ihnen etwas abgeschaut. Auch die Bundeskanzlerin hat parallel eine von Ziel und Funktionslogik her <a href="https://www.dialog-ueber-deutschland.de" target="_blank">nahezu identische Online-Plattform</a> ins Netz gestellt.</p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Im Schatten von Frau Merkels Konkurrenz-Plattform</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Frau Merkels <a href="http://politik-digital.de/merkels-buergerdialog-%E2%80%9Eheute-frage-ich-sie/" target="_blank">Partizipationsplattform</a> (auf der man sich von Anfang Februar bis Mitte April betätigen konnte) kommt um einiges zugänglicher und formvollendeter daher. Während sich beim Aufrufen der SPD-Seite unweigerlich das Gefühl einstellt, man bewege sich in einem biederen Forum für Parteimitglieder, ist die Plattform der Kanzlerin um einiges einladender und übersichtlicher. Und wer wie die SPD auf absehbare Zeit wieder Regierungsverantwortung tragen möchte, muss sich auch an einer vergleichbaren Internetpräsenz der Kanzlerin messen lassen. Ungeachtet dieser ästhetischen Frage ist es entscheidend, einen Blick auf die Inhalte der beiden Plattformen zu werfen. Und auch hier kann der Besucher (und potentiell Partizipierende) zu einem zwiespältigen Urteil gelangen.</p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Ein höfliches Miteinander</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Es gibt gehaltvolle, ernsthafte und konstruktive Beiträge auf beiden Plattformen zu entdecken, keine Frage. Etwa dann, wenn es bei der SPD um das bedingungslose Grundeinkommen geht, das ein User fordert und dafür viel Zustimmung erfährt. Seine Argumentation am SPD-Grundsatzprogramm auszurichten, wie er es getan hat, zeugt von Auseinandersetzung mit der Materie. So muss es sein. Auch der Austausch über die Forderung, Männer und Frauen in allen Berufen gleich zu bezahlen, hat bisher einen recht angeregten Austausch von Meinungen im Zukunftsdialog nach sich gezogen. Der Umgangston der Diskutanten ist in der Regel höflich und respektvoll, es herrscht größtenteils ein konstruktives Gesprächsklima. Andere Themenbereiche wie etwa der „Kreativpakt“ sind jedoch bisher völlig verwaist. Doch schwerer als das Desinteresse (oder die Unwissenheit?) der Bürger wiegen unqualifizierte Beiträge, welche den Zukunftsdialog teilweise Seriosität kosten.</p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Auch Trolle mischen mit</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Da ist in der Tat allerlei Kurioses in den Diskussionsgruppen zu entdecken. Sei es nun der Spaßvogel, der auf der SPD-Plattform Linksverkehr fordert, weil „die das in England auch haben“ oder der türkische Mitbürger, der sein (Einzel-)Schicksal hierzulande beklagt und äußerst pauschal bessere Integrationspolitik fordert – derlei Plattformen laden eben ein  zu größtmöglicher Meinungsfreiheit. Alles muss raus. Egal, wie abstrus, unkonkret oder weltfremd. Nicht für jedermann nachvollziehbare persönliche Anliegen<em> </em>wie die Einführung eines „Beziehungsführerscheins“ oder „Persönlichkeitsentwicklung mit Tieren als Co-Trainer“ (auf der Plattform der Kanzlerin) fallen in dieselbe Kategorie. Gut möglich, dass einige dieser kuriosen Vorschläge nach bestem Wissen und Gewissen unterbreitet wurden – in sozialen Netzwerken würde man derlei Beiträge dennoch mehrheitlich als „Herumtrollen“ abtun. Die Schattenseite des digitalen Austauschs macht auch vor dem Zukunfstdialog nicht Halt. Ein Forumsbeitrag ist schnell mal nebenbei geschrieben – das, was keinen Aufwand erfordert, kann leicht an Ernsthaftigkeit einbüßen. Aber für spielerischen Zeitvertreib ist der Zukunftsdialog zu schade.</p>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Denn die Online-Diskussionsplattformen der SPD-Fraktion und der Bundeskanzlerin sind per se gute Initiativen, die eine entsprechende Würdigung verdient haben. Derlei Initiativen müssen jedoch noch nachdrücklicher kommuniziert werden, damit sie eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen. Bislang sieht die SPD-Plattform noch nicht allzu vielversprechend aus, was vermutlich an ihrer begrenzten Reichweite liegt. Daher stechen unfundierte und Spaßbeiträge noch hervor, welche  niveauvolle potentielle Mitdiskutanten abschrecken könnten, sich zu beteiligen.</p>
<h3 style="text-align: left" align="CENTER">Was der Dialog noch braucht</h3>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Eine Partizipationsplattform kann aber nur so gut sein wie die Beiträge derer, die sich auf ihr betätigen. Zu wünschen wäre dem Zukunftsdialog mehr Pluralismus und vitalerer Austausch, mehr lebendige Diskussionskultur aus verschiedenen Milieus und Bevölkerungsgruppen. Alles andere würde der Vision, die dahinter steht, nicht gerecht werden.</p>
<p style="text-align: left" align="JUSTIFY">Die Deadlines für die Bürgerbeiträge variieren. Einige Gruppendiskussionen sind abgeschlossen, andere sind bis Mitte Juni im Gange und offen für Interessenten. Grundsätzlich wird der Anspruch erhoben, dass alle Anregungen der Bürger in die Expertenrunden einfließen, die ein tragfähiges Zukunftskonzept für unser Land entwickeln sollen.</p>
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		<title>NRW-Linke: &#8220;Unser Wahlkampf ist ein harter Kampf gegen Zeit und Geld&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 16:15:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Marx</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf #nrw12]]></category>
		<category><![CDATA[Slider]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Irina Neszeri]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn am 13. Mai ein neuer Landtag in Nordrhein-Westfalen gewählt wird, müssen die Kandidaten der Partei DIE LINKE zittern. Die Demoskopen bescheinigen der Partei eine schwierige Ausgangslage, DIE LINKE droht an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Im fünften Teil der Interviewreihe &#8230; <a href="http://politik-digital.de/nrw-linke-unser-wahlkampf-ist-ein-harter-kampf-gegen-zeit-und-geld/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-linke-unser-wahlkampf-ist-ein-harter-kampf-gegen-zeit-und-geld/screenshot_hp_linke/" rel="attachment wp-att-116054"><img class="alignleft size-large wp-image-116054" title="Screenshot_HP_Linke" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Screenshot_HP_Linke-630x339.jpg" alt="Bild Startseite der Partei Die Linke in NRW" width="630" height="339" /></a>Wenn am 13. Mai ein neuer Landtag in Nordrhein-Westfalen gewählt wird, müssen die Kandidaten der Partei DIE LINKE zittern. Die Demoskopen bescheinigen der Partei eine schwierige Ausgangslage, DIE LINKE droht an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Im fünften Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach politik-digital mit Irina Neszeri, Leiterin Kommunikation bei DIE LINKE Nordrhein-Westfalen.<strong></strong></p>
<p><strong>politik-digital.de: </strong>Frau Neszeri, durch die vorgezogenen Neuwahlen sind keine lang angelegten Kampagnen möglich. Welche Schwierigkeiten und Besonderheiten ergeben sich<br />
aus dem kurzen Zeitfenster?</p>
<p><strong>Irina Neszeri:</strong> Tatsächlich stellt so ein kurzer und vor allem plötzlicher Wahlkampf eine<br />
kleinere Partei wie DIE LINKE vor enorme Herausforderungen. Drei Tage nach der<br />
Landtagsauflösung musste die Summe der Plakate feststehen, um ein entsprechendes<br />
Kontingent zu buchen, einige Tage später mussten die Layouts fertig sein.<br />
Wir benötigten außerdem einen Landesparteitag, um das Programm zu beraten und zu<br />
