Und es hat blog gemacht


In „Generation Blogger“ werden weniger
Generationsbefindlichkeiten ausgemacht, als interessierten Laien die Herstellung eigener Weblogs technisch nähergebracht. Wer Teil dieser Blogger-bewegung sein möchte, dem ist die Lektüre des Buches von Markus Christian Koch und Astrid Haarland zu empfehlen, selbst wenn es im regulären Buchhandel nicht mehr zu bekommen ist.

Eine Person sitzt allein unter der Palme einer einsamen Insel und hackt auf die Tastatur ihres sich auf den Knien befindenden Laptops ein – dies ist das Einbandmotiv von „Generation Blogger“. Nach diversen Generationsentwürfen à la Golf, Reform, Mami oder Praktikant wird nun also die der Blogger proklamiert? Ein weiteres Generationsmanifest, dass uns aufklärt, warum der Konsum bestimmter Fernsehsendungen und Süßigkeiten uns zum Weblog brachte? Nein! Weit gefehlt, auch wenn sich diese Gedanken aufgrund des Titels auftun mögen.

Da die beiden Autoren begeisterte Blogger sind, mag man ihnen die soziologisch nicht fundierte Wortwahl „Generation“ verzeihen, hier befinden sie sich zudem in zahlreicher medialer Gesellschaft. Sie selbst erklären die Wortwahl durch die Tatsache, dass sich aufgrund der durch Blogs egalitären Möglichkeiten, die ein jeder zur Publikation nutzen, eine völlig neue Art medialer Kommunikation entsteht.

Programmieren geht über studieren

“Just do it!” ist der Haupttenor des Buches, und demgemäss werden den Lesern Schritt für Schritt konkrete Anweisungen zum Aufbau eines eigenen Weblogs gegeben. Das Buch richtet sich hier ausdrücklich an Laien und zeigt diesen, wie sie über die Seite blogger.com Schritt für Schritt, bzw. Eingabe für Eingabe ein eigenes Weblog aufbauen können, ohne sich mit allzuviel technischen Hindernissen auseinandersetzen zu müssen.

In gewollt einfachen Worten werden die Grundzüge von HTML und die Funktionsweisen von Weblogs erklärt. Dabei werden Ausdrücke wie Content, Templates, Tags und Stylesheets laiengerecht erläutert, ohne damit eine Technikphobie auszulösen.

Mit persönlichen Erfahrungserlebnissen der beiden Autoren wird nicht gespart; dies stört jedoch nicht, geschieht es ja, um anzuzeigen, dass Stolpersteine auf dem Weg zum eigenen Blog normal sind. Stilistisch verhalten sie sich hier konsequent als Blogger, die ihre Weblogs generell in einem autosoziologischen Stil verfassen.

Für die Programmierpausen: Hintergründe und Beispiele

Das Hauptaugenmark des Buches liegt auf der Vermittlung technischem Know Hows an technisch wenig erfahrene Nutzer. Trotzdem kommen theoretische Informationen zum Thema Blog nicht zu kurz. Sowohl wird das Wort enthymnologisch erklärt, wie auch der Unterschied zwischen Blog und Wiki. Kurz und kompakt werden die Grundzüge der Entwicklung von Weblogs dargestellt. Beginnend Mitte der Neunziger Jahre und fortführend über das immer größer werdende Interesse an dem Phänomen durch vereinfachte Technik bis hin zu spektakulären Warblogs werden die Leser über die wichtigsten Hintergründe und Aktionsmöglichkeiten aufgeklärt. Dazu werden auch, allerdings für das Jahr 2003, aktuelle Links als Beispiele angegeben.

Beispiele für mögliche Einsatzgebiete von Weblogs geben die Autoren zuhauf und auch Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Blogs werden kurz angezeigt, wie z.B. Moblogs, also Weblogs, die per eMail oder Mobiltelefon bespielt werden.

Die Autoren sind Blog-Enthusiasten, verlieren im Großen und Ganzen aber nicht den Sinn für die Realität. So wird die Ansicht, dass über Blogs authentischere, also nicht durch etablierte Medien gefilterte, Informationen von Menschen zu erhalten sind, einerseits bestätigt. Gleichzeitig wird die Ansicht aber relativiert, da viele Blogs auf Links von im Netz abrufbaren Artikeln aufbauen. Blogger und Journalisten gehen nach der Sicht der Autoren Hand in Hand.

Nach der Lektüre des Buches kennen die Leser die wichtigsten Hintergründe von Weblogs und der ihnen zugrundeliegenden Technik, so dass sie – ganz im Sinne der Autoren – mögliche Berührungsängste verloren haben dürften. Jetzt, 2005, fällt auf www.blogger.com sogar ein letztes mögliches Erschwernis, die englische Sprache, weg, denn die Seite gibt es nun auch auf Deutsch zu lesen.

Statt Hardcover nun Marke Eigendruck

Der Redaktionsschluss von „Generation Blogger“ war im November 2003, und daher erklärt sich, dass einige der angegebenen Beispielseiten nicht mehr aufrufbar sind. Auch die Technik hat sich weiter den Usern angepasst und vereinfacht. Die Hintergrundinformationen und Einschätzungen von Weblogs sind allerdings immer noch aktuell. Das Buch selbst ist im regulären Buchhandel vergriffen. Eine Neuauflage ist auch nicht geplant, doch, so jedenfalls die Information auf der Seite der Autoren, kann es dort in Zukunft als pdf-Datei heruntergeladen werden. Natürlich gegen ein Entgeld, nämlich voraussichtliche 4,99 Euro.

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