Mächtig empirisch

Über vier Jahre vom Projektantrag über eine groß angelegte Befragung und Inhaltsanalyse bis hin zur Publikation: "Journalismus im Internet" will das Online-Medienschaffen neu vermessen. Mit der technischen Entwicklung Schritt halten kann der Band aufgrund der langen Bearbeitungszeit natürlich nicht – obwohl auch journalistische Weblogs zum Online-Journalismus gezählt wurden.

Der von Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke herausgegebene Sammelband definiert  Journalismus nicht über das Verbreitungsmedium. Vielmehr sollten funktionelle Äquivalente zum traditionellen Journalismus in Zeitungen oder im Radio erfasst und ebenfalls untersucht werden.

Viele Blogs fielen raus

Viele Weblogs jedoch überstanden aber den Kriterientest der Wissenschaftler nicht, der unter anderem Aktualität, regelmäßiges Erscheinen und Universalität in den Themen umfasste (es scheiterten aber auch die Internetangebote einiger klassischer Medien wie Radiosender). Die Autoren folgern daraus, dass Blogger "im Wesentlichen komplementäre und nur punktuell journalistische Leistungen erbringen." Professionellen und organisierten Journalismus könnten sie nicht ersetzen. Für die Öffentlichkeit seien die Blogs dennoch bedeutsam: Als Quelle für Informationen und als Ort der Anschlusskommunikation und kritischer Auseinandersetzung mit Journalismus.

Im Gegensatz zu den Blogs wiederum schöpften viele Angebote die Multimedia- und Partizipationschancen des Internets nicht aus, stellen die Autoren fest.

Bestandsaufnahme

Das knapp 350 Seiten starke Werk ist eine Bestandsaufnahme des Journalismus im Internet – nicht mehr und nicht weniger.  Den überwiegenden Teil des Bandes nehmen Bestandsaufnahme, Definition, Modelle und Methoden ein, die Forschungsergebnisse werden im Vergleich deutlich kürzer abgehandelt. Dennoch hebt sich der Band durch seine konsequent empirische Ausrichtung aus der Masse der wissenschaftlichen Journalismus-Literatur ab.

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