beschließen und eine Landesliste aufzustellen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass beides in angemessener demokratischer Weise eigentlich in so kurzer Zeit gar nicht zu machen ist. In NRW gibt es 53 Kreisverbände, in denen die Mitglieder miteinander Programm und Personal beraten, bevor ihre Delegierten dann beim Parteitag dazu Beschlüsse fassen. Diese Einbindung der tatsächlichen Basis, also der Mitglieder in den Städten und Kreisen, ist nicht möglich, wenn schon zwei Wochen nach der Landtagsauflösung ein Parteitag mit verkürzter Ladungsfrist stattfindet. Was sich der Gesetzgeber da wohl gedacht hat?</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Spielt der verkürzte Wahlkampf Ihres Erachtens eher großen oder kleinen Parteien, eher Regierungs- oder Oppositionsparteien in die Hände?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Die Regierung hat einen größeren Amtsbonus bei solch kurzfristigen Wahlen. Und nutzt ihn in NRW auch schamlos aus &#8211; wie mit der steuerfinanzierten &#8220;Tatkraft-Tour&#8221; von Hannelore Kraft. Einen noch erheblicheren Vorteil aber haben reiche gegenüber ärmeren Parteien und solche Parteien, die von bestimmten Medien hofiert werden.<br />
Alle Parteien außer der LINKEN erhalten erhebliche Summen an &#8220;Spenden&#8221;. Der Wahlkampf der LINKEN ist ein harter Kampf gegen die Zeit und das Geld.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Welche spezifischen Vorteile haben Online- gegenüber Offline-<br />
Wahlkämpfen?</p>
<div id="attachment_116051" class="wp-caption alignleft" style="width: 230px"><a href="http://politik-digital.de/nrw-linke-unser-wahlkampf-ist-ein-harter-kampf-gegen-zeit-und-geld/irina_neszeri/" rel="attachment wp-att-116051"><img class="size-full wp-image-116051" title="Irina_Neszeri" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Irina_Neszeri.jpg" alt="Foto von Irina Neszeri (Linke) bei der Arbeit" width="220" height="312" /></a><p class="wp-caption-text">Irina Neszeri (Foto: privat)</p></div>
<p><strong>Neszeri:</strong> &#8220;Offline&#8221; alleine funktioniert nicht mehr. Wenn wir Printmaterialien produzieren, denken wir dabei die Onlinedarstellung immer schon mit. Wenn wir Fotos machen, sind die sowohl für Plakate als auch für Internetseiten. Unseren Fotografen sage ich immer „Bitte auch an Bilder denken, die Ihr mir dann in 600 x 350 Pixel zugeschnitten schnell rübermailen könnt“, weil wir dieses Format auf der Internetseite benutzen. Der Vorteil für eine schnelle, neugierige und kreative Partei wie DIE LINKE in NRW liegt auf der Hand. Schnell und schlau kann im Netz eben auch gegen reich und korrupt gewinnen</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie fügt sich ihr Online-Wahlkampf in die Gesamtstrategie ein?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> &#8220;Online&#8221; greift doch in so gut wie alles ein, zumindest bei uns. Pressemitteilungen etwa schreiben wir gleichermaßen für die JournalistInnen wie für unsere Internetseiten, für unseren Facebook-Auftritt und für den großen Mailverteiler unserer Aktiven in den Kreisverbänden. Und gefaxt wird ja auch längst nicht mehr, sondern gemailt. In unserem Kommunikationsbüro spielt Papier fast keine Rolle &#8211; es ist nur wichtig, dass wir das richtige für Plakate, Postkarten, Flyer auswählen&#8230;</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Inwiefern konkurrieren Sie mit den Piraten um Wählerstimmen? Hat deren Umfragehoch Einfluss auf ihre Strategie?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Ja, natürlich sind die Piraten wichtig. Für die politische Landschaft, für uns und auch für unsere Strategie, aber in genau dieser Reihenfolge. Wir sind ja IdealistInnen, und Politik ist für uns kein Selbstzweck. Wählerstimmen sammeln wir nicht für Macht und Geld, sondern weil wir wirklich die Welt verbessern wollen. Dass es solche PolitikerInnen überhaupt geben kann, glaubt ja heute kaum noch jemand, das ist eins unserer größten Probleme beim Gewinnen von NichtwählerInnen.<br />
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin kamen die Piraten sehr sympathisch rüber, und ihr &#8220;Claim&#8221;, wie man so sagt, <em>Basisdemokratie</em>, kann ja nicht hoch genug wertgeschätzt werden. Und wenn sie der alten Politikerkaste netzpolitisch Beine machen, kann das auch nicht schaden. Inzwischen wirken die Piraten aber immer stärker wie eine Horde orientierungsloser Männer mit Rasierklingen unter den Achseln.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie stark setzen Sie in ihrer Online-Kampagne auf die Kandidatin, wie stark auf Themen? Inwieweit holen Sie sich prominente Unterstützung aus den eigenen Reihen?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Zu sogenannten &#8220;Promis&#8221; haben wir als LINKE eher ein gespaltenes Verhältnis. Das war schon bei Che Guevara so. Alle verehrten ihn, aber einen Führer wollte niemand.<br />
Eigentlich stehen bei uns die Inhalte im Mittelpunkt, und eigentlich wollen wir so viel<br />
Demokratie und Selbstbestimmung für unsere Mitglieder wie irgend möglich. Uneigentlich<br />
gibt es selbstverständlich auch bei uns bekannte und weniger bekannte, bühnenbegabte und weniger bühnenbegabte Menschen. Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht und auch unsere Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen gehören eindeutig zu den großen Bühnentalenten der politischen Republik.<br />
Online gibt es bei uns daher eine gesunde Mischung aus inhaltlichem Angebot und der<br />
Verknüpfung mit den Menschen, die dafür stehen. Den Löwenanteil an der Zuspitzung von<br />
Politik auf Einzelpersonen haben aber eindeutig die Macher der Massenmedien.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Welche Sozialen Netzwerke nutzen Sie für den Wahlkampf? Wie werden Facebook, Twitter und Co. eingesetzt?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Wir twittern weniger als andere, vielleicht weil wir so gern lange Ausführungen machen. Facebook nutzen wir als Plattform, werben aber nicht für die individuelle Benutzung. Wir versuchen stärker, dort Links zu setzen und die Leute einzuladen, auf unserer Internetseite zu stöbern oder dort unser Newsblog mit Kommentarfunktion zu nutzen. Facebook ist eine fiese Datenkrake. Insgesamt werden die sozialen Netzwerke zu wenig kritisch gesehen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Ihre Spitzenkandidatin in NRW nutzt bislang Twitter und Facebook nicht, um direkt mit den Bürgern zu interagieren. Wird sich das noch ändern?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Unsere Spitzenkandidatin ist persönlich nicht besonders Web 2.0-affin. Sie gehört zu denen, die viele persönliche Kontakte face-to-face pflegen, die abends lieber mit ihrer Familie zusammen ist als zu adden oder zu posten. Als Angebot für den Wahlkampf hat sie sich (selbst!) aber ein Facebookprofil zugelegt und kommt damit auch sehr gut zurecht.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Werden Sie ihr Newsblog nach der Wahl weiterführen oder ist es ein reines Wahlkampf-Tool?</p>
<p><strong>Neszeri:</strong> Wir wollen das sehr gerne weiterführen. Im Netz waren, sind und werden wir sehr aktiv sein. Wir haben in NRW eine ganze Crew von &#8220;Nerds&#8221;, die Spaß an der LINKEN und am Netz haben.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br />
Interviewreihe zum Online-Wahlkampf #nrw12:</strong></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-piraten-ein-mangelndes-finanzielles-budget-foerdert-die-kreativitaet-der-mitglieder/">Piraten: “Ein mangelndes finanzielles Budget fördert die Kreativität der Mitglieder”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-fdp-wer-onlinekommunikation-verschlaeft-kann-die-wahl-verlieren/">FDP: “Wer Onlinekommunikation verschläft, kann die Wahl verlieren”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-gruene-wir-verstehen-uns-als-digitaler-vorreiter/">Grüne: “Wir verstehen uns als digitaler Vorreiter”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/2012-nrw-onlinewahlkampf-cdu-interview/">CDU: „Wir führen keinen bunten ‘Gute-Laune-Wahlkampf‘“</a></p>
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		<title>Internetaktivismus: &#8220;Den Bürgern der Revolution zuhören&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 09:28:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Pauli</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Arabischer Frühling]]></category>
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		<category><![CDATA[Leila Nachawati]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<category><![CDATA[Syrien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie schützen sich die Bürger Syriens vor brutaler Repression? Wie kann der Westen helfen? Im Interview mit politik-digital.de fordert die spanische Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin Leila Nachawati Europa auf, den Stimmen der Revolution zu lauschen. Dieser Termin steht bei allen international &#8230; <a href="http://politik-digital.de/internetaktivismus-den-buergern-der-revolution-zuhoeren/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/internetaktivismus-den-buergern-der-revolution-zuhoeren/leila-aktivistin_630x340/" rel="attachment wp-att-115985"><img class="alignleft size-full wp-image-115985" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/leila-aktivistin_630x340.jpg" alt="" width="630" height="340" /></a><br />
Wie schützen sich die Bürger Syriens vor brutaler Repression? Wie kann der Westen helfen? Im Interview mit politik-digital.de fordert die spanische Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin Leila Nachawati Europa auf, den Stimmen der Revolution zu lauschen.</p>
<p>Dieser Termin steht bei allen international renommierten Bloggern fest im Terminkalender: Die Berliner <a href="http://re-publica.de/12/" target="_blank">&#8220;re:publica&#8221;</a> gilt als Europas größte Internet-Konferenz. Ein Schwerpunkt im Jahr 2012: Revolutionen &#8211; <a href="http://re-publica.de/12/track/revolt/" target="_blank">&#8220;re:volt&#8221;</a>. Zu Wort kamen renommierte Blogger und Online-Aktivisten, Dissidenten sowie deren Unterstützer im Westen, die den Stimmen des Protestes weltweit Gehör verschaffen. Unter ihnen auch die spanische <a href="http://leilanachawati.net/" target="_blank">Menschenrechtsaktivistin, Bloggerin und Kommunikationsexpertin</a> Leila Nachawati.</p>
<p>Nachawati schreibt für Global Voices Online, Periodismo Humano und Al-Jazeera. Aufgrund ihrer syrischen Herkunft setzt sie sich auch für eine Ausweisung aller syrischen Botschafter aus den Mitgliedsstaaten der EU ein. Bislang ohne Erfolg. politik-digital.de sprach Leila Nachawati kurz vor ihrem Vortrag auf der &#8220;re:publica&#8221; über das Recht der syrischen Gesellschaft, sich gegen die brutale Repression zur Wehr zu setzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Ägypten und Tunesien haben die ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten erlebt. Wie steht es in diesen Ländern heute um die Bürgerrechte?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Die Bürgerrechte sind alles andere als gesichert. Revolutionen werden nämlich dann kompliziert, wenn eine Diktatur stürzt. Das klare Ziel lautet zunächst: Weg mit dem Regime! Doch sämtliche Ansätze der Zivilgesellschaft wurden in jahrzehntelanger Diktatur  zerstört. Es wird Jahre, vermutlich eine ganze Generation dauern, und viel Anstrengung im Bereich der Bildung kosten, bis die Bürger wirklich in die Institutionen vertrauen können. Ich finde es alarmierend, wenn die westlichen Medien manchmal von diesen Ländern bereits eine konsolidierte Demokratie erwarten. Keine Revolution kann von heute auf morgen ein bestehendes Unrechtsregime in eine stabile Demokratie wandeln.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Welche Akteure werden beim Aufbau demokratischer Strukturen besonderen Einfluss gewinnen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Bis zu einem gewissen Punkt ist vorhersehbar, dass religiösen Parteien am ehesten Vertrauen entgegengebracht werden wird. Sie stellen die einzige bekannte Alternative zu den Regierungen dar, die niemals für den Schutz ihrer Bürger eingetreten sind, sondern im Gegenteil die Repression legitimiert haben. Auf der anderen Seite steht das Gesetz der Religion, bei dem nun viele Muslime Zuflucht suchen. Es ist für viele das einzig Verlässliche in einer Zeit, in der alles andere in Frage gestellt wird.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Der Westen unterstützt die Errungenschaften des Arabischen Frühlings. Gleichzeitig liefern <a title="Cyberrepression mit deutscher Technologie" href="http://politik-digital.de/cyberrepression-mit-deutscher-technologie/" target="_blank">westliche Firmen immer noch Überwachungstechnologie</a> an die Autokraten der arabischen Länder. Haben wir es hier mit einem doppelten Standard zu tun?</p>
<p><strong>Leila:</strong> Das ist eine interessante Frage. Normalerweise konzentrieren wir uns auf diplomatische und politische Möglichkeiten der Isolierung. Die Unternehmerseite spielt aber ebenfalls eine Rolle, da diese Akteure oft auf eigene Faust agieren. Große Unternehmen unterstützen und erhalten die technologische Infrastruktur in Nahost und Nordafrika. In diesen Staaten stammt 80 Prozent der Technologie aus den USA. Nun scheint die USA Kontrolle über den Export von Spionagetechnologie ausüben zu wollen. Der entsprechende Vorstoß aus dem Weißen Haus könnte ein erster positiver Schritt sein.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Reichen diese Maßnahmen aus, um die Gewalt in Syrien zu beeinflussen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Es muss viel mehr getan werden, da die extrem dramatische Situation in Syrien anhält. Durchschnittlich werden jeden Tag 100 Menschen getötet. Diese Zahlen sind ein Skandal. Was wir erreichen müssen ist ein Konsens in Europa, das Regime diplomatisch zu isolieren! Seit einem Jahr versuche ich mit einer Gruppe syrisch-spanischer Aktivisten der <strong>Asociación de Apoyo al Pueblo Sirio</strong>, die spanische Regierung zur Ausweisung des syrischen Botschafters zu bewegen. Doch die Mittel der Diplomatie und des wirtschaftlichen und politischen Drucks sind zu langsam, wenn man sich die drastische Zahl der geforderten Menschenleben vor Augen führt.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Dem syrischen Regime scheint &#8211; gemessen an seiner brutalen Vorgehensweise &#8211; am internationalen Ruf wenig gelegen zu sein. Bleibt schließlich nur die militärische Intervention, um Menschenleben zu retten?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Ich denke, dass das Regime<em> </em>sehr wohl auf internationale Legitimität bedacht ist. Damaskus hängt von ihr ab. Deshalb klammerst es sich mit aller Macht an Russlands Rückhalt. Ich persönlich befürworte keine militärische Intervention ab. Wie kann man einen Militäreinsatz fordern, während man selbst nicht von den Bombardements betroffen ist? Wir wissen, wie die NATO-Einsätze beginnen, aber nie, wie sie enden. Wie ich bereits sagte: Mich erstaunt, dass von militärischer Intervention gesprochen wird, noch bevor sämtliche diplomatische Mittel ausgeschöpft worden sind. Wir haben dabei versagt, die Isolierung diplomatisch, wirtschaftlich und politisch konsequent voranzutreiben.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Welche diplomatischen Mittel stehen überhaupt zur Verfügung?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Die Ausweisung aller syrischen Diplomaten! Denn die Botschafter aus Damaskus sind nicht Repräsentanten ihrer Bürger, sondern der diplomatische Arm der syrischen Diktatur in den jeweiligen Ländern des Westens. Baschar Al-Assad benötigt einen gewissen Grad an internationalem Rückhalt, da es sich in einer Phase totaler Delegitimierung befindet. Die Ausweisung aller syrischen Botschafter aus Europa wäre folglich ein tödlicher Schlag gegen das Regime und ich verstehe nicht, was noch kommen muss, damit sich unsere Regierungen endlich darauf verständigen, die Repräsentanten eines Regimes hinauszuwerfen, die brutal und beispiellos gegen ihre Bürger vorgehen.</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Können Sie hinsichtlich des verbleibenden diplomatischen Spielraums optimistisch in die Zukunft blicken?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> In Anbetracht einer Regierung, die ausschließlich mit militärischer Gewalt auf die Forderungen seiner Bürger reagiert, fällt es schwer, optimistisch zu sein. Optimistisch kann man nur sein, wenn zu den Waffen der Vernunft gegriffen wird. Nicht jedoch, wenn ein Regime keine Grenzen kennt, und zügellos zu Folter und Mord greift &#8211; Wir sehen doch: Je verzweifelter das Regime ist, umso verachtenswerter seine Gräueltaten, umso zahlreicher seine Verbrechen. Was werden sie noch alles anrichten können, bevor sie stürzen? Diese Überlegung gibt wirklich keinen Anlass zu Optimismus!</p>
<p><strong>politik-digital:</strong> Wie können wir im Westen den Wandel unterstützen?</p>
<p><strong>Nachawati:</strong> Vor Allem, indem wir konsequent sind. Dies müssen wir Bürger in Europa von unseren Regierungen und den Firmen verlangen, die unter deren Schirm agieren. Unsere Unterstützung muss den die Bürgern der Revolutionsländer gelten und nicht deren Regimes. Den Bürgern zuzuhören und nicht den illegitimen Regimes: Das wäre der erste Schritt. Wir können den Bloggern, den Aktivisten und den Nichtregierungsorganisationen unsere Stimme verleihen, wir müssen ihre Blogs und Homepages lesen, ihre Videos anschauen, ihren Gesprächen auf Facebook und Twitter folgen.</p>
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		<title>NRW-Piraten: &#8220;Ein mangelndes finanzielles Budget fördert die Kreativität der Mitglieder&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 15:02:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Marx</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf #nrw12]]></category>
		<category><![CDATA[Slider]]></category>
		<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas Lamla]]></category>
		<category><![CDATA[NRW-Landtagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Nordrhein-Westfalen. Laut Umfragen können die Piraten auch in NRW mit dem Einzug in den Düsseldorfer Landtag rechnen &#8211; es wäre ihr vierter Triumph in Folge. Im vierten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf &#8230; <a href="http://politik-digital.de/nrw-piraten-ein-mangelndes-finanzielles-budget-foerdert-die-kreativitaet-der-mitglieder/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_115936" class="wp-caption alignleft" style="width: 640px"><a href="http://politik-digital.de/nrw-piraten-ein-mangelndes-finanzielles-budget-foerdert-die-kreativitaet-der-mitglieder/piraten_rechner-2/" rel="attachment wp-att-115936"><img class="size-full wp-image-115936" title="Piraten Rechner" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Piraten_Rechner1.jpg" alt="Notebook mit Piratenaufkleber" width="630" height="340" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: CC-BY: Tobias M. Eckrich, piratpix.com</p></div>
<p><strong>Nur noch wenige Tage bis zur Wahl in Nordrhein-Westfalen. Laut Umfragen können die Piraten auch in NRW mit dem Einzug in den Düsseldorfer Landtag rechnen &#8211; es wäre ihr vierter Triumph in Folge. Im vierten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach politik-digital mit Lukas Lamla, Wahlkampfkoordinator und Listenkandidat (Platz 2) der PIRATENPARTEI Nordrhein-Westfalen.</strong></p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Herr Lamla, durch die vorgezogenen Neuwahlen sind keine lang angelegten Kampagnen möglich.Was ist für die Piraten die größte Herausforderung bei dem doch recht engen Zeitfenster?</p>
<p><strong>Lukas Lamla:</strong> Die mittlerweile erfolgreiche Zulassung zur Landtagswahl (42 Listen- und 128 Direktkandidaten) einschließlich der 1000 Unterschriften für die Landesliste und je 100 Unterschriften pro Direktkandidat innerhalb von zwei Wochen war wohl die größte Herausforderung. Dazu kam noch die Entwicklung und der Rollout von Plakaten, Flyern, Wahlkampfzeitungen usw., da wir -abgesehen von der Produktion- alles selbst machen und keine Marketingagenturen beauftragen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Spielt der verkürzte Wahlkampf Ihres Erachtens eher großen oder kleinen Parteien, eher Regierungs- oder Oppositionsparteien in die Hände?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Eher den großen Parteien. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit nicht vorhandene Wahlkampfstrukturen aus dem Boden stampfen. Dies war in der ersten Phase mit Abstand die größte Herausforderung. Ob dabei jedoch Regierungs- oder Oppositionsparteien bevor- oder benachteiligt sind, vermag ich nicht zu beurteilen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Welche spezifischen Vorteile haben Online-Wahlkämpfe gegenüber Offline-Wahlkämpfen?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Online-Wahlkämpfe sind 24/7, also rund um die Uhr, möglich. Man erzielt mit wenig »Personal« eine wesentlich größere Reichweite.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Die etablierten Parteien haben Schwierigkeiten, Wähler über das Netz zu gewinnen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Die etablierten Parteien haben möglicherweise zu wenig aktive Mitglieder mit einer „natürlichen“ Nähe zum Netz. Kampagnen wirken so schnell gekünstelt&#8230;</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Die Piraten wiederum haben möglicherweise Probleme, ihre Wähler offline zu mobilisieren: Wie meistern Sie das, wie lernen Sie „offline-Wahlkampf“?</p>
<div id="attachment_115893" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://politik-digital.de/nrw-piraten-ein-mangelndes-finanzielles-budget-foerdert-die-kreativitaet-der-mitglieder/lukas-lamla/" rel="attachment wp-att-115893"><img class=" wp-image-115893   " title="Lukas Lamla" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Lukas-Lamla.jpg" alt="Lukas Lamla, Wahlkampfkoordinator Piraten NRW" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Lukas Lamla (Foto CC-BY: Tobias M. Eckrich, piratpix.com)</p></div>
<p><strong>Lamla:</strong> „Offlineprobleme“ sehe ich bei den Piraten nicht. Wir sind sehr aktiv mit Infoständen, an denen auch viele Bürger die Möglichkeit nutzen, sich zu informieren. Ganz bewusst sind wir in diesem Wahlkampf überall auf die Straße gegangen und konnten vielen Bürgerinnen und Bürgern zeigen, dass wir auch bei Ihnen vor Ort sind.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie erfolgreich ist bislang der Wahlkampf der Piraten in NRW?<br />
<strong><br />
Lamla:</strong> Wie misst man denn den Erfolg eines Wahlkampfes vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse am 13. Mai abends? Gemessen an den aktuellen Umfragewerten sind wir erfolgreich, gemessen an dem Mitgliederzuwachs der letzten Wochen, ebenfalls. Der Zuspruch auf der Straße ist wirklich überwältigend. Manch ein Pirat musste sich regelrecht bejubeln lassen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Welche besonderen Herausforderungen gibt es im NRW-Wahlkampf, gerade im Vergleich zu den Wahlkämpfen in Berlin und im Saarland?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> NRW ist ein heterogenes Flächenland mit Großstädten, Ballungsgebieten, aber auch ländlichen Regionen. Hier war es stärker nötig, sich an die jeweiligen Anforderungen vor Ort anzupassen.</p>
<p><strong>Politik-digital.de:</strong> Wie mobilisieren Sie eigentlich Wähler in ländlichen Regionen?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Wir planen noch weitere spezifische Aktionen in ländlichen Regionen, da wir hier noch nicht so stark verbreitet sind. Es ist wichtig, auch in den ländlichen Regionen Präsenz zu zeigen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Ihrer Partei stehen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als großen Parteien: sehen Sie sich Ihren Konkurrenten gegenüber benachteiligt?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Ich glaube, dass wir durch unsere Infrastruktur und die vielen fleißigen Helfer sehr gut aufgestellt sind. Natürlich wären größere finanzielle Mittel hilfreich, aber wir kompensieren das mit unseren Wahlkampfhelfern aus dem ganzen Bundesgebiet schon sehr gut. Zudem stelle ich fest, dass ein mangelndes finanzielles Budget die Kreativität der Mitgliedern fördert. So entstehen aus der Not heraus viele unglaublich schöne Ideen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Was sind die Vorteile von Twitter im Wahlkampf, wen können Sie über Facebook besser erreichen?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Ich glaube nicht, dass man das so sehr voneinander trennen kann. Sicherlich ist Facebook etwas mehr &#8220;Mainstream&#8221; als Twitter. Wir nutzen beide Plattformen parallel. Twitter dient dabei mehr der spontanen Mobilisierung der Mitglieder und einem schnelleren Transport von Informationen.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Die Wahlkampf-Internetseite der NRW-Piraten hat kaum Auffälligkeiten. Müssen Sie sich im Netz nicht so sehr ins Zeug legen wie die anderen Parteien?</p>
<p><strong>Lamla:</strong> Eine Internetseite muss funktional, übersichtlich und informativ sein. Ich finde, unsere Seite erfüllt diese Anforderungen. Mit einer Internetseite gewinnt man jedoch keinen Wahlkampf, darum legen wir uns mit unserem Wahlprogramm umso mehr ins Zeug.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br />
Interviewreihe zum Online-Wahlkampf #nrw12:</strong></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-fdp-wer-onlinekommunikation-verschlaeft-kann-die-wahl-verlieren/">FDP: “Wer Onlinekommunikation verschläft, kann die Wahl verlieren”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-gruene-wir-verstehen-uns-als-digitaler-vorreiter/">Grüne: “Wir verstehen uns als digitaler Vorreiter”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/2012-nrw-onlinewahlkampf-cdu-interview/">CDU: „Wir führen keinen bunten ‘Gute-Laune-Wahlkampf‘“</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-linke-unser-wahlkampf-ist-ein-harter-kampf-gegen-zeit-und-geld/">Linke: “Unser Wahlkampf ist ein harter Kampf gegen Zeit und Geld”</a></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Französischer Präsidentschaftswahlkampf:  Welche Rolle spielte das Internet?</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 14:06:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jacob Leidenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach intensiven Wahlkampf-Wochen in Frankreich ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Während das Internet als Kampagnen-Kanal an Bedeutung gewonnen hat, spielten auch klassische Wahlkampfinstrumente weiterhin eine wichtige Rolle. Eines ist schon jetzt sicher: Kein Wahlkampf in Frankreich stand &#8230; <a href="http://politik-digital.de/franzoesischer-praesidentschaftswahlkampf-welche-rolle-spielte-das-internet/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/franzoesischer-praesidentschaftswahlkampf-welche-rolle-spielte-das-internet/sarkozyhollande/" rel="attachment wp-att-115720"><img class=" wp-image-115720 alignleft" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/sarkozyhollande.jpg" alt="Wahlplakate Sarkozy, Hollande" width="589" height="318" /></a>Nach intensiven Wahlkampf-Wochen in Frankreich ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen: Während das Internet als Kampagnen-Kanal an Bedeutung gewonnen hat, spielten auch klassische Wahlkampfinstrumente weiterhin eine wichtige Rolle.</p>
<p>Eines ist schon jetzt sicher: Kein Wahlkampf in Frankreich stand bislang so sehr im Zeichen des Internet wie jener des Jahres 2012. Seit der vorherigen Präsidentschaftswahl vor fünf Jahren hat sich die französische Online-Landschaft in der Tat grundlegend gewandelt – und mit ihr die Art und Weise, Wahlkampf zu führen. Während etwa der Microblogging-Dienst Twitter erst 2006 gegründet wurde und damit im vergangenen Wahlkampf keine Rolle spielte, ergibt sich fünf Jahre später ein völlig anderes Bild: Mit 5,2 Millionen Mitgliedern in Frankreich kann sich kein Kandidat mehr erlauben, in seiner Kampagne auf Twitter zu verzichten. Dies gilt in noch stärkerem Maße für Facebook, denn seit 2007 hat sich die Anzahl der französischen Nutzer von einer Million auf etwa 23 Millionen erhöht.</p>
<p>Deshalb erscheint es nur konsequent, dass alle Kandidaten auf die sozialen Netzwerke setzten und nicht mehr auf die „blogosphère“ wie noch 2007. Als amtierender Präsident hat Sarkozy die meisten Fans auf Facebook vorzuweisen und funktionierte seinen Auftritt kurzerhand in ein Wahlkampfinstrument mit vielen Abonnenten (625.000) um. Diese bekamen regelmäßig Informationen über den Verlauf der Kampagne und die Wahlkampftermine. Mit dem offiziellen Start von Sarkozys Wahlkampf kam schließlich auch ein Twitter-Konto hinzu, das sein Hauptkonkurrent François Hollande zu diesem Zeitpunkt bereits eingerichtet hatte. Insgesamt ging es dabei weniger um das Entwickeln neuer Argumente, als vielmehr um das Festigen und Verteidigen eingenommener Positionen.</p>
<h3>Fernsehen als Informationskanal vorne, Webkampagnen  nicht wahlentscheidend</h3>
<p>Wenngleich die französischen Präsidentschaftskandidaten versuchten, ihre Wähler verstärkt über Facebook und Co. anzusprechen, bleibt das Fernsehen laut einer Studie des Umfrageinstituts CSA trotzdem das bevorzugte Informationsmedium der Franzosen während dieser Wahl. Dies hat nicht zuletzt das gestrige TV-Duell zwischen Hollande und Sarkozy gezeigt, das über 17 Millionen Zuschauer verfolgten. Das Fernsehen diente insgesamt 74 Prozent der französischen Wähler als wichtigste Informationsquelle, während nur etwa 40 Prozent das Internet hierbei angeben. Die Newsseiten der großen Anbieter wie Yahoo, Google oder Orange sowie die Online-Auftritte etablierter Leitmedien wie Lemonde.fr oder Lefigaro.fr waren dabei mit Abstand die am meisten abgerufenen Adressen. Nur ein kleiner Teil der Wähler beschaffte sich dagegen vorwiegend via Facebook, Twitter und Co. (15 Prozent) oder über die Kandidaten-Webseiten (10 Prozent) die notwendigen Informationen. Somit dürfte auch die erhoffte Beeinflussung der Wahlabsichten gering bleiben, welche die Kandidaten hierdurch erreichen wollen. In jedem Falle war die Webkampagne damit nicht wahlentscheidend.</p>
<p>Dennoch wäre es ein Fehler, die Rolle des Internet und der Onlinemedien als unerheblich zu qualifizieren – schließlich findet das Teilen von Informationen vorwiegend im privaten Rahmen statt, was die Nutzer umso empfänglicher für die Standpunkte ihrer „Online-Freunde“ macht. Dies wissen auch die Macher der Kandidatenwebsites wie Manuel Diaz, Manuel Diaz, seines Zeichens Chef der Webagentur Emakina, die Sarkozys Online-Auftritte realisierte. Diaz stellte dabei das „Storytelling“ in den Mittelpunkt von Sarkozys Webauftritten. Dabei ging es in erster Linie darum, den Nutzern Eindrücke und Stimmungen von der Kampagne zu liefern und diese mit Zitaten, markanten Sprüchen, Videoausschnitten und Bildern anzureichern. Allein deshalb gehört das regelmäßige Posten von Informationen zur Pflicht für alle Bewerber um das Präsidentenamt. Doch die Online-Auftritte der Kandidaten dienten auch als effizientes Mittel, um interne Wahlkampfaktionen zu koordinieren.</p>
<p>François Hollande, der verstärkt auf klassische Wahlkampfmobilisierung wie das direkte Werben um Wählerstimmen an der Haustüre setzte, organisierte eben diese über das Internet und orientierte sich damit an Obamas erfolgreicher Strategie aus dem Jahr 2008. Hollande griff zudem mit Direkt-E-Mailing auf ein seit langem bewährtes Mittel zurück und hatte damit großen Erfolg: Etwa eine Million Abonnenten empfingen täglich E-Mails von Hollandes Wahlkampfteam, was dem Sozialist erlaubte, in ständigem und direkten Kontakt mit seinen Wahlkämpfern vor Ort zu stehen. Zwar ist das Sammeln von E-Mail-Adressen und das Verschicken von Newslettern alles andere als ein Novum, jedoch gelang es keinem anderen Kandidaten auch nur annähernd, an die Anzahl der direkten Kontakte von Hollande anzuknüpfen. Ein Beispiel: Nicolas Sarkozys Webteam verfügt über lediglich 200.000 Mailkontakte und bleibt damit weit hinter Hollande zurück. Der Verantwortliche von Sarkozys Webkampagne von 2007, Arnaud Dassier, sieht als Hauptgrund für dieses Problem die späte Ankündigung von Sarkozys Kandidatur Mitte Februar und fügt ironisch hinzu: „Das ist ein bisschen spät, um mit dem Sammeln von Adressen zu beginnen“. Hollande begann hiermit bereits im Sommer 2011.</p>
<h3>Online- und Offline-Maßnahmen zusammen prägen das Bild der Kandidaten</h3>
<p>Allerdings hat sich in diesem Wahlkampf auch gezeigt, dass das Internet den Kandidaten nicht nur in eigener Sache dient, sondern es auch zunehmend zur Disqualifizierung und zum „Fakten-Checking“ genutzt wird. Unvergessen bleibt etwa der Coup von jungen Sarkozy-Unterstützern, die sich frühzeitig eine Domain mit dem zentralen Wahlkampfslogan François Hollandes („lechangementcestmaintenant.fr“) sicherten, um hierauf das Wahlprogramm des Sozialisten zu diskreditieren. Zudem erfreuten sich Seiten wie „Vigie 2012.fr“ oder „itele.owni.fr“ großer Beliebtheit, auf denen die Nutzer den Wahrheitsgehalt der Aussagen aller Kandidaten zu bestimmten Themen (z.B. Europa) überprüfen konnten.</p>
<p>Als besonders effektiv erwiesen sich jedoch erst die parallele Nutzung mehrerer Wahlkampfkanäle: Zum einen spielten die klassischen „Meetings“ eine wichtige Rolle, welche die Kandidaten mit Hilfe ihrer Webteams online gekonnt in Szene setzten und damit – wie im Falle von Twitter – vor allem Journalisten ansprechen konnten. Dass das Internet alleine wenig, im Zusammenspiel mit klassischen Wahlkampfinstrumenten aber doch viel bewegen kann, bestätigte auch die bereits erwähnten CSA-Studie: so glauben etwa 58 Prozent der französischen Wähler, dass das Internet die Präsenz der Kandidaten nicht verbesserte, und 44 Prozent geben an, dass sich die Themen der Kampagne nicht über das Web beeinflussen lassen. Allerdings vermuten 38 Prozent der Franzosen, dass sich das Internet positiv auf die politischen Wahldebatten auswirkte.</p>
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		<title>Internationaler Tag der Pressefreiheit: Blog-Brücken schlagen</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 13:27:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ralf Pauli</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Blogger sind sie. Brückenbauer zwischen den Welten. Als Emissäre für die Pressefreiheit hat die Deutsche Welle renommierte Blogger aus China, Iran, Ägypten, Russland und Bangladesh in Berlin zusammengebracht. Ihr gemeinsamer Appell: Blogger als Reporter für Mainstream-Medien einsetzen. Das Timing ist &#8230; <a href="http://politik-digital.de/internationaler-tag-der-pressefreiheit-blog-bruecken-schlagen/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/internationaler-tag-der-pressefreiheit-blog-bruecken-schlagen/dw_blogger_shahidul-alam_580_2/" rel="attachment wp-att-115492"><img class="alignleft size-full wp-image-115492" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/dw_blogger_shahidul-alam_580_2.jpg" alt="Blogger Shahidul Alam (Foto: Ralf Pauli)" width="580" height="373" /></a><br />
Blogger sind sie. Brückenbauer zwischen den Welten. Als Emissäre für die Pressefreiheit hat die Deutsche Welle renommierte Blogger aus China, Iran, Ägypten, Russland und Bangladesh in Berlin zusammengebracht. Ihr gemeinsamer Appell: Blogger als Reporter für Mainstream-Medien einsetzen.</p>
<p>Das Timing ist perfekt &#8211; nicht nur bei seiner spektakulären Flucht aus dem Hausarrest hat der blinde Bürgerrechtler Chen Guangcheng den geeigneten Zeitpunkt abgewartet. Trotz aller Bemühungen der chinesischen Führung, die Flucht zu verheimlichen, verbreitete sich die Nachricht dank chinesischer Blogger wie ein Lauffeuer &#8211; pünktlich zum internationalen Tag der Pressefreiheit. Ohne das Web, so <a href="http://re-publica.de/12/person/isaac-mao/" target="_blank">Isaac Mao</a>, wäre Chens Flucht nicht möglich gewesen. Mao, selbst einer der bekanntesten Blogger der Volkrepublik China, weiß, wovon er spricht. Er kennt die Fluchthelferin Chens persönlich, spricht von ihr als &#8220;that girl&#8221;. Mao verrät, dass die Fluchtdetails online vorbereitet wurden, dass in der chinesischen Blogosphäre der Informationsaustausch über Chen als Machtdemonstration der sozialen Medien wahrgenommen wird. Staatliche Filter und Account-Sperren können die Verbreitung nicht aufhalten. Die Blogger weichen auf ausländische Dienste wie Facebook aus und chiffrieren ihre Texte. Jeder wisse, dass mit &#8220;er&#8221; Chen gemeint sei.</p>
<p>Ein Dissident fordert das politische System heraus &#8211; und jeder kriegt es mit. Der chinesischen Führung entgleitet die Kontrolle. Ein Wendepunkt im Kampf für die Meinungsfreiheit? Mao glaubt daran. Vorfälle wie dieser werden in den staatlichen Medien in China mit keiner Zeile, mit keinem Wort erwähnt. Vor beinahe zehn Jahren, führt Mao während des von der Deutschen Welle organisierten Pressegesprächs am Montag in Berlin fort, habe Chen die erste Warnung vom Regime erhalten. Nur habe in China damals niemand von den Prügeln erfahren, die Chen für seine Recherchen zur Ein-Kind-Politik einstecken musste. Heute sind seine Enthüllungen um Zwangsabtreibungen und Sterilisationen von Frauen, die fadenscheinige Verurteilung 2006 sowie seine Freilassung 2010 mit anschließendem Hausarrest in China bekannt &#8211; seine gelungene Flucht in die US-Botschaft nach Peking entblößt die chinesische Führung vor der Internationalen Gemeinschaft &#8211; dank Social-Media-Aktivisten. Der Anfang des &#8220;chinesischen Frühlings&#8221;?</p>
<h3><strong>Chen Symbol für die Macht der Sozialen Medien in China</strong></h3>
<p>Dass neue Medien nicht nur den Regimesturz beschleunigen können, sondern auch demokratische Verfahren transparenter und partizipativer machen, hofft auch <a href="http://re-publica.de/12/person/tarek-amr/" target="_blank">Tarek Amr</a>, ebenso wie viele seiner Landsleute. Der ägyptische Blogger hat miterlebt, wie aus Netzaktivisten Politiker oder Journalisten unabhängiger Medien wurden. Wie er selbst. Amr schreibt für <a href="http://globalvoicesonline.org/" target="_blank">Global Voices Online</a>. Andere Blogger gingen in die Politik &#8211; und twittern heute direkt aus dem ägyptischen Parlament. Wie effektiv die Zusammenarbeit für die demokratische Kontrolle sein kann, legt Amr am Beispiel der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung dar, die das Parlament &#8211; in dem die gemäßigten Islamisten die stärkste Fraktion sind &#8211; gegen den Wunsch der Bürger nach fairer Vertretung aller Interessensgruppen zu Gunsten der Mehrheit durchsetzen wollte. Die Proteste auf der Straße und in den Medien brachten die  Parlamentarier von ihrem Vorhaben ab. Sie verschoben die Wahl.</p>
<p>Gerade bei Wahlfälschungen ist die Mobilisierung über Facebook oder Twitter enorm, wie die Erfahrungen in Iran 2009 und in Russland im März dieses Jahres gezeigt haben. Doch im Gegensatz zum harten Durchgreifen während der &#8220;Grünen Revolution&#8221;, die &#8211; wie der Exil-Iraner <a href="http://re-publica.de/12/person/arash-abadpour/" target="_blank">Arash Abadpour</a> berichtet, viele regimekritische Blogger ins Exil trieb, hat die russische Opposition mit dem zivilgesellschaftlichen Protest eine Art Oppositionskultur für sich entdeckt. Der russische Top-Blogger, Journalist und Internet-Experte <a href="http://thebobs.com/deutsch/2012/alexander-plushev/" target="_blank">Alexander Plushev</a> zeigt sich selbst einigermaßen überrascht vom Umfang der Protestewegung. Am 6. Mai wird sich die Opposition erneut formieren, um am &#8220;Marsch der Millionen&#8221; gegen die Wiederwahl Putins teilzunehmen &#8211; einen Tag vor der Amtseinführung des jetzigen Premierministers. Plushev geht davon aus, dass die Bewegung von Dauer sein wird.</p>
<h3><strong>Blockierte Facebook-Gruppe &#8220;Who is sexier?&#8221; harmlos   </strong></h3>
<p>So hoffnungsvoll wie in Russland heute, so still ist es um die Opposition in Iran. Abadpour, dessen Blog zu den 20 meist gelesenen in persischer Sprache zählt, liefert die Begründung dafür: In Iran werde bereits die Auslebung &#8211; gemessen an westlichen Standards &#8211; banaler Aktivitäten wie etwa eine Wasserpistolen-Schlacht zu sozialem Aktivismus gerechnet. Die moralischen Ansprüche, die die religiöse Führung des islamischen Staates an die Gesellschaft stellt, gelten auch für das Internet.  In diesem &#8220;guten Internet&#8221; &#8211; führt der in Kanada lebende Blogger am Montag in Berlin aus &#8211; hätten auch harmlose Facebook-Seiten keinen Platz.  Dieses Vorgehen könnte aufgrund ihrer &#8220;absurden&#8221; Verhältnislosigkeit in einen Regimesturz münden &#8211; ein Beispiel für Ethan Zuckermans &#8220;Cute Cat Theory&#8221;, die besagt, dass überwachte Bürger sich erst von der Zensur betroffen fühlen, wenn der Staat in banale Alltagsdinge eingreift.</p>
<p>Oftmals jedoch dringen solche Umstände nicht aus der &#8220;Sprachinsel&#8221; des jeweiligen Landes oder Kulturgreises heraus, bilanziert <a href="http://re-publica.de/12/person/markus-beckedahl/" target="_blank">Markus Beckedahl</a>, deutscher Blogger und Mit-Gründer und Veranstalter der <a href="http://re-publica.de/12/" target="_blank">re:publica</a>, auf der die internationalen Blogger auch in verschiedenen Beiträgen als Redner auftreten. Erst durch die Übersetzung seines Blogs in eine andere Sprache könne er außerhalb des deutschsprachigen Raumes gelesen werden. Beckedahl nennt dies &#8220;BridgeBlogging&#8221;, das Überbrücken von Sprachbarrieren. Doch was konkret könne in westlichen Medien &#8211; abgesehen von der Weiterverbreitung von Bloggereinträgen rund um die Welt &#8211; zur Unterstützung der Meinungsfreiheit unternommen werden? Blogger vor Ort als Reporter anheuern &#8211; dieser Appell an große westliche Medien trifft bei den Anwesenden auf ungeteilte Zustimmung. Die Deutsche Welle unterstützt Blogger weltweit. Seit 2004 vergibt sie die  <a href="http://thebobs.com/deutsch/" target="_blank">BOBs-Award</a>. Die geladenen Blogger waren Teil der Jury. Hauptgewinner ist der persische Blogger und Journalist Arash Sigarchi mit seinem Blog <a href="http://sigarchi.net/blog/" target="_blank">&#8220;Window of Anguish&#8221;</a>. Mit der Auszeichnung will die Deutsche Welle &#8220;im Sinne der Meinungsfreiheit den offenen Diskurs im Internet vorantreiben.&#8221;</p>
<h3><strong>BOB-Awards: Iranischer Blog ausgezeichnet</strong></h3>
<p>Für die Chefredakteurin der Deutschen Welle, Ute Schaeffer, liegt der Wert der Blogger nicht allein darin, dass sie sich der freien Meinungsäußerung bedienen. Er rührt auch von ihrem Drang, &#8220;soziale Missstände zu beleuchten und ihre authentische Sicht auf Dinge zu teilen, die oftmals von staatlicher Zensur betroffen sind.&#8221; Das führe zu innovativen und kreativen Wegen der Meinugsäußerung. Das gilt allen voran für den Pakistani <a href="http://re-publica.de/12/2012/04/16/vom-internet-in-kinderschuhen-und-totalitaren-staaten/" target="_blank">Shahidul Alam</a>. Der renommierte Photograph setzt sich derzeit für den Ausbau des Internet in den ländlichen Regionen des Landes ein. Denn Informationen aus dem Netzt seien oft die einzige alternative Quelle zu den Staatsmedien. Bestehende Strukturdefizite bei Fernsehen und Rundfunk ergäben, dass nur der staatliche Fernsehsender landesweit senden könne -  private Anbieter müssten auf das regional begrenzte Kabelnetz zurückgreifen. Gleiches gelte für den Hörfunk. Mit jedem ans Netz angeschlosse ipod-touch, das Alam verteilt, wird das de facto-Informationsmonopol des Staates ein Stück eingeschränkt. Ein Korrespondenznetzwerk soll die weitgehend fehlende Infrastruktur in ländlichen Gebieten überbrücken, schließt Alam.</p>
<p>So unterschiedlich die Erfahrungen der Blogger mit den Bürgerrechten in ihren Heimatländern Iran, Bangladash, Ägypten, China und Deutschland auch sein mögen, so unbestritten ist ihr Verdienst um das Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch wenn kritische Töne &#8211; etwa beim Thema westliche Überwachungstechnologie im Nahen Osten oder nur punktuelle Zusammenarbeit der westlichen Medien mit Bloggern weltweit – angeschnitten worden sind, wünschen sich alle Beteiligten eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Mainstream-Medien. Die Deutsche Welle geht hier mit multimedialen Projekten voran. „Jetzt bitte noch auf einer täglichen Basis und nicht nur einmal im Jahr&#8221; – wünscht sich Mao. Dann würden aus Bloggern sicherlich noch schneller Brückenbauer. Und die Presse freier – im Weltdorf.</p>
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		<title>NRW-FDP: &#8220;Wer Onlinekommunikation verschläft, kann die Wahl verlieren&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 11:25:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Marx</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf #nrw12]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 13. Mai wird in NRW gewählt. Die FDP kämpft unter der Führung ihres Spitzenkandidaten Christian Lindner um den Einzug in den Düsseldorfer Landtag. Derzeitige Umfragen prognostizieren eine Zitterpartie für die Liberalen. Im dritten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach &#8230; <a href="http://politik-digital.de/nrw-fdp-wer-onlinekommunikation-verschlaeft-kann-die-wahl-verlieren/" class="read_more">&#160;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-fdp-wer-onlinekommunikation-verschlaeft-kann-die-wahl-verlieren/nrwfdp2/" rel="attachment wp-att-115837"><img class="alignleft size-full wp-image-115837" title="NRWFDP2" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/NRWFDP2.jpg" alt="Screenshot Homepage FDP NRW" width="630" height="340" /></a>Am 13. Mai wird in NRW gewählt. Die FDP kämpft unter der Führung ihres Spitzenkandidaten Christian Lindner um den Einzug in den Düsseldorfer Landtag. Derzeitige Umfragen prognostizieren eine Zitterpartie für die Liberalen. Im dritten Teil der Interviewreihe zum NRW-Onlinewahlkampf sprach politik-digital mit Moritz Kracht, Pressesprecher der FDP Nordrhein-Westfalen.</p>
<p><strong>politik-digital.de: </strong>Herr Kracht, aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen sind keine lang angelegten Kampagnen möglich. Welche Schwierigkeiten und Besonderheiten ergeben sich aus dem kurzen Zeitfenster?</p>
<p><strong>Moritz Kracht:</strong> Während man im Regelfall für einen Wahlkampf einen Vorlauf von neun bis zwölf Monaten hat, muss dieses Mal alles viel schneller gehen: Organisation von Parteitagen und Aufstellungsversammlungen, Programmerarbeitung, Kampagnenplanung und so weiter. Das ist natürlich für alle Parteien ein besonderer Kraftakt.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Spielt der verkürzte Wahlkampf Ihres Erachtens eher großen oder kleinen Parteien, eher Regierungs- oder Oppositionsparteien in die Hände?</p>
<p><strong>Kracht:</strong> Eine allgemeine Aussage, ob es Regierung oder Opposition bei diesen Rahmenbedingungen leichter haben, ist in meines Erachtens nicht zu machen. In NRW ging dem Wahlkampf das Scheitern der Landesregierung voraus, das hat mit Sicherheit der Opposition Auftrieb gegeben. Ein verkürzter Wahlkampf von 60 Tagen kann aber für eine kleinere Partei eine Chance sein: Während in einem langen Wahlkampf die großen Parteien ihre Überlegenheit an personellen und finanziellen Ressourcen ausspielen können, kann man sich als kleinere Partei in einem kurzen Wahlkampf mit einer guten Kampagne oder unerwarteten Coups Aufmerksamkeit erarbeiten. Die Nominierung von Christian Lindner als Spitzenkandidat der FDP ist dafür der beste Beweis.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Wie fügt sich der Online-Wahlkampf in die Gesamtstrategie ein?</p>
<div id="attachment_115695" class="wp-caption alignleft" style="width: 150px"><a href="http://politik-digital.de/nrw-fdp-wer-onlinekommunikation-verschlaeft-kann-die-wahl-verlieren/bild-kracht-fdp/" rel="attachment wp-att-115695"><img class="size-full wp-image-115695" title="Bild Kracht FDP" src="http://politik-digital.de/wp-content/uploads/Bild-Kracht-FDP.jpg" alt="Moritz Kracht" width="140" height="185" /></a><p class="wp-caption-text">Moritz Kracht</p></div>
<p><strong>Kracht:</strong> Unser Wahlkampf steht auf mehreren Säulen: Klassische Werbung, Großflächen, Events, Zielgruppenbriefe&#8230; und, ja, natürlich Onlinekommunikation. Die Themen, die wir offline setzen, spielen wir natürlich auch online. Auch in der Ansprache der Zielgruppen machen wir keine Unterscheidung, versuchen aber jeweils das Umfeld richtig zu nutzen. Während wir auf unserer Website mit längeren Texten informieren, verknappen wir das in den Sozialen Netzwerken und nutzen die Interaktionsmöglichkeiten. Insgesamt nimmt ein starker Onlineauftritt in der Bedeutung zu.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet in der NRW-Wahl noch nicht wahlentscheidend sein wird. Sehen Sie das auch so?</p>
<p><strong>Kracht:</strong> Die gesamte Onlinekommunikation, also die eigene Website und die Sozialen Netzwerke, sind ein wichtiger Bestandteil in der Gesamtkampagne. Sowohl für die Kommunikation nach außen als auch nach innen, in die Partei hinein. Wer online gut aufgestellt ist, kann schnell und direkt kommunizieren &#8211; aber das ersetzt keinesfalls andere Maßnahmen und Kanäle. Man kann eine Wahl nicht alleine online gewinnen, aber wer die Online-Kommunikation vollkommen verschläft und nicht als ernsthaften Kanal ansieht, kann die Wahl sehr wohl verlieren.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Inwiefern konkurrieren Sie mit den Piraten um Wählerstimmen? Hat das Umfragehoch der Piraten Einfluss auf die Strategie?</p>
<p><strong>Kracht: </strong>Bislang zeigen die demoskopischen Analysen, dass sich die Piraten in erster Linie aus dem Nichtwählerlager und sehr stark aus der Anhängerschaft der Grünen speisen, aber weniger eine direkte Konkurrenz zur FDP sind. Wir haben schon im Wahlkampf 2010 auf unterschiedliche Online-Maßnahmen gesetzt und verfolgen auch jetzt unser eigenes Konzept. Uns ist es wichtig, 100 Prozent FDP zu zeigen. Wir wollen nicht die besseren Online-Piraten sein, werben aber um jede Stimme.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Welche Sozialen Netzwerke nutzen Sie für den Wahlkampf? Wie werden Facebook, Twitter und Co. eingesetzt?</p>
<p><strong>Kracht:</strong> Wir nutzen die meisten Plattformen bereits seit mehreren Jahren. Gerade Facebook und Twitter verwenden wir als Distributionsweg. Sobald wir auf unserer eigenen Website einen neuen Artikel oder ein größeres Update haben, holen wir die Leute in ihrem privaten Umfeld ab – über Facebook versuchen wir, auf unser Anliegen hinzuweisen und sie auf unsere Seite zu lotsen. Und natürlich nutzen wir auch die interaktiven Möglichkeiten, die Twitter und Facebook bereithalten. Auch auf Flickr veröffentlichen wir regelmäßig Fotoeindrücke von Veranstaltungen oder posten bei YouTube Spots und Interviews.</p>
<p><strong>politik-digital.de:</strong> Christian Lindner arbeitet mit einer stark personalisierten Kampagne: Wie ist die Balance zwischen Kandidat und Sachthemen? Welche Themen werden online stärker gewichtet?</p>
<p><strong>Kracht:</strong> Natürlich setzen wir in unserer Kampagne auf unseren Spitzenkandidaten Christian Lindner, rücken aber gleichzeitig auch verstärkt die entscheidenden Themen für die Landtagswahl in den Vordergrund: den Weg zur Schuldenfreiheit, den Erhalt des Gymnasiums und einen starken Wirtschaftsstandort NRW.<br />
Christian Lindner selbst hat bei Twitter über 6.000 Follower, bei Facebook folgen seiner Seite rund 9.000 Menschen – damit sind wir an der Spitze im Vergleich zu unseren Konkurrenten. Und die meisten Postings sind übrigens von Christian Lindner selbst verfasst.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"><strong><br />
Interview-Reihe zum Online-Wahlkampf #nrw12:</strong></span></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/2012-nrw-onlinewahlkampf-cdu-interview/">CDU: „Wir führen keinen bunten ‘Gute-Laune-Wahlkampf‘“</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-gruene-wir-verstehen-uns-als-digitaler-vorreiter/" target="_blank">Grüne: “Wir verstehen uns als digitale Vorreiter”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-linke-unser-wahlkampf-ist-ein-harter-kampf-gegen-zeit-und-geld/">Linke: “Unser Wahlkampf ist ein harter Kampf gegen Zeit und Geld”</a></p>
<p><a href="http://politik-digital.de/nrw-piraten-ein-mangelndes-finanzielles-budget-foerdert-die-kreativitaet-der-mitglieder/">Piraten: “Ein mangelndes finanzielles Budget fördert die Kreativität der Mitglieder”</a></p>
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